6 F

Es ist erstanden aus der Eigenheit

Mein Selb­st und find­et sich

Als Wel­tenof­fen­barung

In Zeit- und Raumeskräften;

Die Welt, sie zeigt mir überall

Als göt­tlich Urbild

Des eignen Abbilds Wahrheit.

 

Himmelfahrt und die Zahl 40

In der Woche 6 F ist Him­melfahrt. Immer am Don­ner­stag der sech­sten Woche nach Ostern ist Christi Him­melfahrt, denn dieses Fest wird am 40. Tag nach der Aufer­ste­hung gefeiert. Spricht sich dieses Ereig­nis im Mantra aus? Und warum ger­ade 40 — was sagen die 40 Tage über dieses Ereig­nis aus?

Die Erhe­bung Christi in den Him­mel wird nur im Markus- und Luka­se­van­geli­um geschildert. Bei Markus (16, 19) heißt es, dass Chris­tus seit dem zur Recht­en Gottes sitzt. Damit endet das Evan­geli­um, der Auf­trag, das Evan­geli­um zu verkün­den und zu heilen wird vorher erteilt. Das Marku­se­van­geli­um endet mit ein­er den Raum betr­e­f­fend­en Infor­ma­tion, “zur Recht­en” also von der recht­en Seite Gottes wirkt der Chris­tus von nun an aus dem Him­mel auf die Erde. Im Luka­se­van­geli­um (24, 50) verkün­det der Aufer­standene den Jüngern das Pfin­g­stereig­nis, führt sie hin­aus, seg­net sie und entschwindet ihren Blick­en. Die Jünger sind von großer Freude erfüllt, kehren nach Jerusalem zurück und warten auf die Sendung des Heili­gen Geistes, auf Pfin­g­sten.  Das Luka­se­van­geli­um endet mit dem Fokus auf die Zeit, auf das Pfin­g­stereig­nis, das kom­men soll.

Im Evan­geli­um ist die Him­melfahrt Christi nir­gends mit der Zahl 40 ver­bun­den. Erst in der Apos­telgeschichte wird von den 40 Tagen fol­gen­des gesagt: “Ihnen (den Apos­teln) erwies er (der aufer­standene Chris­tus) sich auch nach seinem Lei­dens­gang als der Lebendi­ge in vie­len Begeg­nun­gen; vierzig Tage hin­durch zeigte er sich ihnen und sprach mit ihnen vom Reich Gottes” (Apos­telgeschichte 1, 3). Die Zahl 40 spielt auch an anderen Stellen eine wichtige Rolle. Sie begeg­net uns in den 40 Jahren, die das auser­wählte Volk durch die Wüste ziehen muss, den 40 Tagen, die Chris­tus nach der Taufe in der Wüste fas­tend ver­bringt, bevor er han­del­nd in die Welt tritt. Außer­dem sind es 40 Wochen, die unge­fähr eine Schwanger­schaft dauert. Alle drei mit der Zahl 40 ver­bun­de­nen Ereignisse beschreiben einen Prozess tief­greifend­er Wand­lung und Neu-Wer­dung. Auch die Zahlen­mys­tik spricht bei der 40 von einem Durch­bruch in eine neue Dimen­sion. “Die Zahl Vierzig (40) set­zt sich zusam­men aus 4 und 0. Null, okkult gele­sen als Ei, bedeutet den Abschluss, die Vol­len­dung eines Entwick­lungszyk­lus. Vier ist die Zahl der Maya, des äußeren Scheins. Wenn in der Bibel von der Zahl 40 gesprochen wird, deutet das an, dass die Maya über­wun­den wird…” (anthrowiki.at, 40 (Zahl).

In welche neue Bewusst­seins­di­men­sion führt nun das Mantra 6 F?

Was sagt mir das Mantra?

Zunächst erin­nert der Inhalt des Mantras 6 F an das vorherige, an den Spruch 5 E. Der jet­zige Inhalt scheint fast iden­tisch mit der zweit­en Hälfte von 5 E — mit dem Unter­schied, dass es nun einen bewussten Ich-Sprech­er gibt. Doch bei genauer­er Betra­ch­tung zeigen sich weit­ere Unter­schiede: Es ist im Mantra 6 F das Selb­st, das erstanden ist, nicht das Wesen der Seele. Die Seele erleben wir als einen See­len­raum, das Selb­st im Mit­telpunkt dieses Raumes. Im Mantra 5 E war der Selb­s­theit Innen­macht noch das Enge, das über­wun­den wer­den musste. Die Seele musste sich von dieser selb­stis­chen Eigen­schaft befreien, aufer­ste­hen. Deut­lich wird, dass in den bei­den Sprüchen unter­schiedliche Aspek­te des Selb­st the­ma­tisiert wer­den. Diese ken­nen wir als das niedere und das höhere Selb­st. “Das niedere Selb­st des Men­schen ist sein im Ego­is­mus ver­härtetes Ego; sein höheres Selb­st ist das Geist­selb­st, der durch die bewusste Arbeit des Ich vergeistigte Astralleib” (anthrowiki.at, Selb­st). Im Mantra 5 E wird uns die Über­win­dung des Ego­is­mus durch die Seele geschildert, im Mantra 6 F dage­gen das Selb­st, das auf dem Weg ist, Geist­selb­st zu wer­den.  Rudolf Stein­er führt aus: “Ich wollte zeigen, wie man allmäh­lich dahin kom­men kann, das, was in unserem Inneren lebt als astralis­ch­er Leib und Selb­st, sein­er wahren Gestalt nach, nicht in der Maya, zu erken­nen; denn so wie der Men­sch seinen astralis­chen Leib inner­lich erlebt, so ist es nicht der wirk­liche astralis­che Leib, so ist es der astralis­che Leib, wie er sich spiegelt im Äther­leib. Und was der Men­sch sein Selb­st nen­nt, ist nicht das wirk­liche Ich, ist das Ich, wie es sich spiegelt im physis­chen Leib. Spiegel­bilder seines Inneren erlebt der Men­sch nur” (GA 145, S. 188 aus: anthrowiki.at, Selb­st). Rudolf Stein­er unter­schei­det also Astralleib und Selb­st. Das im (Leben­säther-) Licht aus Geis­testiefen erscheinende Wesen der Seele (5 E) kann ich als den im Äther­leib gespiegel­ten Astralleib ansprechen, das sich an der Physis spiegel­nde Ich als das Selb­st im Spruch 6 F.

Dieses Selb­st im Mantra 6 F ist aus der Eigen­heit erstanden. Im Ver­gle­ich zu dem “aufer­standen” aus 5 E, das den Prozess der Aufwärts­be­we­gung betont, wirkt “erstanden” sta­tis­ch­er, aufrechter, dem Ich gemäß. Das Selb­st ist aus der Eigen­heit erstanden und der Ich-Sprech­er als wach­er Beobachter bezeugt diesen Schritt. Das sich am physis­chen Leib spiegel­nde und als Selb­st wahrnehmende Ich, ist aus der Eigen­heit erstanden, aus­geschlüpft aus der Abge­gren­ztheit des Ego-Seins. Für das Ich ist nun nicht nur der eigene physis­che Leib Spiegel der Selb­st­wah­nehmung, son­dern die ganze Welt. Das Selb­st find­et sich als Wel­tenof­fen­barung — und zwar in zweifach­er Weise: in Zeit- und Raumeskräften.

Wie kön­nte das Ausse­hen, was das Ich da als sein Selbt im Spiegel der Welt sieht? Was offen­bart die Welt dem Ich? Zunächst zum Raum und den Raumeskräften: Der Raum, den ich mit Augen wahrnehmen kann, ist ide­alier Weise wie z. B. auf offen­er See ein kreis­run­der Raum. Für meinen Hor­i­zon­tkreis unter­schei­de ich vier Rich­tun­gen: vorne, hin­ten, rechts und links. Sehe ich von mir ab, von mein­er Eigen­heit, so gibt es im Raum die vier Him­mel­srich­tun­gen, die durch den Son­nen­lauf ihre Charak­ter­is­tik erhal­ten: Osten, West­en, Nor­den und Süden. Diese Rich­tun­gen sind in alten Mys­te­ri­en­tex­ten mit beson­deren Qual­itäten ver­bun­den. Thor geht in der Edda, der Nordisch- Ger­man­is­chen Mytholo­gie, immer auf Ost­fahrt, die Köni­gin von Saba kommt im Alten Tes­ta­ment aus dem Süden. Mit den Him­mel­srich­tun­gen sind ganz bes­timmte Qual­itäten ver­bun­den, kos­mis­che Rich­tungskräfte, die beim Hör­er früher­er Zeit­en wachgerufen wur­den, wenn die Him­mel­srich­tung genan­nt wurde. Von Rudolf Stein­er gibt es die Angabe, dass Michael, der Lenker der Ich-Entwick­lung, aus dem Osten wirkt.  Gabriel, der mit den heili­gen Herzen­skräften und dem Astralleib ver­bun­den ist, wirkt aus dem Süden. Raphael ist mit dem Äther­leib ver­bun­den und wirkt aus dem West­en. Uriel, mit dem physis­chen Leib ver­bun­den, wirkt aus dem Nor­den (siehe anthrowiki.at, Him­mel­srich­tun­gen, Stein­er GA 265, 316f). Das Ich erken­nt das Selb­st als Offen­barung der Welt, als das Zusam­men­wirken der vier Wesens­glieder-Kräfte aus den vier Him­mel­srich­tun­gen. Das Selb­st find­et sich — nach­dem es sich sozusagen als zu enge Selb­s­theit (siehe 5 E) ver­loren hat­te — im Zen­trum der vier durch die ver­gan­genen Erden­twick­lun­gen dem Men­schen ver­liehenen Wesens­glieder. Das Selb­st find­et sich in den Raumeskräften als das, was der Men­sch durch die ver­gan­genen Entwick­lun­gen gewor­den ist.

Und was offen­bart das Selb­st durch die Zeitkräfte dem Ich? Zeit gliedert sich in die drei Qual­itäten von Ver­gan­gen­heit, Gegen­wart und Zukun­ft. Diese sind ver­bun­den mit den drei See­len­fähigkeit­en Denken, Fühlen und Wollen. Das Denken beruht immer auf ver­gan­genen Wahrnehmungen, die Vorstel­lung gewor­den sind, das Fühlen ist immer gegen­wär­tig, der Wille set­zt seine Ziele in der Zukun­ft. Aus diesen inneren Kräften wer­den die zukün­ftig zu entwick­el­nden geisti­gen Wesens­glieder gebildet wer­den. “Drei höhere Glieder wird er entwick­eln kön­nen, er wird sie aber in seinem Innern aus­bilden. Aus den vier Gliedern wird er drei her­vorwach­sen lassen als eine höhere Drei­heit. … Sie (die Erzen­gel-Lenker dieser Entwick­lun­gen) ste­hen nicht in den vier Rich­tun­gen des Raumes wie die vier Erzen­gel, die das kos­mis­che Kreuz for­men, so als hät­ten sie sich von einem gemein­samen Mit­telpunk­te her­aus voneinan­der ent­fer­nt, son­dern sie sind so miteinan­der ver­bun­den, dass sie ein Dreieck for­men, strahlend in gold­en­em Glanze. In dem <Ich bin der da war, der da ist, der da sein wird> verbinden sie die drei Punk­te der Zeit: Ver­gan­gen­heit, Gegen­wart und Zukun­ft und weben diese zur Ein­heit. In die Vier hinein wer­den sie ihre Kraft ergießen, indem sie nicht neben den vier, son­dern über den Vier ste­hen ” (Rudolf Stein­er, GA 265, 336ff, in anthrowiki.at, Him­mel­srich­tun­gen). Durch die Zeitkräfte offen­bart sich dem Ich, was der Men­sch in der Zukun­ft entwick­eln kann.

Stand im erten Teil des Mantras 6 F das Selb­st und damit die Eigen­wahrnehmung des Ich-Sprech­ers im Mit­telpunkt, so rückt nun die Wirkung der Welt auf das Ich in den Fokus. Die Welt tut etwas. Sie zeigt dem Ich-Sprech­er die Wahrheit des eige­nen Abbilds. Sie zeigt ihm und sagt ihm damit: das, das Bild, das du von dir als Spiegelung an der physis­chen Welt siehst, ist wahr. Die Welt ist das göt­tliche Urbild, von dem der Men­sch Abbild ist. Über­all hat der Men­sch die vier Him­mel­srich­tun­gen um sich, immer wirkt die Zeit verän­dernd auf den Raum ein. Die Welt zeigt über­all als göt­tlich­es Urbild, wovon jed­er einzelne Men­sch ein wahres Abbild ist. In jed­erm Men­schen wirken die vier bere­its entwick­elte Wesens­glieder zusam­men und liegen die Keime für die drei in Zukun­ft zu entwick­el­nden geisti­gen Wesens­glieder. Das Ich hat Bewusst­sein über seinen äußeren und inneren Raum und seine Zeit­gestalt erlangt.

Indem der Ich-Sprech­er sein Selb­st als Wel­tenof­fen­barung erlebt, hat nicht nur eine Aufer­ste­hung, eine Über­win­dung der Begren­ztheit der Dual­ität stattge­fun­den, son­dern eine weit­ere Erhe­bung. Rudolf Stein­er beschreibt die Him­mel­srich­tun­gen als von vier Erzen­geln beherrscht. Mit dem Erste­hen des Selb­st ist dem Ich der Him­mel, das Ewige des Men­schen zugänglich. Mit Christi Him­melfahrt wird uns das Bild dieser Erhe­bung des Ichs gegeben, ist doch der Chris­tus das Wahre Ich. In den Mantren des See­lenkalen­ders wer­den die Stufen der Seele beschrieben. In den 40 Tagen bis zu diesem Him­melfahrt­stag drückt sich die voll­ständi­ge Neu-Wer­dung aus. Das Bewusst­sein des Ich-Sprech­ers reicht von der Erde bis in den Him­mel; es reicht von der Selb­sterken­nt­nis wahres Abbild zu sein bis zur Ansicht des göt­tlichen Urbildes.