Die spiegelnden Zwischenspruch-Mantren 6 F und 47 v

6 F

Es ist erstanden aus der Eigen­heit

Mein Selb­st und find­et sich

Als Wel­tenof­fen­barung

In Zeit- und Raumeskräften;

Die Welt, sie zeigt mir überall

Als göt­tlich Urbild

Des eignen Abbilds Wahrheit.

 

47 v

Es will erste­hen aus dem Wel­tenschoße,

Den Sin­nen­schein erquick­end, Werdelust.

….

…..

Sie finde meines Denkens Kraft

Gerüstet durch die Gotteskräfte,

Die kräftig mir im Innern leben.…..

Musik zum Mantra 6 F — unerbittlich-streng — komponiert von Herbert Lippmann

Musik zum Mantra 47 v — folkloristisch — komponiert von Herbert Lippmann

Gedanken zu den zwischen Licht- und Krisensprüchen stehenden Zwischensprüchen

Die Spiegel­sprüche 6 F und 47 v erhal­ten durch ihre benach­barten Mantren, die jew­eils auf der einen Seite ein Licht- und auf der anderen ein Krisen­spruch sind, ihre her­aus­ra­gende Stel­lung. Sie liegen also bei­de zwis­chen einem Licht- und einem Krisen­spruch, weshalb ich sie Zwis­chen­sprüche nenne. Dadurch nehmen sie eine ver­mit­tel­nde Stel­lung ein.

Am Don­ner­stag in der Woche 6 F wird Christi Him­melfahrt gefeiert, genau 40 Tage nach Ostern. In der Woche 47 v ist mir dage­gen kein Fest bekan­nt. Die in der Abbil­dung ver­wen­dete Wolke zur Kennze­ich­nung der vier im See­lenkalen­der zu find­en­den Zwis­chen­sprüche soll ihre Eigen­schaft der Ver­mit­tlung ver­weisen, zum einen, wie die Wolke zwis­chen Him­mel und Erde zu ver­mit­telt und zum anderen auf die Wolke, die den Aufer­stande­nen den Blick­en der Jünger ent­zog bei sein­er Himmelfahrt.

Die Zwis­chen­sprüche zwis­chen Licht- und Krisen­spruch, gekennze­ich­net durch eine Wolke

Aus der Gesamtschau des See­lenkalen­der-Jahreskreis­es ergibt sich ein weit­er­er Aspekt der Ver­mit­tlung. Die Krisen­sprüche 7 G und 46 u, (eben­so wie die Krisen­sprüche 20 T und 33 g) markieren die Mitte ihrer Viertel­jahre mit je 13 Wochen. Sie ste­hen jew­eils an siebter und damit an mit­tlerer Stelle. Die Licht­sprüche 5 E und 48 w (eben­so wie die Licht­sprüche 22 V und 31 e) markieren gle­ich­wohl eine Mitte. Sie bilden die Mitte ihres Sech­s­tels im Jahr.

Die Viertelung des Jahres ist durch die vier Jahreszeit­en offen­sichtlich. Doch — gibt es auch eine Sechs­gliedrigkeit im Jahr? — Und wie kommt sie zus­tande? Die Sechs­gliederung entste­ht durch die bewegliche Osterzeit. Das Maß dieser Zeit wird gebildet durch das, was ich Ur-Sech­s­tel nenne: durch die neun Wochen von Ostern bis Fron­le­ich­nam. Fron­le­ich­nam ist das let­zte Fest, das durch den Abstand zum Oster­fest und nicht durch ein gle­ich­bleiben­des Datum bes­timmt ist. In dieser neun­wöchi­gen Spanne bildet die fün­fte Woche, die Licht­spruch­woche 5 E, die Mitte. Vier Wochen gehen ihr ein­schließlich der Oster­woche voraus, vier weit­ere fol­gen mit der Fron­le­ich­nams Woche.

Licht- und Krisen­sprüche sind jew­eils die Mitte ihres Segments

Die Zwis­chen­sprüche, die Mantren 6 F und 47 v (eben­so 21 U und 32 f), ste­hen — wie bere­its voraus­geschickt — zwis­chen Licht- und Krisen­spruch. Sie ste­hen zwis­chen den bei­den Mantren, die jew­eils die Mitte ihrer Gliederung bilden­den. Sie kön­nen dadurch als Ver­mit­tler zwis­chen der Gliederung des Jahres in Sech­s­tel und der­jeni­gen in Vier­tel ver­standen wer­den. Sie ver­mit­teln sozusagen zwis­chen der himm­lis­chen Sechs­gliedrigkeit, die der Licht­spruch krönt und der irdis­chen Vier­gliedrigkeit, die ihren Aus­druck im Krisen­spruch findet.

Da die Sechs­gliedrigkeit so unbekan­nt ist, will ich diesen Aspekt ver­tiefen. Das Ursech­s­tel der nachöster­lichen neun Wochen wird ergänzt durch die eben­so vom Oster­da­tum abhängi­gen vor Ostern liegen­den Wochen. Auch Ascher­mittwoch und die davor liegende Karnevals-/ Faschingszeit ist durch den Abstand zum Oster­fest und nicht durch ein gle­ich­bleiben­des Datu bes­timmt. Da die spiegel­nden Mantren darauf hin­weisen, dass Sym­me­trie im See­lenkalen­der Bedeu­tung hat, gehe ich davon aus, dass die voröster­liche Zeit eben­so neun Wochen und damit ein Sech­s­tel des Jahres umfasst. Diese Wochen liegen bildlich gesprochen wie eine Mond­sichel im Jahreskreis. Wird dieser Jahreskreis so vorgestellt, dass das Oster­fest unten liegt (wie der linke Jahreskreis in obiger Abbil­dung), entste­ht durch die Sech­s­tel eine geschichtete Drit­telung des Jahres. Die Ebene über der Mond­sichel wird von zwei Sech­steln ohne Licht- und Krisen­sprüche gebildet, eines rechts, eines links. Diese Sech­s­tel enthal­ten den Kreis­mit­telpunkt, weshalb ich sie den Son­nen­bere­ich des Jahres nenne. Darüber liegen wiederum zwei zusam­men­hän­gende Sech­s­tel, der Stern­bere­ich, der eben­so wie der Mond­bere­ich Licht- Zwis­chen- und Krisen­sprüche enthält. Diese Darstel­lung der Sech­s­tel bildet die Grund­lage dafür, dass ikono­graphisch die Maria auf der Mond­sichel, das Weib der Apoka­lypse des Johannes im Jahreskreis erscheint. Ihr Strahlenge­wandt ist der Son­nen­bere­ich, ihre Kro­ne von zwölf Ster­nen entspricht dem Stern­bere­ich und der Mond bzw. Drache unter ihren Füßen wird in der Oster­scholle sichtbar.

Dieses Weib erschaut­en die Men­schen der alten Atlantis in der Sonne, wie Rudolf Stein­er sagt: “In der Mitte der atlantis­chen Zeit emp­fand man so etwas wie das Son­nen­da­sein natür­lich ganz anders als heute. … Man sah wirk­lich das mit der Sonne bek­lei­dete Weib, den Drachen unter ihren Füßen, ein Knäblein gebärend. Diejeni­gen, die so etwas sahen und ver­standen, sagten sich: Das ist für den Him­mel die Geburt des Chris­tus, das ist für uns die Geburt unseres Ich — auch wenn dieses Ich erst viel später in das Innere des Men­schen ein­zog.“ (Lit.: GA 346, S. 172ff)

Und dann gibt es noch einen Hin­weis von Rudolf Stein­er, dass die Sechs zur Sonne — und damit auch zu dem von der Sonne her­vorge­bracht­en Jahres­lauf gehört. Rudolf Stein­er spricht von sechs Elo­him, die auf der Sonne wohnen. “Auf dieser Sonne kon­nten sich entwick­eln sieben Hauptlicht­geis­ter, die zu gle­ich­er Zeit die geben­den Geis­ter der Liebe waren. Nur sechs von ihnen nah­men auf der Sonne Woh­nung; und das, was uns im Lichte der Sonne physisch zus­trömt, enthält in sich die geisti­gen Liebeskräfte dieser sechs Licht­geis­ter oder der sechs Elo­him, wie wir sie in der Bibel find­en. Ein­er spal­tete sich ab und ging einen anderen Weg zum Heile des Men­schen, er wählte sich nicht die Sonne, son­dern den Mond zu seinem Aufen­thalte. Und dieser eine der Licht­geis­ter, der frei­willig auf das Son­nen­da­sein verzichtete und sich den Mond wählte, ist kein ander­er als der­jenige, den das Alte Tes­ta­ment «Jahve » oder «Jeho­va » nen­nt. Dieser eine, der sich den Mond zum Aufen­thalt wählte, ist der­jenige, der vom Monde aus die reife Weisheit auf die Erde strömte und dadurch die Liebe vor­bere­it­ete.“ (Lit.: GA 103, S. 53f)

“Was ist daher diese Wesen­heit, die uns im Beginne unser­er Zeitrech­nung als der Chris­tus Jesus ent­ge­gen­trat? Sie ist nichts anderes als die Verkör­pe­rung des Logos, der sechs anderen Elo­him, denen vor­bere­i­t­end der eine, der Jahve-Gott vor­ange­gan­gen ist. Und diese eine Gestalt des Jesus von Nazareth, in welch­er der Chris­tus oder der Logos inkarniert war, bringt daher das, was früher immer nur von der Sonne auf die Erde hernieder­strömte, was nur im Son­nen­lichte enthal­ten ist, sie bringt es in das Men­schen­leben, in die Men­schheits­geschichte selb­st hinein: «Der Logos ward Fleisch». Das ist das, worauf das Johannes-Evan­geli­um den größten Wert legt.“ (Lit.: GA 103, S. 54ff)

Kön­nte es also sein, dass die Vierteilung des Jahres zu Jahve/Jehova gehört, zumal auch der Mond als sein Wohn­platz einen viergegliederten Zyk­lus aufweist? Kön­nte es deshalb sein, dass die zwis­chen Licht- und Krisen­spruch liegen­den Mantren 6 F und 47 v (sowie 21 U und 32 f), die ich Zwis­chen­sprüche nenne, die Auf­gabe haben, zwis­chen Sonne und Mond, zwis­chen Chris­tus und Jahve zu ver­mit­teln? Kön­nte es sein, dass sie die Macht der Sonne, die im Hexag­o­nalen und im Licht­spruch erscheint, mit der Macht des Mon­des, die in der Tetrag­o­nal­ität und im Krisen­spruch erscheint har­mon­isieren — in Bal­ance bringen?

Um das innere Ste­hen zwis­chen den Gegen­sätzen, um das labile Gle­ichgewicht des Bewusst­seins scheint es mir im spiegel­nden Mantren­paar 6 F und 47 v zu gehen.

Über die Spiegelsprüche 6 F und 47 v

Nach der ersten ganz offen­sichtlich spiegel­nden Zeile ver­lieren sich die Entsprechun­gen. Nur einige lockere Anklänge find­en sich noch. Die Fäden zwis­chen bei­den Mantren sind ver­hält­nis­mäßig freilassend gewoben. Bei­de Mantren sind aus der Per­spek­tive eines bewussten Ich-Sprech­ers geschrieben. Sie the­ma­tisieren deshalb See­le­naspek­te, die vom Men­schen bewusst gehand­habt wer­den müssen.

Das Mantra 6 F begin­nt: “Es ist erstanden” und beschreibt damit einen einge­trete­nen Zus­tand. Dieses große “Ist” set­zt sich durch das ganze Mantra fort. Das Mantra 47 v begin­nt: “Es will erste­hen” und beschreibt damit etwas Zukün­ftiges, sich prozesshaft Vor­bere­i­t­en­des. Und auch diese Zukun­ft­sori­en­tierung durchzieht das ganze Mantra.

Was meint das in bei­den Mantren ver­wen­dete recht ungewöhn­liche Verb “erste­hen”? Ste­hen, auf­ste­hen, entste­hen, über­ste­hen oder aufer­ste­hen sind Ver­ben, die ein ein­deutiges inneres Bild des Vor­gangs erzeu­gen. Aber erste­hen?  Die Vor­silbe “er” find­et sich in Worten, die einen neuen Zus­tand, ein Ankom­men am Ziel beschreiben: er-ken­nen, er-rat­en, er-reichen, er-blick­en, er-spüren oder er-tas­ten. “Erste­hen” erzeugt in mir ein Bild des Ste­hens, das gle­ichzeit­ig fort­ge­set­ztes Erre­ichen der Aufrichte, ein Streck­en bein­hal­tet. Im Wort “aufer­ste­hen” ist “erste­hen” enthal­ten. Doch “erste­hen” fehlt die Vor­silbe “auf” und deshalb man­gelt ihm die auf­fliegende Bewe­gung, die in “aufer­ste­hen” vorhan­den ist.

Im Mantra 6 F ist das Selb­st aus der Eigen­heit erstanden. Der Prozess ist vol­len­det. Im Mantra 47 v liegt er noch in der Zukun­ft, die Werdelust will erst noch aus dem Wel­tenschoß erste­hen. Aus der Eigen­heit (6 F) zu erste­hen klingt nach Weitung und Befreiung. Aus dem Wel­tenschoß zu erste­hen erzeugt in mir ein Her­vorge­hen aus einem Umkreishaften. Was ist also das aus der Eigen­heit erstandene Selb­st und was ist die aus dem Wel­tenschoß erste­hen wol­lende Werdelust?

Das Selb­st (6 F) definiert Rudolf Stein­er ein­mal als die Abspiegelung des rein geisti­gen Ichs am physis­chen Leib. “Und was der Men­sch sein Selb­st nen­nt, ist nicht das wirk­liche Ich, ist das Ich, wie es sich spiegelt im physis­chen Leib.” (GA 145, S. 188)

Wenn das Selb­st also aus der Eigen­heit, aus der Begren­zung auf den eige­nen Kör­p­er, erstanden ist, benötigt das Ich eine neue Möglichkeit der Abbil­dung. Und so find­et sich das Selb­st anschließend neu. Das Selb­st find­et sich als Wel­tenof­fen­barung in den Kräften von Zeit und Raum. Zeit und Raum geben dem Ich nun die Grund­lage, als kör­per­los­es Selb­st in Erschei­n­ung zu treten. Der See­lenkalen­der ist genau das: ein zeitlich­er Begleit­er durch das Jahr, der den See­len­raum beschreibt, in dem sich der Leser erken­nen kann, wie es der Ich-Sprech­er im Mantra über das eigene Selb­st sagt.

Die Werdelust (47 v) stelle ich mir wie einen mächtig strö­menden Flusses vor, den Wel­tenschoß wie den schein­bar in vol­lkommen­er Ruhe ver­har­ren­den Quell­topf. In die Bilder der Zeit über­tra­gen ist die Werdelust die lin­eare Zeit, die aus der zyk­lis­chen Zeit, aus dem Wel­tenschoß, her­vorströmt. Der Zyk­lus, ohne die lin­eare Zeit mitzu­denken, ist die ewige Wieder­hol­ung des Gle­ichen. Die Lin­eare Zeit ist stete Verän­derung, denn kein Moment wieder­holt sich jemals. Aus dem Göt­tlich-Ewigen, das hier eher weib­lich zu denken ist, aus dem Wel­tenschoß, will die Werdelust, das Leben sel­ber erste­hen.  Dieses Erste­hen-wollen der Werdelust geht ein­her mit Erquick­ung des Sin­nen­scheins — mit Erneuerung, Erfrischung Ver­jün­gung der Gefäße des Lebens, der Kör­p­er und damit des sicht­bar wer­den­den, des Erscheinen­den in der Welt. Diese irdis­che Welt ist von der geisti­gen Per­spek­tive aus betra­chtet Maya, Trug und Schein, der vom Men­schen durch­schaut wer­den sollte. Auch hier fol­gt nun ein Find­en. Doch nicht die Werdelust muss sich neu find­en, son­dern die Denkkraft des im Mantra auftre­tenden Ich-Sprech­ers. Seine Denkkraft muss gerüstet sein, damit das Ein­tr­e­f­fen der Werdelust diese Denkkraft nicht unvor­bere­it­et vorfind­et und sie mit ein­er Über­fülle an neuen Sin­nes­reizen überrennt.

Im Mantra 6 F fol­gt nach dem Find­en des Selb­st als Wel­tenof­fen­barung in Zeit- und Raumeskräften ein genauer­er Blick auf diese neue Abspiegelung des Selb­st. Dem Ich wird dadurch die Wahrheit dieses Bildes erkennbar. Die Welt zeigt dem Ich-Sprech­er über­all das göt­tliche Urbild. Nach diesem Urbild, so erken­nt der Ich-Sprech­er, ist der Men­sch als Abbild geschaf­fen. Die Welt zeigt ihm den makrokos­mis­chen Men­schen. Das eigene Abbild, das das Ich in Zeit und Raum erschaut, ist deshalb wahr. Und die Welt erscheint dadurch eben­so trans­par­ent, und zwar durch das Erste­hen des Selb­st aus der Eigen­heit. Die Welt wird für den Ich-Sprech­er in ihrer Göt­tlichkeit, als göt­tlich­es Urbild erleb­bar. Für den Ich-Sprech­er ist einge­treten, was Erleuch­tung genan­nt wird.

Im Mantra 46 v teilt der Ich-Sprech­er mit, was nötig ist, damit seine Denkkraft dem Ansturm der Werdelust stand­hal­ten kann. Eine Drei­heit an Kraft-Worten fol­gt nun: Denkens Kraft, Gotteskräfte und kräftig.

Zunächst zum ersten dieser Kraft-Worte: Nicht seine Denk­fähigkeit, son­dern die Kraft seines Denkens muss gerüstet, vor­bere­it­et sein. Was ist die Kraft des Denkens? Ich denke hier an Konzen­tra­tionskraft, Vorstel­lungskraft, die Kraft Zweifel zu ertra­gen, Fra­gen zu for­mulieren und geduldig auf Antwort zu warten, bis sie sich schenken. Und ganz konkret denke ich daran, dass jed­er Inhalt stets vor einem Hin­ter­grund betra­chtet wird, der oft unbe­wusst bleibt, die Schlussfol­gerun­gen aber maßge­blich bee­in­flusst. Je nach “fram­ing”, je nach erschaf­fen­em Rah­men und zugrunde gelegter Annah­men, ergeben sich andere Denkergeb­nisse. Bewusst genutzt bietet diese Tech­nik die Möglichkeit, den einen Inhalt durch den anderen bess­er zu verstehen.

Als Beispiel sei die vierkantige Pyra­mide in bzw. auf den See­lenkalen­der-Jahreskreis gestellt und die Eck­en der Pyra­mide so aus­richte, dass sie auf den Krisen­sprüchen ste­hen. Dadurch treten die Krisen­sprüche in Beziehung zu den Kan­ten der Pyra­mide, sie wer­den ver­bildlicht durch diese Kan­ten. Hier wende ich die Tech­nik des Fram­ings an. Doch nicht immer ist die Übere­in­stim­mung bei­der Bilder von vorn­here­in sicht­bar. Dann müssen bei­de im Bewusst­sein gehal­ten wer­den. Die Kraft, die dieses im Bewusst­sein-hal­ten benötigt, bis sich die Lösung plöt­zlich zeigt, ist für mich die Kraft des Denkens.

Nun zum zweit­en der Kraft-Worte: Gotteskräfte sind notwendig, um die Kraft des Denkens vorzu­bere­it­en, zu rüsten für den Ansturm der Werdelust. Was sind also die Gotteskräfte, die das Denken unan­greif­bar machen, ohne die es der Werdelust unmöglich gewach­sen ist? Sog­ar eine Mehrzahl an göt­tlichen Kräften sind nötig, min­destens zwei. Vielle­icht liegt die Antwort im spiegel­nden Mantra 6 F. Vielle­icht sind die geisti­gen Urbild-Kräfte von Zeit und Raum die Gotteskräfte, die das Denken unan­greif­bar machen für die Werdelust, die stetig neuen Sin­nen­schein her­vor­bringt. Die lin­eare Zeit entspricht dem fol­gerichtig logis­chen, ger­adlin­i­gen Denken. Der geistige Raum, den die zyk­lis­che Zeit umfasst, bildet Ganzheit, run­det ab und fragt nach dem Urbild.

Das dritte Kraft-Wort ist die Beschrei­bung, wie die Gotteskräfte im Innern leben sollen. die Gotteskräfte sollen im Innern nicht nur anwe­send, also bewusst sein, sie sollen dort auch kräftig leben. Sie sollen im Denken Anwen­dung finden.

Das Mantra 6 F schildert in einem großen Jet­zt, das durch die Erwäh­nung des erschaut­en göt­tlichen Urbilds auch die ferne Ver­gan­gen­heit ein­schließt, das Her­aus­treten aus der Zeit, den Zus­tand der Erleuch­tung. Die Zeit scheint hier stil­lzuste­hen in dem Augen­blick der vol­lkomme­nen Über­schau und Klar­sicht. Doch die Zeit bleibt niemals ste­hen. Diesem Vor­wärtss­chre­it­en der Zeit muss begeg­net wer­den kön­nen. Es reicht nicht aus, die Zeit ein­mal ange­hal­ten und die Klar­sicht ein­mal gewon­nen zu haben. Diesem Vor­wärtss­chre­it­en der Zeit wen­det sich das Mantra 47 v zu. Es geht von der stetig erste­hen­den, erste­hen wol­len­den Zeit aus und schildert, was notwendig ist, damit der Erleuch­tungszu­s­tand auch zukün­ftig, unter verän­derten zeitlichen Bedin­gun­gen, neu gewon­nen wer­den kann.

Bei­de Mantren beschreiben die Wahrnehmung eines Ichs, das sich im Raum und in der Zeit wach erhal­ten kann. Im Mantra 6 F erschaut der Ich-Sprech­er sein Selb­st, indem er sich nicht nach innen, son­dern der Welt zuwen­det. Er erken­nt ihre Göt­tlichkeit sowie die Wahrheit des eige­nen Abbild-Seins. Im Mantra 47 v blickt der Ich-Sprech­er nach innen, nach­dem ihm die stetig sich entrol­lende Zeit mit ihrer Vielzahl an neu her­vorge­bracht­en Sin­ne­sein­drück­en bewusst gewor­den ist. Der Ich-Sprech­er erken­nt, dass er sich von der Zeit, der Werdelust nicht wegreißen und von den Sin­ne­sein­drück­en nicht blenden lassen darf.

Die drei Bilder der Zeit und die drei Logoi

Der Begriff des Logos umfasst das göt­tliche Schöpfer­wort, das Wel­tenwort, aus dem die gesamte Schöp­fung her­vorge­gan­gen ist und weit­er­hin her­vorge­ht und gle­ichzeit­ig auch seine Offen­barung im Men­schen durch dessen Sprach- und Denk­fähigkeit. Wie das Göt­tliche im Chris­ten­tum dif­feren­ziert in der Dreifaltigkeit von Vater, Sohn und Heiligem Geist erschaut wird, dif­feren­ziert sich auch der Logos in drei Logoi.

Für mich stellte sich die Frage, ob die dreifältig erlebte Zeit, genauer die zyk­lis­che, lin­eare und in Gegen­wär­tigkeit erlebte Zeit ein Schlüs­sel sein kann zum Ver­ständ­nis der drei Logoi.

Rudolf Stein­er sagt über die drei Logoi: “Das Erste, woraus alles andere her­vorg­ing, ist die unman­i­festierte Got­theit. Aus dieser ging dann her­vor das Zweite, das Leben oder auch die unman­i­festierte schöpferische Sub­stanz. Dieses Leben geht dann hin­durch durch die man­nig­faltig­sten For­men und wird benan­nt in den For­men Akasha oder Mahat. Dieses Akasha oder Mahat enthält alles, was es an For­men des Lebens in der Welt gibt. Die ganzen Hier­ar­chien der Throne, Cheru­bim, Seraphim, der Gewal­ten, Urkräfte, Erzen­gel und Engel gin­gen her­vor durch das Leben und bilden die For­men, unter denen dies eine Leben erscheint.

Die erste Kraft, die unman­i­festierte Got­theit, wird auch der Vater genan­nt; die zweite Kraft ist der Sohn, der zugle­ich Leben und schöpferische Sub­stanz ist, und die dritte Kraft ist der Geist. Zusam­men erscheinen diese drei Urkräfte also als Vater, Sohn und Geist, als Bewußt­sein, Leben und Form. Die Kraft des Lebens ste­ht unter der Leitung Michaels, dessen, der zur Sonne gehört, die Kraft der Form ste­ht unter der Leitung Samaels, der zum Vulkan gehört, wo alles Leben umge­set­zt sein wird in lebendi­ge For­men. Die Kraft des Bewußt­seins ste­ht unter der Leitung Anaels, der alles umfaßt, was da ist.” (Lit.: GA 89, S. 256)

Weit­er­hin gibt Rudolf Stein­er an, dass zu allen Zeit­en diese drei Logoi durch den Kreis, den Sechsstern und den Fün­f­stern aus­ge­drückt wur­den (GA 94, S. 92) Der Kreis ste­ht für Gott, der Sechsstern für den Makrokos­mos und der Fün­f­stern für den Mikrokos­mos. Außer­dem gibt er in einem Weit­eren Vor­trag eine Darstel­lung mit den Beze­ich­nun­gen a, b und c (GA 89, S. 194ff).

Die drei Logoi — dargestellt im Seelenkalender-Jahreskreis

Weit­er­hin sagt er: “Das Her­vorge­hen der Welt aus dem Logos muß eine freie Tat des Logos sein, nicht eine Tat der Notwendigkeit.

Durch ein Bild nur kann das Schöpferische des Logos beze­ich­net wer­den, indem man sich ein Wesen und sein Spiegel­bild vorstellt. Man muß sich sagen: In dem Spiegel­bild ist alles das enthal­ten, was in dem Wesen selb­st vorhan­den ist. Es sieht genau­so aus, aber es ist nicht lebendig, es enthält nicht das Leben­sprinzip. Wollen wir begreifen, wie das Spiegel­bild dem Wesen gle­ich wer­den kann, so müssen wir uns denken, es ist nur dadurch möglich, daß das Wesen sein Leben, seine Exis­tenz, dem Spiegel­bild abgibt — dann hat man den Begriff des ersten Opfers. Die Hingabe der eige­nen Exis­tenz, die Über­tra­gung des eige­nen Lebens an das Spiegel­bild, das ist das ursprüngliche Opfer.

… Das ist die Tat des ersten Logos. Der zweite Logos ist genau das­selbe wie der erste Logos, nur daß er seine Exis­tenz durch ein Opfer erhal­ten hat. Wenn man nun die Wirkung des zweit­en Logos studiert, so find­et man, daß das Wesen des zweit­en Logos darin beste­ht, daß er das Wesen des ersten Logos nach dem ersten Logos hin­strahlt, zurück­strahlt. So ist der zweite Logos eine Wider­spiegelung des ersten Logos, von dem er sein eigenes Leben erhal­ten hat, das Leben, welch­es vom ersten Logos ausströmte.

Zuerst spiegelt sich der erste Logos wider, dann gibt er dem Spiegel­bild sein Leben. Während im ersten Logos alles sich nach außen richtet, die Exis­tenz nach außen wirkt, hat der zweite Logos erstens die Exis­tenz, die er erhal­ten hat und zweit­ens die Eigen­schaft, seinen Inhalt zurück­zus­trahlen auf den ersten Logos. Damit haben wir nun im zweit­en Logos eine Zwei­heit. Das Leben und der Inhalt des zweit­en Logos sind zweier­lei. Der Inhalt ist das­selbe wie bei dem ersten Logos, aber das Leben ist etwas anderes als im ersten Logos:

Der Strich in der Mitte des zweit­en Kreis­es bedeutet, daß im zweit­en Logos Leben und Inhalt zweier­lei sind, daß sie geteilt sind. Wenn es sich um den Inhalt han­delt, ist Bild und Spiegel­bild bei bei­den gle­ich, das Leben aber ist zweierlei.

Dies würde als solch­es noch kein Welt­sys­tem ergeben kön­nen, denn hier würde sich nur der eine Logos zum andern ver­hal­ten; eine Man­nig­faltigkeit würde da nicht hineinkom­men. Man­nig­faltigkeit kann nur hineinkom­men durch ein weit­eres Opfer. Eine nochma­lige Spiegelung muß stat­tfind­en: das Ver­hält­nis, das die bei­den zueinan­der haben, muß sich auch spiegeln.

Erstens spiegelt sich der erste Logos noch ein­mal zweit­ens spiegelt sich die Spiegelung. Dadurch entste­ht dann der dritte Logos als die Wider­spiegelung der zwei andern Logoi. Es enthält also der dritte Logos:

1. das Spiegel­bild des ersten Logos
2. das Spiegel­bild dessen, was der erste Logos im zweit­en Logos bewirkt hat, näm­lich sein Leben
3. das Spiegel­bild davon, was der zweite Logos zum ersten zurückstrahlt.

Stellen wir uns nun vor: Der erste Logos ist gespiegelt in a. Wenn der erste Logos die nach außen strebende, schöpferische Tätigkeit ist, so ist sein Spiegel­bild im drit­ten Logos ger­ade die umgekehrte Tätigkeit des ersten Logos. Im ersten Logos ist a das höch­ste geistige Weltlicht; im drit­ten Logos ist a die äußer­ste geistige Finsternis.

b ist im zweit­en Logos das Leben, das der zweite Logos vom ersten Logos erhal­ten hat. Es ist nicht das Leben, das sich hinopfert, son­dern das­jenige, das angenom­men wor­den ist. Das Leben, das sich im ersten Logos hinopfert, ist die Liebe. Das Gegen­teil davon im drit­ten Logos ist das absolute Ver­lan­gen, Sehn­sucht, Streben nach Logos, b ist also im drit­ten Logos das absolute Verlangen.

c ist im zweit­en Logos das Spiegel­bild des ersten Logos, welch­es der zweite Logos zurückstrahlt.

(Nochma­lige Abbil­dung des ersten und zweit­en Logos ergänzt durch den drit­ten Logos wie oben)

Bei unserem eige­nen Spiegel­bild unter­schei­den wir:

1. Das aus­ges­trahlte Bild, das aus der Fin­ster­n­is zurückkommt.
2. Das, was wir hingegeben haben, kommt zurück als Verlangen.
3. Das Bild selb­st, das wir selb­st sind.

Dies entspricht im drit­ten Logos den drei Teilen:

a die geistige Fin­ster­n­is = Tamas
b das absolute Ver­lan­gen = Rajas
c das ein­fache Spiegel­bild des ersten Logos = Sattwa

Tamas, Rajas, Sattwa sind die drei Gunas, die drei Teile des drit­ten Logos.

Zunächst sind a, b und c vorhan­den. Wenn a allein vorhan­den ist, ist es eben Tamas. Wenn a — die geistige Fin­ster­n­is oder Tamas — sich kom­biniert mit b — Rajas, dem absoluten Ver­lan­gen -, kom­biniert sich Fin­ster­n­is mit Ver­lan­gen, und es ist ein Hin­streben nach dem ersten Logos. Wenn a und c — Tamas und Sattwa — kom­biniert wer­den, haben wir das Bild des ersten Logos, aus der Fin­ster­n­is her­aus geschaf­fen. Eben­so kön­nen wir b mit c kom­binieren. Es kann jedes für sich auftreten und mit einem der andern kom­biniert wer­den. Alle drei miteinan­der kom­biniert, sind, was der erste Logos selb­st ist. Wir haben sieben mögliche Kom­bi­na­tio­nen der drei Gunas:

Dies sind also die sieben ver­schiede­nen Kom­bi­na­tio­nen der Gunas. Man stelle sich diese sieben möglichen Kom­bi­na­tio­nen vor als das näch­ste weltschöpferische Prinzip, das aus den drei Gunas her­vorge­hen kann. Diese sieben Wesen­heit­en existieren wirk­lich. Es sind die soge­nan­nten sieben schöpferischen Geis­ter vor dem Throne Gottes, nach den drei Logoi die sieben näch­sten schöpferischen Kräfte:”

(Lit.: GA 89, S. 194ff)

Im fol­gen­den beschreibt Rudolf Stein­er den zweit­en Logos nicht als den göt­tlichen Sohn, son­dern als das Weib­liche. Hier nimmt er nicht die Per­spek­tive des angenomme­nen Lebens ein, son­dern die der schöpferischen Ursub­stanz, der noch geisti­gen Erde Gäa. Der dritte Logos ist nun der Sohn und den benen­nt Rudolf Stein­er als Kro­nos, die Zeit.

„Alles Leben in man­nig­falti­gen For­men ist aus der Ein­heit, dem einen Logos her­vorge­gan­gen. In ihm ruht alle Man­nig­faltigkeit noch ungeschieden, undif­feren­ziert ver­bor­gen. So wie er erkennbar wird, sich als Selb­st wahrn­immt, tritt er aus dem Absoluten, aus dem Unter­schied­slosen her­aus und schafft das Nicht-Selb­st, sein Spiegel­bild, den zweit­en Logos. Dieses Spiegel­bild beseelt und belebt er, es ist sein drit­ter Aspekt, der dritte Logos.

So wäre der erste Logos das Undif­feren­zierte, in dem Leben und Form ungeschieden ruhen, als der Vater zu betra­cht­en. Mit seinem Dasein begin­nt die Zeit; er tren­nt sein Spiegel­bild von sich ab, die Form, das Weib­liche, das er mit seinem Leben erfüllt, der zweite Logos; und aus dieser Beseelung geht der dritte Logos als Sohn, als belebte Form her­vor. So haben sich alle Reli­gio­nen ihren Gott in dreifach­er Gestalt gedacht, als Vater, Mut­ter und Sohn. So Ura­nos und Gäa, die müt­ter­liche Erde; und Kro­nos, die Zeit, ist als Sohn aus ihrem Schoße her­vorge­gan­gen; Osiris, Isis und Horus und so weiter.

Das Opfer des Logos ist: Der Geist steigt hernieder in die Materie, beseelt sein Spiegel­bild, und damit ist auch der Welt belebter For­men ihr Dasein gegeben, die alle ihr Son­der­da­sein führen und den Zyk­lus der Evo­lu­tion durch­machen, um als höch­sten­twick­elte Indi­vid­u­al­itäten wieder eins mit dem Logos zu wer­den, der durch sie den Erfahrungsre­ich­tum empfängt. Hätte er sich nicht aus­gegossen, um alle diese For­men zu beleben, so würde es kein selb­ständi­ges Wach­sen und Wer­den geben. Alle Bewe­gung, alles Entste­hen würde kein Eigen­leben haben, es würde sich nur regen und bewe­gen nach der Direk­tion des Gottes.“ (Lit.: GA 88, S. 167)

Wenn der dritte Logos die Zeit ist, lassen sich dann auch alle sieben Quell­geis­ter, wie Jakob Böhme sie in sein­er Auro­ra nen­nt, alle sieben schöpferischen Geis­ter, die aus dem Heili­gen Geist her­vorge­hen, durch die drei Bilder der Zeit verstehen?

Rudolf Stein­er erwäh­nt, dass das Leben, also der zweite Logos, durch Michael geleit­et wird, der zur Sonne gehört. Die Kraft der Form, die Kraft des Heili­gen Geistes, des drit­ten Logos, ste­ht unter der Leitung Samaels, der zur let­zten Inkar­na­tion der Erde, zum Erden­ziel, dem Vulkan gehört, wo alles Leben lebendi­ge Form gewor­den sein wird. Und die Kraft des Bewusst­seins, die Kraft des Vaters, des ersten Logos ste­ht unter der Leitung Anaels, der alles umfasst, was ist, der also alle sieben Erdinkar­na­tio­nen umgreift. Samael, Anael und Michael gehören zu den sieben Erzen­gel-Regen­ten, die für jew­eils ca. 300 — 350 Jahre die Geschicke der Erde lenken. Samael ist hier der Plan­etengeist des Mars, Anael der­jenige der Venus. Für jeden der sieben Erzen­gel-Regen­ten gibt Rudolf Stein­er einen der sieben Plan­eten an. Ihre zeitliche Abfolge entspricht den Wochen­t­a­gen und der Darstel­lung im Sieben­sterns, dem soge­nan­nten mys­tis­chen Lamm. Dieses Sym­bol der Vere­ini­gung der Plan­etenkräfte beschreibt den kos­mis­chen Chris­tus, der sein Leben der Welt hinopfert. Samael und Anael ste­hen hier einan­der gegenüber und bilden mit Michael ein Dreieck.

Der Sieben­stern, das mys­tis­che Lamm mit den Erzen­gel-Regen­ten, die den dort angegebe­nen Plan­eten zuge­ord­net sind — einge­fügt im Seelenkalender-Jahreskreis

Wird dieses Sym­bol nun in den See­lenkalen­der-Jahreskreis einge­fügt, zeigt sich, dass Samael und Anael mit den bei­den Schwellen­sprüchen 14 N und 39 n bzw. mit der Kul­mi­na­tion des Wahrnehmungs- und Denk-Hal­b­jahres in Beziehung ste­hen. Samael, dessen Namen von hebräisch ’sami’, ‘blind’ kommt, ist das an die Sinneswelt sich hingebende, “blinde” Bewusst­sein der Gegen­wär­tigkeit, sattwa, die Klarheit, der Heilige Geist. Anael ist das vatergöt­tliche, den Raum erschaf­fende Bewusst­sein der Ewigkeit, deren Licht im drit­ten Logos tamas, die Fin­ster­n­is ist. Im Men­schen ist es der See­len­raum. Da der Vater­gott sein Leben hingeschenkt hat, ste­ht dieser “Zyk­lus” als Raum und als Ewigkeit still. Michael ist ver­bun­den mit dem Fluss des Lebens, der ewigen Entwick­lung, mit der lin­earen Zeit, mit rajas, dem Verlangen.

Tamas, rajas und sattwa sind die drei Grund­kräfte, die in der Samkhya-Philoso­phie die drei Gunas genan­nt wer­den, die drei Teile von Pakri­ti, der noch rein geisti­gen Urma­terie. In ihrer Kom­bi­na­tion bilden sie die sieben schöpferischen Geis­ter. Was das bedeuten kön­nte, habe ich ver­sucht in nach­fol­gen­der Abbil­dung zu ergründen.

Die sieben Schöpfer­geis­ter, die aus dem drit­ten Logos her­vorge­hen inter­pretiert als Kom­bi­na­tio­nen der drei Bilder der Zeit

Rudolf Stein­er beschreibt weit­er­hin sieben Leben­sprozesse, (GA 170, S. 105ff) die er eben­falls mit den sieben Plan­eten verbindet, nun jedoch in ander­er Rei­hen­folge (siehe Num­merierung auf der Abbil­dung unten). Eine weit­ere Bere­icherung des Bildes stammt von Michaela Glöck­ler. Sie bringt bei einem Vor­trag (YouTube) die sieben Leben­sprozesse in Zusam­men­hang mit den sieben Lebens­ge­heimnis­sen (GA 264, S. 253/Ga 94, S. 111) und den sieben Kul­ture­pochen. Zwar wer­den die Kul­ture­pochen, die jew­eils 2160 Jahre andauern, stets von einem Archai regiert, doch kön­nte für sie eine entsprechende Ord­nung gel­ten, wie für die Erzen­gel-Regen­ten bzw. wie sie das mys­tis­che Lamm darstellt. So ergibt sich ein inter­es­santes Bild, dem ich meine Inter­pre­ta­tion der sieben Quell­geis­ter aus­ge­drückt als Kom­bi­na­tio­nen der drei Bilder der Zeit hinzuge­fügt habe.

Die sieben Leben­sprozesse, Lebens­ge­heimnisse und Kul­ture­pochen und die sieben Quellgeister

Diese let­zte Abbil­dung stellt einen Ver­such dar, denn abge­se­hen von Rudolf Stein­ers Zuord­nung von Samael zu c, Anael zu a und Michael zu b sind die Kom­bi­na­tio­nen (ab, ac, bc und abc) zu den weit­eren Erzen­geln meine Vermutungen.