12 ! Johannes-Stimmung

Der Wel­ten Schönheitsglanz,

Er zwinget mich aus Seelentiefen

Des Eigen­lebens Götterkräfte

Zum Wel­tenfluge zu entbinden;

Mich sel­ber zu verlassen,

Ver­trauend nur mich suchend

In Wel­tenlicht und Weltenwärme.

 

Johanni — das Gegenüber zur Heiligen Nacht

Johan­ni wird am 24. Juni, dem Johan­nistag, gefeiert. Es herrscht Som­mer auf der Nord­hal­bkugel der Erde. Es ist ein Fest­tag mit fix­em Datum, das ganz offen­sichtlich in Beziehung ste­ht zur Heili­gen Nacht am 24.Dezember. Bei­de Feste liegen kurz nach den Son­nen­wen­den, den Sol­sti­tien (Sol­sti­tium, lateinisch für „Son­nen­still­stand“). Diese Umkehr find­et rings um den 21. Kalen­dertag dieser Monate statt. Schon durch den kos­mis­chen Bezug sind bei­de Feste Feiern eines vol­l­zo­ge­nen Neuan­fangs. Die Beto­nung des Neuan­fangs wird zusät­zlich ver­stärkt, indem bei­de Male eine Geburt gefeiert wird. Johan­ni gilt als der Geburt­stag Johannes des Täufers, in der Heili­gen Nacht feiern wir die Geburt Jesu. Im Johan­ne­se­van­geli­um ist der Ausspruch Johannes des Täufers über­mit­telt: “Er muss wach­sen; ich aber muss abnehmen.” (Joh. 3,30). Diese Aus­sage lässt sich auch auf den jew­eils ganz neu wieder steigen­den bzw. fal­l­en­den Son­nen­bo­gen beziehen.

Was begin­nt also mit dem Johan­ni-Fest? Das lässt sich am besten im Ver­gle­ich zu der ent­ge­genge­set­zten Zeit, die mit der Christ­ge­burt begin­nt, ver­ste­hen. Mit der steigen­den Sonne begin­nt alles zu wach­sen, sich zu ent­fal­ten, zu sprossen und zu blühen. So wie wir bei einem Neuge­bore­nen fra­gen, <ist es gesund?> <ist es dem Urbild entsprechend gebildet?>, so lässt sich auch in der ganzen Natur die Bestre­bung erken­nen, das Urbild zur Ent­fal­tung zu brin­gen. Mit Johan­ni begin­nt   die Son­nen­bahn wieder zu fall­en. Am Lebensende ist die Frage obso­let, ob der betr­e­f­fende gesund, dem Urbild entsprechend gebildet war. Nun fra­gen wir nach dem Indi­vidu­ellen, Einzi­gar­ti­gen dieses Men­schen. Auch in der Natur find­et dieser Umschwung der Bestre­bung statt. Nun begin­nt die Frucht- und Samen­bil­dung und rückt das Einzi­gar­tige, Indi­vidu­elle in den Vorder­grund. Jed­er Same trägt eine etwas andere Erb­sub­stanz in sich und ermöglicht dadurch die langsam fortschre­i­t­ende Entwick­lung der Art, die ohne diesen Vari­a­tion­sre­ich­tum nicht möglich wäre.

Johanni im Atemrhythmus der Erde

Als Vor­bere­itung zum Ver­ständ­nis des Mantras 12 ! für das eigene See­len­leben ist es wichtig, Rudolf Stein­ers Aus­führun­gen für die Johan­ni-Zeit einzubeziehen. Er beschreibt den  Jahres­lauf als einen großen Atemzyk­lus der Erde. Die Zeit der auf­steigen­den Son­nen­bö­gen entspricht der Ausat­mung, die Zeit der absteigen­den der Einat­mung der Erde. Dadurch wird die Erde als beseeltes Lebe­we­sen sicht­bar, wodurch auch der men­schliche See­len­prozess dif­feren­ziert­er erkan­nt wer­den kann. Der Wech­sel der Atem-Phasen entspricht dadurch den Son­nen­wen­den: “Und gehen wir im Jahres­lauf, ich möchte sagen, in der Atmung der Erde weit­er, dann find­en wir, wie im Juni [auf der nördlichen Hal­bkugel] die Erde … ganz aus­geat­met [hat]. Das ganze See­len­hafte der Erde ist in den kos­mis­chen Raum hin­aus ergossen, das ganze Seel­is­che der Erde ist dem kos­mis­chen Raum hingegeben. Das See­len­hafte der Erde durchtränkt sich mit der Kraft der Sonne, mit der Kraft der Sterne. Der Chris­tus, der mit diesem See­len­haften der Erde ver­bun­den ist, vere­inigt auch seine Kraft mit der Ster­nenkraft und der Son­nenkraft, die da fluten in dem an das kos­mis­che All hingegebe­nen See­len­haften der Erde. Es ist Johan­ni, es ist Joh­an­nizeit. Die Erde hat voll aus­geat­met. Die Erde zeigt in ihrer äußeren Phys­iog­nomie, mit der sie hin­aus­blickt zum Wel­te­nall, nicht ihre eigene Kraft, wie sie sie in sich zeigte zur Win­ter­son­nen­wende, die Erde zeigt auf der Ober­fläche die rück­strahlende Kraft der Sterne, der Sonne, alles dessen, was kos­misch außer ihr ist.

Die alten Eingewei­ht­en haben beson­ders leb­haft, namentlich in den nördlichen Gegen­den Europas, den inneren Sinn und Geist dieser Zeit, unser­er Junizeit, gefühlt. Sie haben ihre eigene Seele mit der Erdenseele in dieser Zeit hingegeben gefühlt den kos­mis­chen Weit­en. Sie haben sich lebend gefühlt nicht inner­halb des Irdis­chen, son­dern in den kos­mis­chen Weit­en. Und vor allen Din­gen haben sie sich etwa das Fol­gende gesagt: Wir leben mit unser­er Seele in den kos­mis­chen Weit­en. Wir leben mit der Sonne, wir leben mit den Ster­nen. Und wenn wir den Blick zurück­wen­den auf die Erde, die sich erfüllt hat mit sprießen­den, sprossenden Pflanzen, die alles mögliche an Tieren her­vorge­bracht hat, dann sehen wir in den sprießen­den, sprossenden Pflanzen, in den far­be­nent­fal­tenden, far­ber­glitzern­den Blu­men, sehen in den hin und her sich bewe­gen­den Insek­ten, in den die Luft durchmessenden Vögeln mit ihren man­nig­falti­gen far­bigen Fed­erdeck­en wiederum von der Erde wie spiegel­nd zurück­glänzen das­jenige, was wir in die Seele aufnehmen, wenn wir ger­ade die Erde ver­lassen und uns mit dem hin­aus­flu­ten­den Atem der Erde verbinden, um kos­misch, nicht irdisch zu leben. Aber was sich da tausend­fältig far­big, sprießend, sprossend, von der Erde hin­auswach­send zeigt in den Wel­tenraum, das ist von der­sel­ben Art. Nur ist es eben die Reflex­ion, die rück­strahlende Kraft, während wir die direk­te Kraft in unseren Men­schensee­len tra­gen. — Das war das Sich-Fühlen der­jeni­gen Men­schen, die inspiri­ert waren von den Ein­wei­hungsstät­ten, welche ins­beson­dere das Som­mer­son­nen­wen­de­fest ver­standen. So sehen wir hineingestellt das Johan­nifest in den großen Atemzug des Irdis­chen gegenüber dem Kos­mos.” (Lit.:GA 223, S. 12ff)

Die Auflösung der Ich-Organisation — die vierte Stufe nach dem Tod

Für die drei vorheri­gen Mantren kon­nte ich zeigen, dass sie auch unter dem Aspekt des seel­isch-geisti­gen Erlebens des Todes gele­sen wer­den kön­nen. Das Mantra 9 I (Neun und großes i) ver­mit­telt das Innen­er­lebis des physis­chen Todes, das Mantra 10 K gibt ein füh­len­des Erleben des Lebenspanora­mas, das mit der Auflö­sung des Äther­leibs ein­herge­ht und durch das Mantra 11 L kann ich mich ein­leben in das Erleben der eige­nen Lebens­beurteilung, die die Auflö­sung des Astralleibs des ver­gan­genen Lebens zum Ziel hat. Der Men­sch hat während seines Erden­lebens, wie Rudolf Stein­er vielfach aus­führt, vier Leib-Organ­i­sa­tio­nen, oft auch als Wesens­gieder beze­ich­net. Obwohl das Ich des Men­schen rein geistiger Natur und unsterblich ist, beschreibt Rudolf Stein­er auch für das Ich eine Art Leib­lichkeit, die er Ich-Träger, Ich-Leib, Ich-Hülle oder Ich-Organ­i­sa­tion nen­nt. Es ist die Geset­zlichkeit, der­er sich das uninkarnierte Ich bedi­enen muss, um sich in und durch die drei anderen Wesens­glieder auszu­drück­en. Dieser “Ich-Leib” ist das Quell­beck­en des Bewusst­seins und eng mit dem urteilen­den Denken ver­bun­den. Es liegt also nahe, dass nach dem Tode auch dieser “Ich-Leib” abgestreift wer­den muss, obwohl ich hierzu keine direk­ten Infor­ma­tio­nen von Rudolf Stein­er gefun­den habe. Das nun wieder uninkarnierte Ich wird auch diese leibähn­liche Struk­turge­bung wieder abstreifen bzw. auflösen müssen. Ich denke, diese Auflö­sung kön­nte darin beste­hen, die inner­sten Überzeu­gun­gen über mich sel­ber, die ich mir durch Ket­ten aus Ursache-Wirkungs-Zusam­men­hän­gen auf­grund mein­er Wahrnehmung und daraufhin gebilde­ten Urteilen geschaf­fen habe, zu über­winden. Der Bedarf an solch­er Ver­ket­tung wird obso­let, wenn ich meine Entität als Her­vor­bringer der­sel­ben sehen lerne. Mein rein geistiges Ich-Erleben muss frei wer­den von diesen Iden­tität stif­ten­den Struk­turen. Ich muss auch dieses “Gerüst-Haus” meines Ichs ver­lassen und, im Bild gesor­pchen, unter freiem Him­mel leben lernen.

Das Mantra 12 hat keinen Buchstaben

Noch eine weit­ere Beson­der­heit dieses Mantras soll vor­bere­i­t­end zur Sprache kom­men: Das Mantra 12 hat, anders als fast alle anderen Mantren, keinen Buch­staben im Titel. Die Zahl ord­net die Mantren in den Fluss der Wochen ein und fasst das Jahr als Ein­heit. Die Buch­staben durch­laufen zweimal das Alpha­bet und teilen dadurch das Jahr in Hal­b­jahre. In der Erstaus­gabe von 1912/13 bilden zwei Mantren dabei eine Aus­nahme, sie haben nur eine Zahl, keinen Buch­staben. Das sind die Mantren 12 und 51, die jew­eils vor­let­zten der Viertel­jahre mit auf­steigen­der Sonne. Um auszuschließen dass der Buch­stabe ver­meintlich vergessen wurde, kennze­ichne ich diese Sprüche mit einem Aus­rufeze­ichen. Da Mantren mit gle­ichem Buch­staben im Jahreskreis einan­der immer gegenüber ste­hen und der Jahres­stand jew­eils genau ent­ge­genge­set­zt ist, hal­ten sich ihre Kräfte sozusagen die Waage. Dieses Gle­ichgewicht der Kräfte ist bei den Mantren ohne Buch­staben nicht gegeben. Sie ste­hen alleine und zeigen eine Seel­is­che Sit­u­a­tion, zu der es kein Gegen­teil, keine aus­gle­ichende Ergänzung gibt. Durch diese Alle­in­stel­lung weisen sie auf Aspek­te von Indi­vid­u­al­ität und Einzigartigkeit.

Nun konkret zum Spruch 12 !

Das Mantra 12 ! ist über­schrieben mit Johannes-Stim­mung. Doch zunächst lässt nichts darin an Johannes den Täufer denken, in dessen Geist dieses Mantra — Kraft der Über­schrift — zu uns spricht. Zunächst ist sie nur ein Hin­weis, dass sein Geburts­fest in dieser Woche liegt bzw. liegen soll.

Im Johan­ni-Spruch werde ich gezwungen.

Nir­gends in den Mantren des See­lenkalen­ders werde ich als Leser in ein­er so auswe­glosen, unfreien, mich zwin­gen­den Sit­u­a­tion geschildert. Mit Gewalt werde ich in eine Rich­tung geschoben. Was oder wer hat die Macht mich so zu zwingen?

Es ist der Wel­ten Schön­heits­glanz, der eine so gewaltige Wirkung auf mich ausübt. Doch was ist der Wel­ten Schön­heits­glanz? Der Sinnzusam­men­hang ist ein drei­gliedriger: Welten-Schönheit(s)-Glanz. Wie kann ich nachvol­lziehen, dass ger­ade der Glanz der Schön­heit der Welt so zwin­gend wirkt?

In diesem drei­gliedri­gen Wort kann ich die Trinität von Vater, Sohn und Heiligem Geist wiederfind­en: Die Welt ist das Kleid des Vater­gottes, er hat sich in seine Schöp­fung geopfert. Die Schön­heit ist die sicht­bar gewor­dene Leben­skraft des Sohnes, des Chris­tus, der das stof­fliche Sein der Welt wie eine Aura umgibt. Der Glanz ist das darüber hin­aus Ausstrahlende, die wieder vergeistigte Materie, der kör­per­lose Heilige Geist. Damit wird ver­ständlich, warum der Wel­ten Schön­heits­glanz eine so zwin­gende Macht hat. Ein Drei-Einiger Gott hat die Macht, mich zu zwin­gen. Er zwingt mich zum Wel­tenflug. Ich soll wagen, was kein Erden­men­sch ver­mag; ich soll fliegen. Im Bild gesprochen soll ich zum Adler wer­den, dem mächtig­sten Sinnbild aller Vögel. Hier find­et sich ein erster Hin­weis auf Johannes, dies­mal des Evan­ge­lis­ten, denn sein Sym­bol­ti­er ist der Adler.

Aus den See­len­tiefen kommt dieser Zwang zur Ent­bindung mein­er Götterkräfte.

Der Zwang kommt aus den See­len­tiefen, den Tiefen des Unter­be­wusst­seins. Ver­mut­lich sind auch “meine Göt­terkräfte” “meines Eigen­lebens” nor­maler­weise dort gebun­den. Doch was sind “meines Eigen­lebens Göt­terkräfte”, die ich “zum Wel­tenfluge” ent­binden, deren Ver­ankerung ich aus den See­len­tiefen her­aus­lösen muss? Es ist meine Leben­skraft, genauer die Kraft meines indi­vidu­ellen, eige­nen Lebens, die Leben­skraft meines entwick­lungswilli­gen Ichs. Dieses Ich, das vom “Chris­tus ‑in-mir” weiß, in sich vorzufind­en, wird seit alters her als Göt­tergeschenk, oder als göt­tliche Kraft, als Gott im Innern erlebt. Sieben Ich-bin-Worte sind im Johan­ne­se­van­geli­um vom Chris­tus über­liefert. Sieben­fältig beschreibt er sich dergestalt in Bild­sprache. Auch im Mantra 12 ! wird die Mehrzahl des Wortes gebraucht: Göt­terkräfte — möglich­er Weise ist an sieben solch­er Kräfte zu denken, entsprechend der sieben Ich-bin-Worte.

Mein Ich wird also zum Flug gezwun­gen, es wird entbunden.

Noch ist es sowohl mein irdis­ches Ich, erkennbar durch das vorgestellte Wort “Eigen­leben”, als auch mein unsterblich­es Ich, aus­ge­drückt durch die Beze­ich­nung “Göt­terkräfte”. Dieses irdisch-göt­tliche Ich werde ich gezwun­gen aus See­len­tiefen zu ent­binden. Eine Ent­bindung ist eine Geburt, eine Loslö­sung aus ein­er Hülle. Im Leben ist die Seele die Hülle des Ichs und auch der Ego-Anteil entspringt der See­len­hülle und gehört eigentlich zu dieser. Das Ego ist mit “Eigen­leben” hier nicht gemeint, son­dern der Ich-Träger, die Ich-Organ­i­sa­tion. Die Wahrnehmung der Schön­heit der Welt, mehr noch, ihr Glanz wirkt so stark durch die Wahrnehmung auf das Ich, dass es sich löst aus der See­len­hülle und der Umk­lam­merung durch das Ego, dass es eksta­tisch fliegt.

Ich kann schlussfol­gern, hier schlüpft mein Ich aus der Hülle wie der Schmetter­ling aus der Puppe und set­zt zum Wel­tenflug an. Der “Wel­ten Schön­heits­glanz” hat meinem Ich zum Flug verholfen.

Zu Johan­ni ist die Natur in ihrer schön­sten Ent­fal­tung. Die Erde gibt sich ganz dem Kos­mos hin und indem ich dessen gewahr werde, werde ich werde gezwun­gen, es ihr gle­ich zu tun. Fliegend werde ich ein Bote zwis­chen Him­mel und Erde. Reli­gion bedeutet Rück­bindung. Im Wel­tenflug verbinde ich die Erde mit dem Him­mel, ich ver­wirk­liche die Rück­bindung, Religion.

Nun fol­gt im Spruch nochmal eine Beschrei­bung dieses Prozess­es, dies­mal aus dem eige­nen Erleben: Mich sel­ber zu ver­lassen, meine auf Erden aufge­baute Ich­struk­tur, meinen Ich-Leib zu ver­lassen nur im Ver­trauen darauf, mich in Wel­tenlicht und Wel­tenwärme suchen zu kön­nen. Etwas suchen kann ich nur, wenn ich von der Exis­tenz des­sel­ben weiß, wenn ich also in diesem Fall Ken­nt­nis habe von diesem gegen­sät­zlichen Ich-Sein. Was kön­nte mit Wel­tenlicht und mit Wel­tenwärme gemeint sein? Worin kön­nte ich mich erfol­gre­ich suchen? Wel­tenlicht kann ich über­set­zen als Weisheit, Wel­tenwärme als Liebe. Mich in Wel­tenlicht und Wel­tenwärme zu suchen heißt, mich in Chris­tus als dem Licht und der Liebe der Welt zu suchen – ver­trauend darauf, mich in Ihm, im wahren Ich zu finden.

Wel­tenwärme und Wel­tenlicht deuten auf die bei­den Äther­arten den Wärmeäther und den Lichtäther hin. Diese bei­den Äther-Arten hat der Men­sch zu sein­er per­sön­lichen Ver­fü­gung (im Gegen­satz zu den anderen bei­den Äther­arten, genan­nt chemis­ch­er Äther und Leben­säther). Der Men­sch hat Eigen­wärme und eigene Erken­nt­n­is­fähigkeit. Sind diese per­sön­lichen Äther­arten vielle­icht auch mit den Göt­terkräften des Eigen­lebens gemeint? Muss ich meine Eigen­wärme als Grund­lage meines Ichs auf der Erde und meine eigene Denk­fähigkeit, durch die ich mich als Ich erfassen kann, zum Wel­tenflug ent­binden? Kön­nten das meine bei­den Schwin­gen sein, mit denen ich auf­fliege, um mich in der Wel­tenliebe und Wel­tenweisheit wiederzufinden?

Suche ich mich in Wel­tenlicht, so suche ich mich als Weisheit, als ewige Unverän­der­lichkeit zu erken­nen. Suche ich mich in Wel­tenwärme, so suche ich mich als Entwick­lungskeim, als Entwick­lungswe­sen, das liebend gewollt wird.

Für mich hat das Mantra die Stim­mung der Tauf­prax­is, wie sie Johannes am Jor­dan vol­l­zog. Das Ziel dieser Taufe war es, die Men­schen in Todesnähe zu brin­gen, damit sie ihre Wahrnehmung auf das irdis­che Leben ändern. Auch diese Men­schen wur­den durch das lange Unter­tauchen gezwun­gen, ihr geistig-seel­is­ches Wesen fast vom Kör­p­er zu lösen, es zum Wel­tenflug zu entbinden.

Als Anhang ein Rückblick auf die vier letzten Mantren: 9 I, 10 K, 11 L und 12 !

Mir scheint, dass die vier let­zten Mantren zu einem über­greifend­en Pozess gehören. Vier­fach vari­iert find­et sich das Ver­lieren und Find­en in den Mantren 9 I, 10 K, 11 L und 12 !. Sie ver­mit­teln für mich als Innen­er­leb­nisse (neben den anderen beschriebe­nen Aspek­ten) den Schritt des Todes und die darauf fol­gen­den Stufen der Loslö­sung vom ver­gan­genen Leben. Für diese vier Mantren lässt sich zudem eine über­greifende Struk­tur erkennen:

  1. Tod des physis­chen Leibes: Im Mantra 9 I (Neun und großes i) vergesse ich meine Wil­len­seigen­heit, Wel­tenwärme erfüllt mich. Hier wird mir das erste Mal gesagt (von mein­er Ahnung): Ver­liere dich, um dich zu find­en. (erste Variante)
  2. Leben­sta­bleau und Abstreifen des Äther­leibs: Im Mantra 10 K wird ein unge­heuer schönes Bild erzeugt. Das Fühlen wird in Raumesweit­en mitgenom­men — und entschwindet mir ver­mut­lich dadurch. Das Erken­nen find­et einst, später statt und entspricht dem Find­en. (zweite Variante)
  3. Auflö­sung des Astralleibs im Kamalo­ka: Im Mantra 11 L bekomme ich von einem unge­nan­nten Sprech­er gesagt, mich an die Wel­tenschön­heit hinzugeben, mich füh­lend zu durch­leben und dabei zu erken­nen: Ver­lieren kann das Men­schen-Ich und find­en sich im Wel­ten-Ich. Zum zweit­en Mal werde ich direkt aufge­fortert. Dies­mal ist es als Gesetz for­muliert und konkret auf das Ich bezo­gen. (dritte Variante)
  4. Auflö­sung der Ich-Organ­i­sa­tion (siehe oben): Im Mantra 12 ! ist es die Drei­heit aus Wel­ten Schönheit(s)-Glanz, die im Physis­chen erscheint und wirkt. Nun zeigt sich ein Zusam­men­wirken der drei See­len­fähigkeit­en. Bei der drit­ten Auf­forderung ist es die Innen­per­spek­tive, in der Denken, Fühlen und Wille zusam­men­wirken: Mich sel­ber zu ver­lassen (Tätigkeit, Wille), Ver­trauend (Fühlen) nur mich suchend (Ken­nt­nis meines neuen Seins) in Wel­tenlicht und Wel­tenwärme. (vierte Variante)

Betra­chte ich die Mantren mit Blick auf die drei See­len­fähigkeitn Denken, Fühlen und Wille, dominiert in jedem Mantra eine, beim Mantra 12 ! find­en sich alle drei:

Mantra: See­len­fähigkeit: Ziel: Prozess: Zeit­bezug:
9 I Wille Wel­tenwärme Ver­liere dich, um dich zu finden Zukun­ft
10 K Fühlen, Imag­i­na­tion der Sonne leuch­t­end Wesen, erlebte Schönheit Das Gotteswe­sen fühlt, d.h. „find­et“ mich Gegen­wart
11 L Erken­nen, Inspiration Wel­tenschön­heit Ver­lieren kann das Men­schen-Ich und find­en sich im Welten-Ich Gesetz, Ver­gan­gen­heit
12 ! Alle drei, Intuition Wel­ten Schönheitsglanz Mich sel­ber zu ver­lassen, ver­trauend nur mich suchend in Wel­tenlicht und Weltenwärme Gegen­wart