5 E

Im Lichte, das aus Geistestiefen

Im Raume frucht­bar webend

Der Göt­ter Schaf­fen offenbart:

In ihm erscheint der Seele Wesen

Geweit­et zu dem Weltensein

Und aufer­standen

Aus enger Selb­s­theit Innenmacht.

 

Was wird hier sichtbar?

Dieses Mantra ist im See­lenkalen­der-Jahr das erste von vier Licht­sprüchen, die im Jahreskreis wie ein flach­es Andreaskreuz ange­ord­net sind. Diese Mantren wer­den all­ge­mein Licht­sprüche genan­nt, weil sie vom Licht han­deln. Alle vier Licht­sprüche ste­hen durchgängig in der beschreiben­den drit­ten Per­son ohne bewussten Ich-Sprech­er. Sie stellen deshalb Tat­sachen dar, an deren Zus­tandekom­men der Men­sch keinen bewussten Anteil hat.

Im Mantra 5 E wird im ersten Teil die Tätigkeit des Lichts, das aus Geis­testiefen kommt, beschrieben, im zweit­en wird gesagt, was durch dieses Licht zur Erschei­n­ung kommt, was von diesem Licht beleuchtet wird. Der Frage, um was für ein Licht es bei dem Licht aus Geis­testiefen geht, kom­men wir ein Stück näher, wenn wir den gegenüber­liegen­den Licht­spruch 31 e betra­cht­en. Er han­delt von diesem Licht aus Geis­testiefen. Dort erfahren wir, dass das Licht aus Geis­testiefen son­nen­haft nach außen strebt, zur Lebenswil­len­skraft wird und in die Dumpfheit der Sinne leuchtet. Ziel dieser Wirkung ist, Kräfte zu ent­binden, die let­ztlich Schaf­fens­mächte im Men­schen­werk reifen lassen. Das Licht aus Geis­testiefen ist also ein Licht, das son­nen­haft von einem Zen­trum ausstrahlt, zur Kraft des Lebenswil­lens wird und die Sinne des Men­schen für die Umwelt erhellt, ich kön­nte sagen die Augen öffnet für die Sinnhaftigkeit der Welt. Dieses Licht aus Geis­testiefen stellt sich für mich als die Leben­skraft sel­ber dar, als der Lebensäther.

Exkurs: Vier Äther­arten unter­schei­det Rudolf Stein­er, vier weisheitsvolle Leben­skräfte, die ihren bild­haften Aus­druck durch die vier Ele­mente find­en: Form­bildend bis in die Erde wirkt der Leben­säther, der mit dem chemis­chen Äther zusam­men dem per­sön­lichen Gebrauch des Men­schen ent­zo­gen ist. Diese bei­den Äther­arten vere­inen sich zur Imag­i­na­tion des Lebens­baums. Die per­sön­liche Hand­habung dieser Kräfte wurde dem Men­schen ent­zo­gen. Bis heute kann nie­mand aus totem Stoff Leben schaf­fen. Anders ist es bei den bei­den niederen Äther­arten, dem Wärme- und Lichtäther. Jed­er Men­sch hat seine eigene Kör­per­wärme und sein Gedanken­licht. Sie vere­inen sich in der Imag­i­na­tion des Baums der Erken­nt­nis und wer­den in den anderen bei­den Licht­sprüchen the­ma­tisiert, der Wärmeäther im Spruch 22 V, der Lichtäther im Spruch 48 w.

Im Mantra 5 E ist nun nicht das Licht sel­ber The­ma, son­dern das, was in diesem Licht erscheint, was durch das Licht sicht­bar wird, was das Licht erschafft. Das Licht aus Geis­testiefen webt frucht­bar im Raum und offen­bart dadurch das Schaf­fen der Göt­ter. Das Weben ist ein immer wieder ver­wen­detes, uraltes Bild für den Prozess der Entste­hung alles Irdis­chen. Ver­schiedene Stoffe und Kräfte wirken zusam­men wie die Kett- und Schuss­fä­den, um einen neuen Leib, ein neues Sein zu bilden. Weben geschieht im Auf-und-Ab, in ein­er wellen­den Bewe­gung, die an das Wass­er denken lässt, die Grund­lage allen Lebens. Es sind die Göt­ter, die über dem Men­schen ste­hen­den Hier­ar­chien, die hier erschaf­fend das webende Licht hand­haben. In diesem Weben kann ich den chemis­chen oder Klangäther wieder­erken­nen, die Sphären­har­monie, die allem ihr recht­es Maß und ihre rechte Zahl  zuweist, die das jew­eilige Muster in den Stoff webt.

Das Licht webt frucht­bar, es bedi­ent sich der Befruch­tung, die zur Fortpflanzung aller höher entwick­el­ten Lebe­we­sen, sowohl im Pflanzen- als auch im Tier­re­ich gehört. Das Licht webt im Raum. Es ist die im Raum wirk­ende, das Leben von Zyk­lus zu Zyk­lus führende Kraft, deren äußere Erschei­n­ung die Zeit ist.

An dieser Stelle ste­ht im Spruch ein Dop­pelpunkt, denn nun kommt das Wichtig­ste. Nun wird aus­ge­führt, was im Licht aus Geis­testiefen erscheint, was dieses Licht zur Erschei­n­ung bringt. Alles Vorherige diente der Vor­bere­itung für dieses Erscheinen. Das Wesen der Seele erscheint. Nur inkarniert in einem (durch Göt­ter­schaf­fen gewobe­nen) Leib kann die Seele erscheinen, leben, wirk­sam wer­den, sich aus­drück­en. Bis zum Erscheinen der Seele hat das Licht einen weit­en Weg zurück­gelegt. Auf­steigend aus Geis­testiefen, also nicht aus der Materie, son­dern aus dem Geist entsprun­gen, hat das Licht zunächst im Raum frucht­bar die Ele­mente zum Leib ver­woben und dadurch das Schaf­fen der Göt­ter offen­bart. Nun ist mit dem Erscheinen der Seele eine weit­ere Stufe im Licht­prozess­es erreicht.

Das, was hier als Seele erscheint, ist nicht das begren­zte, der Welt gegenüber­ste­hende Wesen, als das wir uns oft erleben. Diese Seele unter­schei­det sich in zwei Aspek­ten von unser­er All­t­ags-See­len­wahrnehmung. Sie ist geweit­et zum Wel­ten­sein und aufer­standen aus enger Selb­s­theit Innen­macht. Sie besitzt zum einen die Fähigkeit, die Welt zu sein. Diese Fähigkeit ver­lei­ht uns unser Ver­stand. Er kann sich ein­denken in die Geset­zmäßigkeit­en der Welt. Durch ihn kön­nen wir uns nach und nach zum Wel­ten­sein weit­en, alle Weisheit der Welt in uns aufnehmen.

Zum anderen ist sie aufer­standen aus der Enge der nach Innen gerichteten Macht der Selb­s­theit. Bevor Aufer­ste­hung möglich ist, muss ein Tod stat­tfind­en. Da Denken immer auch Abstrak­tion, Fes­tle­gung und Zer­gliederung mit sich bringt, kön­nte die denk­end erre­iche Weitung der Seele zum Wel­ten­sein einem Ster­be­prozess gle­ichkom­men, bedeutet doch auch zum Wel­ten­sein geweit­et zu sein, alles Sub­jek­tive, nur indi­vidu­elle aufgegeben zu haben. Dadurch wird die Aufer­ste­hung aus der Enge der Selb­s­theit möglich.

Der Zus­tand der engen Selb­s­theit ist uns ver­traut. Es ist das Erleben, ein abge­gren­ztes Selb­st, ein Ego zu sein. In dieser Enge wird das Denken, Fühlen und Wollen als der eige­nen, nach Innen gerichteten Macht unter­wor­fen erlebt, abge­tren­nt und unbee­in­flusst von anderen Mächt­en. Der Welt gegenüber fühlt sich die Seele dage­gen macht­los, die Welt erlei­det sie, hier ist sie Opfer. Aus dieser Enge, dieser ver­meintlichen nur nach Innen gerichteten Macht der Selb­s­theit ist die Seele aufer­standen. Sie ist befre­it vom allzu men­schlichen, begrenzten.

Die Logoskraft, als welche der Leben­säther auch beze­ich­net wird, wirkt sowohl Welt schaf­fend als auch in der Seele. Hier ermöglicht er das Erleben der Sinnhaftigkeit der Welt und des eige­nen Lebens. Wird diese Sinnhaftigkeit erlebt, ist die Seele aufer­standen aus der Enge der nur nach Innen gerichteten Macht der Selbstheit.

Was wir in der Regel nur gradu­ell erleben, zum Wel­ten­sein geweit­et und auch aufer­standen zu sein aus der nach Innen konzen­tri­erten Selb­s­theit, ist im Erscheinen des Wesens der Seele in diesem Licht vol­l­zo­gen. Indem die Seele im Licht aus Geis­testiefen erscheint, ist sie Wel­ten­sein und gle­ichzeit­ig aufer­standen, lebendi­ger Geist gewor­den. So kann  sie sich ver­bun­den wis­sen mit der Welt, ihr füh­lend, denk­end und wol­lend begeg­nen, in ihr wirken und die Wesen der Welt in sich wirk­end erleben. Das Ziel ihrer Entwick­lung ist erreicht.