Die spiegelnden Mantren 12 ! und 41 p
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12 ! Johannes-Stimmung Der Welten Schönheitsglanz, Er zwinget mich aus Seelentiefen Des Eigenlebens Götterkräfte Zum Weltenfluge zu entbinden; Mich selber zu verlassen, Vertrauend nur mich suchend In Weltenlicht und Weltenwärme. |
41 p
Der Seele Schaffensmacht, Sie strebet aus dem Herzensgrunde, Im Menschenleben Götterkräfte Zu rechtem Wirken zu entflammen, Sich selber zu gestalten … In Menschenliebe und im Menschenwerke. |
Musik zum Mantra 12 ! — stolz — komponiert von Herbert Lippmann
Musik zum Mantra 41 p — froh — komponiert von Herbert Lippmann
Luzifer und Christus
Rudolf Steiner beschreibt Luzifer und Christus als zwei polare und sich ergänzende Geistmächte. Ich habe den Eindruck, dass sich in den Mantren 12 ! und 41 p Aspekte der heutigen Wirksamkeit dieser Geistmächte finden. „Früher fand man Christus als kosmische Wesenheit, den Luzifer als innermenschliche Wesenheit. Sie durchkreuzten ihren Weg. Der Christus zieht in die menschliche Seele ein, er wird zum planetarischen Erdengeiste, er wird immer mehr der mystische Christus in den Menschenseelen, er wird durch die inneren Erlebnisse vertieft und erkannt. Die Seele wird dadurch immer fähiger, wiederum zu schauen die andere Wesenheit, die den umgekehrten Weg gemacht hat, von dem Inneren in das Äußere hin. Der Luzifer wird aus einer innermenschlichen Wesenheit, einer rein irdischen Wesenheit, wo er gesucht worden ist in den Mysterien, die in das Unterreich führten, ein kosmischer Gott. Immer mehr wird er aufleuchten draußen in der Welt, die wir erblicken, wenn wir hindurchsehen durch den Teppich der Sinneswelt. Umgekehrt wird das Anschauen der Menschen. Hat man Luzifer gesehen hinter dem Schleier der inneren Seelenwelt, hat man den Christus gesehen, wie der Zarathustra, hinter der äußeren sinnlichen Welt, so wird man in der Zukunft den Christus immer mehr und mehr durch Versenkung und Verinnerlichung in das eigene Wesen erkennen können. Den Luzifer wird man finden, wenn man den Blick nach außen richtet in die kosmische Region.
So haben wir eine völlige Umkehr der menschlichen Erkenntnisverhältnisse im Laufe der menschlichen Entwickelung zu verzeichnen: der Christus ist geworden von einem kosmischen Gotte zu einem irdischen Gott, der die Seele der Erde ist in der Zukunft. Der Luzifer ist geworden von einem irdischen Gotte zu einem kosmischen Gott. Und will der Mensch in der Zukunft wiederum aufsteigen zu der äußeren geistigen Welt, die hinter dem Schleier der Sinneswelt verborgen ist, will er nicht bei dem stehenbleiben, was äußerlich, nur grobstofflich ist, dann muß er durch die Dinge der Sinneswelt hindurchdringen in die geistige Welt; er muß sich in das Licht tragen lassen durch den «Licht-Träger». Und keine Fähigkeiten, da einzudringen, werden dem Menschen erstehen, wenn er diese Fähigkeiten nicht schafft aus den Kräften, die uns zufließen von Luzifers Reich. Die Menschheit würde in Materialismus versinken, immerfort in dem Glauben verharren, daß alles nur äußere materielle Welt ist, wenn sie nicht aufstiege zur Inspiration durch das luziferische Prinzip. Ist das Christus-Prinzip dazu berufen, unser Inneres stärker und stärker zu machen, so ist das luziferische Prinzip dazu berufen, unsere Fähigkeiten, die eindringen sollten in die Welt in vollem Umfange, zu schärfen, auszubilden. Immer stärker und stärker für das Begreifen und Erkennen der Welt wird uns Luzifer machen, immer stärker und stärker im Innern wird uns Christus machen.“ (Lit.: GA 113, S. 127f)
Rudolf Steiner sagt auch: „Wenn der Mensch den Christus erkennt, wenn er sich wirklich einläßt auf die Weisheit, um zu durchschauen, was der Christus ist, dann erlöst er sich und die luziferischen Wesenheiten durch die Christus-Erkenntnis. Würde der Mensch sich bloß sagen: Ich bin zufrieden damit, daß der Christus da war, ich lasse mich erlösen unbewußt — dann würde der Mensch niemals zur Erlösung der luziferischen Wesenheiten etwas beitragen. Diese luziferischen Wesenheiten, die dem Menschen die Freiheit gebracht haben, geben ihm auch die Möglichkeit, diese Freiheit jetzt in einer freien Weise zu benutzen, um den Christus zu durchschauen. Dann werden in dem Feuer des Christentums geläutert und gereinigt die luziferischen Geister, und es wird das, was durch die luziferischen Geister an der Erde gesündigt worden ist, aus einer Sünde in eine Wohltat umgewandelt werden. Die Freiheit ist errungen, aber sie wird als eine Wohltat mit hineingenommen werden in die geistige Sphäre. Daß der Mensch das kann, daß er imstande ist, den Christus zu erkennen, daß Luzifer in einer neuen Gestalt aufersteht und sich als der Heilige Geist mit dem Christus vereinigen kann, das hat der Christus selbst noch als eine Prophezeiung denen gesagt, die um ihn waren, als er sagte: Ihr könnt erleuchtet werden mit dem neuen Geist, mit dem Heiligen Geist! — Dieser Heilige Geist ist kein anderer als der, durch den auch begriffen wird, was der Christus eigentlich getan hat. Christus wollte nicht bloß wirken, er wollte auch begriffen, er wollte auch verstanden sein. Deshalb gehört es zum Christentum, daß der Geist, der die Menschen inspiriert, der Heilige Geist, zu den Menschen gesandt wird.“ (Lit.: GA 107, S. 254, Hervorhebung A.F.)
Die mit “Johannes” bezeichnete Einweihungsstufe
Rudolf Steiner gibt an, dass mit dem Namen Johannes eine bestimmte Stufe der menschlichen Entwicklung bezeichnet wird. Mit der Reinigung des Astralleibs von allen Begierden arbeitet das Ich des Menschen ihn nach und nach um in das erste unsterbliche, geistige Wesensglied des Menschen, in das Geistselbst — auch Manas genannt. „Es gab solche Menschen, die aus dem Manas heraus der Buddhi ein hochentwickeltes Seelenorgan entgegenbrachten. Das muß so sein. Es mag noch so viel Licht scheinen, wenn kein Auge da ist, wird es nicht wahrgenommen. So ist es auch mit Budhi. Es gab einen Namen für alle die Menschen, die ein solches Organ entwickelt hatten, die durstig waren nach der Buddhi, einen Gattungsnamen: Johannes. Er ist auch besonders anwendbar auf den Täufer. Christus und Buddhi ist dieselbe Strömung in geistiger Beziehung.“ (Lit.: GA 94, S. 250 Hervorhebung A.F.)
Noch über dem Geistselbst steht ein weiteres Wesensglied, Lebensgeist oder Buddhi genannt. Dieses geht aus dem umgearbeiteten Ätherleib hervor und ist wie das Geistselbst unsterblich. Rudolf Steiner spricht jeweils davon, dass der Lebensgeist das Geistselbst erfüllt. Es entsteht das Bild eines Gefäßes — das Geistselbst, das mit einer Flüssigkeit — dem Lebensgeist, gefüllt wird. Rudolf Steiner beschreibt, das die Israeliten auf der Wüstenwanderung mit der Möglichkeit der Geistselbstentwicklung beschenkt wurden. Es senkte sich auf sie nieder in Gestalt des Manna. “Nun schauen wir uns das äußere Zeichen an, durch das auf die Israeliten herunterrinnt der Logos, soweit sie ihn rein begrifflich, in Gedanken erfassen können. Dieses äußere Zeichen ist das «Manna» der Wüste. Manna ist in Wahrheit — diejenigen, welche die Geheimwissenschaft kennen, wissen das — dasselbe Wort wie Manas, das Geistselbst. So strömt in diejenige Menschheit, die nach und nach sich errungen hat das Ich-Bewußtsein, der erste Anflug von dem Geistselbst ein. Das aber, was im Manas selbst lebt und kommt, darf sich noch anders benennen. Es ist nicht bloß das, was man wissen kann, sondern eine Kraft, die man selbst aufnehmen kann. Als der Logos bloß seinen Namen ruft, da muß man ihn verstehen, ihn fassen mit der Vernunft. Als der Logos Fleisch wird und innerhalb der Menschheit erscheint, da ist er ein Kraftimpuls, der unter die Menschen gebracht wird, der nicht nur als Lehre und Begriff lebt, sondern der in der Welt als ein Kraftimpuls enthalten ist, an dem der Mensch teilnehmen kann. Da nennt er sich aber nicht mehr «Manna», sondern das «Brot des Lebens» (Joh 6,48 LUT), das ist der technische Ausdruck für Buddhi oder Lebensgeist“ (Lit.: GA 103, S. 120)
In der russischen Ikonenmalerei wird Johannes der Täufer nach seiner Enthauptung, als ein Geistwesen mit Engelflügeln dargestellt. Dieses Bild kann als Abbildung des erworbenen Geistselbst-Leibes verstanden werden.

Johannes der Täufer, Ikone aus der 2. Hälfte des 17. Jhs.
Das Geistselbst steht in Beziehung zu den Verstandeskräften des Menschen und auch zur Schlange als Bild derselben. Rudolf Steiners sagt: „Heute begreifen nur wenige Menschen eigentlich das Manas. Das Denken mit dem Denken zu begreifen, das Denken im Denken zu erhaschen, die Ewigkeitsschlange fertig zu runden, das ist die Aufgabe der fünften Unterrasse [der fünften Kulturepoche, die 1413 begann und erst 3573 n. Chr. endet]. Das Denken ist das Organ, wo sich zunächst das menschliche Wesen wie an einem Zipfel ergreift. Dies im Menschen anzuregen, ist der Zweck meines Buches «Die Philosophie der Freiheit».“ (Lit.: GA 94, S. 249, Ergänzung A.F.)
Im folgenden Zitat Rudolf Steiners wird die Beziehung des Geistselbst zu Luzifer als Wesen der Venus und damit zur Schönheit, die im Mantra 12! eine Rolle spielt, indirekt deutlich: „Und damals, als schon die Empfindungsseele, die Verstandesseele und die Bewußtseinsseele angeregt waren, da wurde der Anstoß gegeben, Manas in Fluß zu bringen. Denn dazu mußte zuerst auch noch eine Anregung gegeben werden. War es einmal in Fluß gebracht, dann konnte der Mensch sozusagen seine Entwicklung selbst in die Hand nehmen. Das war im letzten Drittel der atlantischen Zeit. Die Anreger waren die Wesenheiten, die auf der Venus waren.“ (Lit.: GA 98, S. 198)
Über die Spiegelsprüche 12 ! und 41 p
Das Mantra 12 ! trägt keinen Buchstaben, sondern nur eine Zahl — die 12 — als Spruchbezeichnung. (Mehr über den fehlenden Buchstaben und den Unterschied der Seelenkalender Ausgaben von 1912 und 1925) Um deutlich zu machen, dass der Buchstabe nicht vergessen wurde, versehe ich diese Mantren mit einem Ausrufezeichen. Zusätzlich zur Zahl 12 ist dem Mantra die Überschrift “Johannes-Stimmung” beigegeben, wodurch es zum Johannifest — dem Fest der vollzogenen Sommersonnenwende — gehört. (Mehr zu den Mantren mit Überschrift)
Die Mantren 12 ! und 41 p spiegeln fast durchgehend und besonders stark. Sie sind so exakt aufeinander abgestimmt wie Schlüssel und Schloss — und ebenso gegensätzlich. Im Mantra 12 ! gibt es einen sich selbst reflektierenden Ich-Sprecher, aus dessen Mund der Leser vom Geschehen erfährt. Im Mantra 41 p ist das nicht der Fall, denn es ist durchgehend in der sachlich und unpersönlich beschreibenden dritten Person geschrieben.
Der Ich-Sprecher im Mantra 12 ! wird gezwungen. Er hat keinerlei Handlungsfreiheit. Im Mantra 41 p geht es genau um die Möglichkeit der Gestaltung, um die Schaffensmacht der Seele. Doch in diesem Mantra geht es nur grundsätzlich um diese Kraft. Jemanden, der die Schöpfermacht handhaben würde, gibt es nicht. Ein Zwang erleidendes Subjekt (12 !) und eine Macht ohne Akteur (41 p) stehen sich in den Mantren gegenüber.
Im Mantra 12 ! wird der Ich-Sprecher vom Welten Schönheitsglanz gezwungen. Er wird gezwungen, aus Seelentiefen des Eigenlebens Götterkräfte zum Weltenflug zu entbinden. Eine machtvolle Bewegung von Innen nach Außen findet statt. Auch im Mantra 41 p ist eine solche Bewegung zu beobachten. Hier ist es die Schaffensmacht der Seele, die aus dem Herzensgrund, dem Innen, herausstrebt, um Götterkräfte im Menschenleben, im Außen, zur Wirksamkeit zu entflammen.
Im Mantra 12 ! ist die zwingende Macht aufgefächert in drei Glieder: in den Welten-Schönheits-Glanz. Und auch die wirksame Kraft im Mantra 41 p ist dreigliedrig: der Seele-Schaffens-Macht. Dadurch spiegeln: Welt (12 !) und Seele (41 p) — Schönheit (12 !) und Schaffen (41 p) — Glanz (12 !) und Macht (41 p). Welche Macht spricht sich in der jeweiligen Dreigliedrigkeit aus? Im Blogartikel zum Mantra 12 ! konnte ich zeigen, dass es sich beim Welten Schönheitsglanz um die Dreifaltigkeit geht, um Vater (Welt), Sohn (Schönheit) und Heiligen Geist (Glanz). Das Wirksame im Mantra ist der Glanz. Er ist es, der zwingt. Doch ist das die Eigenschaft des Heiligen Geistes?
Der Heilige Geist ist Luzifer in seiner erlösten Form, der Lichtträger, der dem Menschen vor der göttlich geplanten Zeit ein Ich-Bewusstsein ermöglichte. Er ist verbunden mit dem Planeten Venus und dadurch auch mit der griechischen Göttin Venus, die die Schönheit verkörpert. Rudolf Steiner beschreibt die Beziehung von Luzifer zur Venus so: „So leben auf der Venus auch Wesenheiten, die zwischen den Menschen und den Sonnenwesenheiten stehen. Sie bewohnen die Venus und können sogar wirksam werden auf der Erde. Sie werden wirksam im menschlichen Leibe. Diese Wesenheiten nennen wir luziferische Wesenheiten. Sie haben in gewisser Weise ihre Heimat auf der Venus. Daher nennt man die Venus auch «Luzifer».“ (Lit.: GA 98, S. 186)
Ich kann also im Mantra 12 ! verstehen, dass die in der Welt im Glanz der Schönheit wirkende luziferische Geistkraft hier zwingend wirkt. Zwar hat Luzifer dem Menschen die Freiheit ermöglicht, doch hat er ihm seine Verführung im Grunde aufgezwungen. Es ist auch das Mantra, das aus der Sicht eines seiner selbst bewussten Ich-Sprechers geschrieben ist. Und die Kräfte, die gezwungener Maßen zum Weltenflug durch die luziferische Macht entbunden werden, sind Kräfte des Eigenlebens.
Im Mantra 41 p handelt es sich nicht um eine zwingende, sondern um eine strebende dreigliedrige Macht, der Seele-Schaffens-Macht. Die Seele kann ich als den Innenraum verstehen — das Pendant zur “Welt” im Mantra 12 !, dem äußeren Raum. Das mittlere Wort ist nun kein substantiviertes Adjektiv wie die Schönheit (12 !), sondern stammt vom Verb “schaffen”. Die aktiv schaffende Instanz im Weltall ist die Sohneskraft, das göttliche Wort, der Christus. Im Mantra 41 p kann ich in der Schaffensmacht der Seele Christus-Wirksamkeit vermuten, zumal kein Ich-Sprecher auftritt, die Schaffensmacht also nicht persönlich gelenkt wird.
Der Welten Schönheitsglanz zwingt den Ich-Sprecher aus Seelentiefen (12 !), die Schaffensmacht der Seele strebt aus dem Herzensgrunde (41 p). Die Seelentiefen verstehe ich als die tief unterbewussten Bewusstseinszustände des Menschen. Hier sind normalerweise die Götterkräfte des Eigenlebens gebunden, die nun erzwungener Maßen zum Weltenflug daraus gelöst, entbunden werden. Was sind die Götterkräfte des Eigenlebens (12 !)? Ich verstehe hier die zwei niederen Ätherarten, den Wärme- und den Lichtäther, denn diese hat der Mensch als Blutwärme und Bewusstseinslicht zu seiner individuellen Verfügung. Auf der Blutwärme gründet das Erleben, ein Eigenwesen zu sein, im Denken erfasst sich der Mensch als Ich. Diese Ätherarten wurden von Luzifer durchdrungen, wodurch sie ihre überpersönliche Natur einbüßten. Als Selbst erlebt sich der Mensch, indem sich das Ich am physischen Leib spiegelt. Diese Ätherarten werden der Baum der Erkenntnis genannt. Gleichzeitig ist mit dem Bau der Erkenntnis der physische Leib gemeint, denn dieser gibt dem Menschen die Möglichkeit, sich als Eigenwesen zu erleben.
Im Mantra 41 p ist es der Herzensgrund, aus dem die Schaffensmacht der Seele strebt. Was meint diese Ortsangabe? Im Volksmund befindet sich die tiefste, grundlegendste moralische Kraft eines Menschen im Herzen, genauer am Grunde seines Herzens. Hier urständet die Schaffensmacht der Seele, die schöpferische Christuskraft, die Liebe. Und die Schaffensmacht der Seele strebt danach, Götterkräfte im Menschenleben zur rechten Wirksamkeit zu entflammen. Um welche Götterkräfte könnte es sich handeln, die zur Wirksamkeit im Menschenleben entflammt werden sollen? Es ist naheliegend, hier die höheren Ätherarten, den chemischen Äther und den Lebensäther zu vermuten. Die Kraft des Lebens wird als Lebenslicht eines Menschen verbildlicht. Es ist eine feurige, und letztendlich Bewusstsein erzeugende Kraft. Den Lebensäther bezeichnet Rudolf Steiner auch als den Sinn-Äther, den chemischen Äther als den Harmonie bewirkenden Tonäther. Diese Ätherarten werden der Baum des Lebens genannt. Gleichzeitig ist mit dem Baum des Lebens der Ätherleib gemeint, der den physischen Leib im Schlaf belebt, also gerade ohne Beteiligung des Tagesbewusstseins.
Sowohl des Eigenlebens Götterkräfte (12 !) als auch die im Menschenleben wirkenden Götterkräfte (41 p) sind übermenschlicher, göttlicher Natur und deshalb nicht an den physischen Leib gebunden. Es ist der Ich-Sprecher, der gezwungen wird, die Götterkräfte des Eigenlebens zum Weltenflug zu entbinden (12 !). Der Glanz der Schönheit zwingt ihn, die Bindung an den physischen Leib aufzulösen, um Geist unter Geistern zu werden, um zu fliegen. Der Ich-Sprecher muss sich verlassen — im Sinne von sich los Lösen — und darauf vertrauen, dass er sich in Weltenlicht und Weltenwärme, in überpersönlichem Licht und gemeinschaftlicher Wärme verwandelt wiederfinden wird.
Im Mantra 41 p ist die Wirkung der Götterkräfte auf den Menschen selber gerichtet. Das Ziel ihres Entflammens, ihres Zusammenwirkens ist die Selbstgestaltung, die Selbsterziehung des Menschen. So wie im Mantra 12 ! der Ich-Sprecher sich in der Zweiheit von Weltenlicht und Weltenwärme suchen soll, folgt die Selbstgestaltung im Mantra 41 p auch einer doppelten Zielsetzung. Sie soll in Menschenliebe und im Menschenwerke geschehen. Das zuerst genannte Weltenlicht korrespondiert hier mit der ebenso zuerst genannten Menschenliebe. Die an zweiter Stelle genannte Weltenwärme korrespondiert mit dem ebenso an zweiter Stelle genannten Menschenwerke. Die menschliche Liebe zeigt sich dadurch dem sich hin schenkenden Licht der Welt, also der Sonne verwandt. Das Werk des Menschen lässt sich nur durch Tätigkeit, durch Bewegung erschaffen — und diese erzeugt Wärme. Auch in der Welt ist Wärme stets ein Hinweis auf eine Veränderung, auf eine Wachstumsbewegung oder eine chemische Reaktion. Sie zeigt an, dass eine Macht schöpferisch aktiv war.
Das Mantra 41 p lässt sich also so lesen, dass die Christuskraft die hohen Ätherkräfte entflammt, durch die der Mensch zur Selbsterziehung fähig wird. Diese Selbsterziehung hat zum einen das Ziel, die Fähigkeit der menschlichen Liebe, der bedingungslosen Liebe zu entwickeln, zum anderen, dass der Mensch anhand seiner Tätigkeit, seiner Werke, sich schult und daran wächst. Die Götterkräfte sind im Menschenleben wirksam, — und auch das Menschenwerk ist ein irdisches Werk: In diesem Mantra geht es um den auf Erden lebenden und wirkenden Menschen — und damit um die entgegengesetzte Bewegung zum Weltenflug.
Luzifer gilt als ein geflügelter Geist, der den Menschen von der Erde wegziehen will. Im Mantra 12 ! soll auch der Mensch fliegen. Es geht um seine Geistkräfte, um die Entwicklung des Geistselbst, das überpersönlicher und unsterblicher Natur sein wird. Und damit geht es um die Entwicklung der eigenen geflügelten Johannes-Natur bzw. der eigenen Taube als Bild des Heiligen Geistes.
Der Gnadenstuhl — Bild der Dreifaltigkeit
Zum neuen Jahr 2026 bekam ich ein neues, inneres Bild geschenkt. Die kurz vor Weihnachten gefundenen Worte von Meister Eckart, „Der gegenwärtige Augenblick ist das Fenster, durch das Gott in das Haus meines Lebens schaut.“ hatten in mir nachgewirkt. Und ich dachte, wenn Gott durch das Fenster des Augenblicks zu mir hereinblicken kann, kann ich durch dieses Fensterchen, dieses “Schlüsselloch” auch hinausblicken. Und was sieht man dann? Ich denke, die göttliche Ewigkeit wird als Umkehrschluss dadurch denkend erkennbar. Sie ist für Menschen unsichtbar wie die dunkle Seite des Mondes, doch gedacht als der andere Pol, tritt sie in die Vorstellbarkeit ein. Zur winzig kleinen, vergänglichen menschlichen Gegenwärtigkeit gehört wie die andere Seite der Medaille die ewig unveränderliche, unvergängliche, unermessliche, himmlische Ewigkeit.
Und dann arbeitete es weiter in mir. Ist es vielleicht denkbar, dass die beiden Zeitströme, von denen Rudolf Steiner spricht, beide aus dieser Ewigkeit hervorgehen? Sind sie vielleicht die Arme Gottes, mit denen er die Welt hält und die Gegenwart erschafft? Als ich soweit war, fiel mir auf, dass es diesen Bild-Typ bereits seit dem Mittelalter gibt. Bilder von Gottvater, der das Kreuz mit dem Gekreuzigten hält, werden „Gnadenstuhl“ genannt. Die Taube vervollkommnet das Bild der Dreifaltigkeit.

Gnadenstuhl, Österreichischer Meister, Anfang 15. Jh.
Den Begriff „Gnadenstuhl“ verwendet Luther in der Übersetzung des Alten Testaments: „Und machte den Gnadenstuhl von feinem Golde…“ (Exodus 37:6) Damit ist der Deckel der Bundeslade gemeint. In der Bundeslade lagerten die Gesetzestafeln, die zehn Gebote, und zeugten vom Bund Gottes mit seinem Volk. Über dem Deckel der Bundeslade, zwischen den beiden Cherubim, thronte Jehova in der Gestalt einer feurigen Wolke. In den Raum des Allerheiligsten trat der Hohepriester nur einmal im Jahr am Versöhnungstag. Im brennenden Dornbusch hatte sich Jehova dem Moses geoffenbart als der „Ich bin der Ich bin.“ und nun war Er anwesend über der Bundeslade.
Wenn ich bedenke, dass jeder Mensch auf seinen Herzbereich deutet, wenn er zeigen will, wo er sich als Ich erlebt, so wird jedes „Herzkästchen“ zur Bundeslade, über der das Ich-Bin thront. Hier keimt das Bewusstsein auf durch die Ätherisation des Blutes. Und noch bevor dieses Bewusstsein irgendetwas weltliches, äußeres wahrnimmt, bezeugt es das Dasein des Menschen selber. Er nimmt sich als Ich wahr. Doch das in der Gegenwärtigkeit erlebte menschliche Bewusstsein ist sterblich. Und es wird gekreuzigt, sobald es sich der irdischen Welt zuwendet, denn diese Welt ist eine Welt der rechten Winkel, der vier Himmelsrichtungen, des Kreuzes.

Die Gegenwart erschaffen und gehalten von den beiden Zeitströmen, den Armen des Vaters, die aus der Ewigkeit hervorgehen
Das menschliche Bewusstsein ist der sterbliche “Sohn” des göttlichen Ewigkeits-Bewusstseins. Und die Taube ist Bote zwischen den beiden Polaritäten, denn in die Gegenwärtigkeit kann eine noch nie dagewesene Idee hereinleuchten.
Die Christuskraft, die im Innern lebt, ermöglicht es dem Menschen, immer bewusster zu werden, immer mehr Kraft zur Verfügung zu haben, um Gegenwärtigkeit herstellen und halten zu können. Doch irgendwann — früher oder später — endet jede Gegenwärtigkeit und die Bewusstheit stirbt. Doch das, was während dieser Zeit in den Raum des Bewusstseins eintrat, was wahrgenommen und erlebt wurde, das kann erkannt werden. Und die Kraft, die dem Menschen Erkenntnis ermöglicht, ist die luziferische Kraft, die in ihrer erlösten, den Sinnenschleier durchdringenden Form der Heilige Geist ist.
Laut Rudolf Steiner entsteht beim Aufeinandertreffen der beiden Ströme eine Stauung. Sie ist, was wir Gegenwart nennen und die Grundlage menschlicher Gegenwärtigkeit. Er sagt: „In jedem Zeitabschnitt ist Ihr Leben ein Durchschnitt von zwei Strömungen, von denen die eine von der Zukunft nach der Gegenwart geht und die andere von der Gegenwart nach der Zukunft. Wo sich die Strömungen treffen, tritt eine Stauung ein. Alles, was der Mensch noch vor sich hat, muß er als astralische Erscheinung vor sich auftauchen sehen. Dieses ist etwas, was eine unglaublich eindrückliche Sprache spricht.” (Lit.: GA 324a, S. 38f) Denke ich mir diese beiden Ströme wesenhaft als Arme Gottes, so kann ich mir vorstellen, dass Gott durch diese beiden Zeitströme nicht nur die Gegenwart ständig neu erschafft, sondern auch die Welt und jeden einzelnen Menschen hält.
Diese beiden gegenläufigen Zeitströme werden im inneren Bild in den Halbjahren sichtbar, vollzieht sich ihr Vorwärtsschreiten doch entgegengesetzt. Die Spiegelspruch-Paare lassen sich unter diesem Gesichtspunkt als solche Stauungen verstehen, die sich im Bewusstseinsraum an unterschiedlichen Stellen ereignen. Es gibt 25 Spiegelspruch-Paare und demnach stauen sich die Zeitströme 25 mal im Seelenraum. Nur beim letzten Mantren-Paar, den Sprüchen 26 Z und 27 a fließen sie ungehindert, denn diese Mantren spiegeln nicht.

Die Entstehung der Spiegelsprüche durch die Stauung der beiden Zeitströme
Beispielhaft sind drei verschiedene Orte der Stauung gezeigt. Sie entstehen durch das Aufeinandertreffen der beiden aus der Ewigkeit hervorgehend gedachten Zeitströme (rot: Zukunfts-Zeitstrom; blau: Vergangenheits-Zeitstrom), wodurch die hervorgebrachte Gegenwart sich zweifach — in Gestalt der Spiegelsprüche (gelbe Linien) — zeigt. Dargestellt ist das Jahr als Kreis, als Bewusstseinsraum.
Einen weiteren Aspekt fügt folgendes Zitat Rudolf Steiners zum Bild des Gnadenstuhls hinzu. Peter Selg zitiert eine Notiz Rudolf Steiners, die er kurz vor seinem Tod auf dem Krankenlager schrieb: „Blut im Herzen nach dem Atem in der Lunge strebend ist Streben des Menschen nach dem Kosmos. Atemluft in der Lunge nach dem Blute des Herzens strebend ist Begnadung des Menschen durch den Kosmos. Blut nach dem Herzen strebend ist der verfeinerte Prozess des Sterbens. Blut als Träger von Kohlensäure aus dem Menschen stellt den verfeinerten Sterbeprozess dar.
So strömt im Blutlauf der Mensch fortdauernd in den Kosmos hinein, ein Vorgang, der nach dem Tode radical sich gestaltet, indem er vom Blute aus den ganzen physischen Menschen ergreift. […]
Das Chr. Mysterium ist die Enthüllung des großen Wunders, das sich zwischen Herz und Lunge abspielt: Der Kosmos wird Mensch; der Mensch wird Kosmos. Die Sonne trägt den Menschen aus dem Kosmos zur Erde; der Mond trägt den Menschen von der Erde in den Kosmos. Ins Große umgesetzt: Was von der Lunge zum Herzen strömt ist menschliches Correlat des Herabsteigens des Christus auf die Erde; was vom Herzen nach der Lunge kraftet ist menschliches Correlat des Hindurchführens des Menschen nach dem Tode durch den Chr. Impuls in die Geistes-Welt. Insofern lebt das Geheimnis von Golgatha auf menschlich organhafte Art zwischen Herz und Lunge.“ (Rudolf Steiner, zitiert in: P. Selg, Mysterium Cordis, S. 130f ohne Quellenangabe)
Um die beiden Bewegungen besser nachvollziehen zu können, habe ich das Zitat auf der Abbildung wiederholt und entsprechend gefärbt.

Das Christusmysterium zwischen Herz und Lunge
Die beiden Zeitströme stellt Rudolf Steiner stets waagrecht fließend dar, dem Wasser entsprechend. So habe ich sie auch im Bild vom Gnadenstuhl des österreichischen Meisters veranschaulicht. Doch für den Menschen beschreibt Rudolf Steiner eine ab- und aufsteigende Bewegung, die sich durch Atem und Blut vollzieht.

