18 R

Kann ich die Seele weiten,

Dass sie sich selb­st verbindet

Emp­fangnem Welten-Keimesworte?

Ich ahne, dass ich Kraft muss finden,

Die Seele würdig zu gestalten,

Zum Geis­tesklei­de sich zu bilden.

Was ist die Seele?

Unser Wort Seele stammt von urg­er­man­sch *sai­walō bzw. *sai­wlō und wurde ver­mut­lich von *sai­waz, “See” abgeleit­et. Von den Griechen wurde sie in der Antike Psy­che (ψυχή, psy­chḗ = „Atem, Atemhauch“) genan­nt, auf lateinisch ani­ma. Es ist jenes Glied des Men­schen, das seine leib­liche und geistige Exis­tenz miteinan­der verbindet.

Aus anthro­posophis­ch­er Sicht sind Leib, Seele und Geist eine Sub­stanz in unter­schiedlichen Erschei­n­ungs­for­men, so wie Wass­er als Eis, Flüs­sigkeit oder Dampf erscheinen kann. Die volle Ent­fal­tung ein­er seel­is­chen Innen­welt ist nur dem Men­schen möglich. Ihrer sub­stantiellen Natur nach entstammt die Seele dem Astralleib, dem drit­ten Wesens­glied des Men­schen. Die Seele ist Organ des Bewusst­seins, in dem die Begier­den und Empfind­un­gen aufleben. Sie agiert mit der Welt durch die See­len­fähigkeit­en des Denkens, Füh­lens und Wol­lens. Ver­bildlicht wird die Seele meist in weib­lich­er Gestalt. Rudolf Stein­er erk­lärt die Drei­heit von Kör­p­er, Seele und Geist so: „Mit Leib ist hier das­jenige gemeint, wodurch sich dem Men­schen die Dinge sein­er Umwelt offen­baren […] Mit dem Worte Seele soll auf das gedeutet wer­den, wodurch er die Dinge mit seinem eige­nen Dasein verbindet, wodurch er Gefall­en und Miß­fall­en, Lust und Unlust, Freude und Schmerz an ihnen empfind­et. Als Geist ist das gemeint, was in ihm offen­bar wird, wenn er, nach Goethes Aus­druck, die Dinge als «gle­ich­sam göt­tlich­es Wesen» ansieht. — In diesem Sinne beste­ht der Men­sch aus Leib, Seele und Geist.“ (Lit.:GA 9, S. 26f)

Was meint der Begriff “Jungfrau” in Bezug auf die Seele?

In der Seele sind sowohl gute als auch böse, ego­is­tis­che Anteile vere­inigt. Sie ist auf Entwick­lung angelegt. Ego­is­tis­che, für andere Lebe­we­sen schädi­gend wirk­ende Anteile müssen über­wun­den und in leben-fördernde Antelie ver­wan­delt wer­den. Ein wesentlich­er Aspekt ist die Hal­tung der physis­chen Welt gegenüber. Ist das, was die fünf Sinne des Men­schen zeigen die einzige Wahrheit? Oder kann sie als Aus­druck eines Göt­tlichen gedacht, ver­standen und gese­hen wer­den? Dieser Entwick­lung­sprozess kann als eine Art Reini­gung von Missver­ständ­nis­sen, von falschen Urteilen erlebt wer­den. Deshalb strebte der Men­sch schon immer danach, seine Seele zu kul­tivieren und zu reinigen.

Von entschei­den­der Bedeu­tung war und ist dies für die Men­schen, die Zutritt zur geisti­gen Welt erhal­ten wollen, d.h., die Ein­wei­hung anstreben. Rudolf Stein­er erk­lärt, wie der Begriff “Jungfrau” auf die Seele bzw. den Astralleib bezo­gen, gemeint ist: “Die christliche Eso­terik nan­nte diesen gere­inigten, geläuterten astralis­chen Leib, der in dem Augen­blick, wo er der Erleuch­tung unter­wor­fen ist, nichts von den unreinen Ein­drück­en der physis­chen Welt in sich enthält, son­dern nur die Erken­nt­nisor­gane der geisti­gen Welt, die «reine, keusche, weise Jungfrau Sophia». Durch alles das, was der Men­sch aufn­immt in der Kathar­sis, reinigt und läutert er seinen astralis­chen Leib zur «Jungfrau Sophia». Und der «Jungfrau Sophia» kommt ent­ge­gen das kos­mis­che Ich, das Wel­ten-Ich, das die Erleuch­tung bewirkt, das also macht, daß der Men­sch Licht um sich herum hat, geistiges Licht. Dieses Zweite, das zur «Jungfrau Sophia» hinzukommt, nan­nte die christliche Eso­terik — und nen­nt es auch heute noch — den «Heili­gen Geist». So daß man im christlich-eso­ter­ischen Sinne ganz richtig spricht, wenn man sagt: Der christliche Eso­terik­er erre­icht durch seine Ein­wei­hungsvorgänge die Reini­gung und Läuterung seines astralis­chen Leibes; er macht seinen astralis­chen Leib zur «Jungfrau Sophia» und wird über­leuchtet — wenn Sie wollen, kön­nen Sie es über­schat­tet nen­nen — von dem «Heili­gen Geiste», von dem kos­mis­chen Wel­ten-Ich.” (Lit.: GA 103, S. 201)

Wie kann ich mir Einweihung vorstellen?

Wie Ein­wei­hung erre­icht wer­den kann, war für jede Kul­tur und Zeit anders, denn sie musste vom Entwick­lungs­stand der See­len dieser Men­schen aus­ge­hen. Aus­führlich­er beschreibt Rudolf Stein­er den Vor­gang der Ein­wei­hung früher­er Zeit so: „Erst ist es eine unbe­wußte Arbeit, die der Men­sch an seinem Äther­leibe und seinem Astralleibe ver­richtet. Diese vol­lzieht sich im all­ge­meinen Entwick­elungs­gang der Men­schheit. Der Chela [Geistess­chüler] begin­nt diese Arbeit bewußt in die Hand zu nehmen. Es wird bei unabläs­sigem Üben ein bes­timmter Moment erre­icht, wo der ganze astralis­che Leib umge­wan­delt ist. Dann kann sich alles, was im astralis­chen Leibe ist, in den Äther­leib hinein abdrück­en. Dann erst darf dieses geschehen, früher nicht, denn früher kämen schlimme Eigen­schaften hinein. Das Erwor­bene geht dann mit dem Kausalleib durch alle Inkar­na­tio­nen hin­durch. Die Verewi­gung, Ver­lebendi­gung alles dessen, was der Astralleib enthält, ist ein unge­heuer wichtiger Vor­gang. Das kann er in keinem Kamalo­ka abw­er­fen, das trägt er für immer in sich. Deshalb ist die vorherige Reini­gung sehr notwendig.

Das Abdrück­en dessen, was der Astralleib enthält, in den Äther­leib, wurde in der alten Ein­wei­hung so vol­l­zo­gen, daß der Schüler in eine Kryp­ta gebracht und dort in eine Art Sarg gelegt wurde. Manch­mal wurde er auch an eine Art Kreuz gebun­den und in einen lethar­gis­chen Zus­tand ver­set­zt, bei dem der Äther­leib zugle­ich mit dem Astralleib aus dem physis­chen Leib her­aus­trat. Etwas ähn­lich­es, näm­lich das Her­aus­treten eines Teiles des Äther­leibes, geht beim Ein­schlafen eines Gliedes vor sich; man kann dann den betr­e­f­fend­en Teil des Äther­leibes aus dem Kör­p­er her­aushän­gen sehen. Die Ein­wei­hung selb­st nahm ein beson­ders hoher Ini­ti­iert­er vor. Vieles andere noch wurde da nach vorgeschriebe­nen Regeln gemacht. Solch ein Schlaf war etwas anderes als ein gewöhn­lich­er Schlaf. Es blieb bloß der physis­che Leib in dem soge­nan­nten Sarg zurück, und der Äther­leib und Astralleib gin­gen her­aus; es war also eine Art Tod. Dies war notwendig, daß man den Äther­leib frei bekam, denn nur dann kann sich der Astralleib in den Äther­leib abdrück­en. Dreiein­halb Tage dauerte dieser Zus­tand. Wenn der Novize dann von dem Ini­tia­tor wieder hin­ge­lenkt wurde zu dem physis­chen Leib, so wurde ihm noch eine let­zte Formel eingeprägt, mit der er aufwachte. Das waren die Worte: «Eli, Eli, lama sabachthani!», das heißt: «Mein Gott, mein Gott, wie hast Du mich ver­her­rlicht!» Zugle­ich schien ihm ein bes­timmter Stern, in der ägyp­tis­chen Ein­wei­hung der Sir­ius, ent­ge­gen. Jet­zt war er ein neuer Men­sch gewor­den. Man nan­nte nun den ganz vergeistigten Astralleib aus einem ganz bes­timmten Grunde mit einem ganz beson­deren Namen: «Jungfräulich» nan­nte man diesen Astralleib, die «Jungfrau Sophia». Und den Äther­leib, der aufn­immt, was die Jungfrau Sophia in sich trug, nan­nte man den «Heili­gen Geist». Und das, was aus bei­den ent­stand, das war der «Men­schen­sohn». Der Verkündi­gung und Geburt des Jesus von Nazareth liegen diese Mys­te­rien­in­halte zugrunde.

Dieses innere Erleb­nis wurde im Bilde auch so dargestellt, daß der Heilige Geist als die Taube über dem Kelch schwebt. Das ist der Moment, der im Johannes-Evan­geli­um 1,32 beschrieben wird: «Und Johannes zeugete und sprach: Ich sah, daß der Geist her­ab­fuhr wie eine Taube vom Him­mel und blieb auf Ihm.» Denken Sie sich das auf dem astralen Plan erlebt, so haben Sie ein wirk­lich­es Ereig­nis.“ (Lit.:GA 94, S. 290f)

Was sagt mir das Mantra 18 R?

Das Mantra 18 R begin­nt mit ein­er Frage. Diese Frage richtet sich an mich sel­ber. Ich frage mich: Kann ich die Seele — natür­lich meine Seele — weit­en? Und, wie geht das, die Seele zu weit­en? Welch­er Art ist dieses Kön­nen, das die Seele weit­et? Ver­schiedene innere Bewe­gun­gen kom­men in Betra­cht: Füh­lend weite ich die Seele, wenn ich mich frage: Kann ich fühlen, was ein ander­er Men­sch fühlt – nicht was ich an sein­er Stelle fühlen würde, son­dern was er fühlt? Kann ich Empathie entwick­eln? Mein Denken weite ich, wenn ich frage: Kann ich aus dem lin­earen Entwed­er-Oder-Denken ein ganzheitlich­es Sowohl-als-auch-Denken machen? Kann ich einen Sachver­halt aus ver­schiede­nen Per­spek­tiv­en betra­cht­en, sodass jew­eils andere Aspek­te als wahr erscheinen? Kann ich den Wider­spruch aushal­ten? Meinen Willen weite ich in die Polar­ität von Innen und Außen, wenn ich frage: Kann ich in ein­er Sinneswahrnehmung ganz versinken und gle­ichzeit­ig in mir wahrnehmen, wie mein Fühlen antwortet? Kann ich den Abend­him­mel genau­so inten­siv wahrnehmen, wie meine Freude in mir über den Him­mel – kann ich dadurch wie eins wer­den mit dem Wahrgenommenen?

Durch die Frage an sich sel­ber entste­ht eine Gegenüber­stel­lung des Ich-Sprech­ers und der Seele. Dadurch tritt das Ich als Gestal­ter der Seele her­vor. Es ist das Ich, dessen Auf­gabe die Kul­tivierung und Weitung der Seele heute ist. In der Parzi­val Erzäh­lung tritt die Bedeu­tung des Fra­gen-Kön­nens klar her­vor. Fra­gen zu stellen war auf alten Ein­wei­hungswe­gen hin­der­lich. Der kri­tis­che Ver­stand durfte keinen Zutritt erhal­ten. Nur so war es möglich, die unum­stößliche Sicher­heit im Glauben zu erlan­gen, der für die Wahrnehmung in geisti­gen Wel­ten unumgänglich ist. Parzi­val ver­hält sich bei seinem ersten Besuch auf der Grals­burg entsprechend der alten See­len­hal­tung. Doch genau daran scheit­ert er. Er muss die Grals­burg wieder ver­lassen, ohne dass Amphor­tas von seinem Lei­den erlöst ist. Auf lan­gen Schick­sal­swe­gen muss er sich das Fra­gen-Kön­nen, das Inter­esse am Anderen, die Weitung der Seele erar­beit­en, bevor er ein zweites Mal die Grals­burg find­et und die entschei­dende Frage stellt.

Die Seele erhält, durch die vom Ich geleis­tete Weitung, die Möglichkeit, sich mit dem Wel­ten-Keimeswort zu verbinden. Es ist die Seele, die diese Verbindung leis­ten muss. Im Mantra 17 Q der vorherge­hen­den Woche war es das Wel­tenwort, das ich durch Sinnestore in meine See­len­gründe führen durfte. Nun ist es zum Wel­ten-Keimeswort gewor­den, zum Wel­tenwort, das in der Seele keimen will, das neues Leben aus sich her­vorkeimen lassen will.

Lässt sich dieser Lebenskeim in der Seele beobacht­en, der durch die Sinneswahrnehmung in ihr liegt? Als diesen Keim kann ich mein Ich-Bewusst­sein anse­hen. Es bildet sich durch den Kon­trast von sinnlich wahrgenommen­er Außen­welt und emo­tion­al gefühlter Innen­welt. Meine Innen­welt-Wahrnehmung ist rein sub­jek­tiv­er Natur. Hier erlebe ich sym­pa­this­che oder antipathis­che Reak­tio­nen auf die Wahrnehmung der Außen­welt. Es sind meine Bew­er­tun­gen — objek­tiv­en Charak­ter tra­gen sie nicht, denn jed­er Men­sch reagiert anders. Durch diese Bew­er­tun­gen in gut und schlecht begren­ze und verenge ich mich in der Seele. Schule ich meine Objek­tiv­ität der Wahrnehmung gegenüber, schule ich mich darin, sie ohne diese Bew­er­tun­gen ein­fach nur aufzunehmen, weite ich meine Seele. Die ego­is­tis­che Veren­gung meines Ich-Bewusst­seins über­winde ich in der Hingabe an die nun unbe­w­ertet bleibende Wahrnehmung. Das Ego strebt nach seinem Vorteil und verengt die Seele dadurch. Ohne Bew­er­tun­gen in gut oder schlecht fehlt dafür die Grund­lage. Ist die Seele solch­er Art geweit­et, kann sie sich auf neue Art mit der Wahrnehmung verbinden. Nun kann ich erleben, wie die Wahrnehmung in mir begin­nt zu leben, zu keimen. Wie sie begin­nt, in mir lebendi­ges Bild zu wer­den für das Leben sel­ber. Mein Ich-Bewusst­sein wird zum stillen Beobachter und durch­lebt vor allem durch die Wahrnehmung der Natur Geburt, Tod und Wiederge­burt. Denk­end erfasse ich mich mit meinem Ich-Bewusst­sein nun als ein Wesen, das durch Geburt und Tod hin­durchge­hen kann.

Nach der Frage zu Beginn des Mantras fol­gt nun eine Fest­stel­lung. Nach der Weitung in der Frage, in der die Auf­forderung liegt, Welt­in­ter­esse zu entwick­eln, kommt nun die Wen­dung zurück zu mir. Nun wird gesagt, was diese Weitung für mich bedeutet. Nun spüre ich, dass sie mich Kraft kostet, denn in mir muss einiges anders wer­den. Neudeutsch gesagt muss ich an mir arbeit­en, meine Per­sön­lichkeit entwick­eln, begren­zende Muster auflösen, meine eigene moralis­che Hal­tung den Lebens­fra­gen gegenüber find­en. Ich ahne, dass ich Kraft find­en muss für diese Arbeit. Es ist anstren­gend an der Seele zu arbeit­en. Ich muss die Seele würdig gestal­ten. Fragt sich also, was ist bish­er unwürdig an mir? Alles unbe­wusste, reflex­haft Han­deln zeugt nicht von Würde, son­dern offen­bart man­gel­ndes Bewusst­sein. Oft möchte ich sicher­lich ganz anders reagieren. Alle niederen Triebe und Emo­tio­nen, alle Selb­st­sucht, Stolz und Über­he­blichkeit muss ich in mir aus­find­ig machen, fühlen und ver­wan­deln. Ich muss alle Enge und Hartherzigkeit in liebevolle und dem Leben aller Wesen dienende Hal­tun­gen und daraus fol­gende Hand­lun­gen verwandeln.

Der Lohn dieser Kraftanstren­gung ste­ht mir noch nicht klar vor Augen. Noch ist das Wel­ten-Keimeswort nur Keim und nicht voll entwick­elte Pflanze. Noch kann ich nur ahnen, nicht wis­sen, dass ich diese Kraft auf­brin­gen muss. Als Ziel dieser Anstren­gung gibt das Mantra ein Bild. Die Seele soll zum Geis­teskleid wer­den. Sie soll das Wel­ten-Keimeswort würdig umk­lei­den kön­nen. Das Wel­ten-Keimeswort ist Geist und die Seele soll diesem Keim ein­er neuen Welt die Hülle zur Entwick­lung geben. Die Seele muss sich sel­ber zum Geis­tesklei­de bilden. Es heißt nicht, dass ich die Seele zum Geis­tesklei­de bilden muss, denn dann würde es „sie zu bilden“ heißen. Es heißt aber: „Zum Geis­tesklei­de sich zu bilden.“ Indem das Ich seine Arbeit der Weitung und würdi­gen Gestal­tung erfüllt, bildet die Seele sich ihr Kleid.

Diese beson­dere For­mulierung weist darauf hin, dass es sich hier um die Ver­wand­lung des Astralleibs zum Geist­selb­st han­delt. Die Seele wird Geist­selb­st. Das Geist­selb­st oder höhere Selb­st kann sich mit dem Wel­ten-Keimeswort, dem Chris­tus verbinden, die Keimkraft neuen Lebens in sich leben und wach­sen lassen.

Das Bild des Klei­des oder Gewands find­et sich in vie­len Märchen und auch im Evan­geli­um. Im Märchen von Aschen­put­tel zum Beispiel kann das Mäd­chen sich himm­lis­che Gewän­der vom Baum schüt­teln, der auf dem Grab ihrer Mut­ter wächst. Die Verbindung mit den Ahnen, die auch im Spruch durch das Wort “ahnen” anklingt, ist hier deut­lich. Im Matthäu­se­van­geli­um (22,11) wird von jeman­dem erzählt, der kein hochzeitlich­es Gewandt auf dem Fest trägt. Dieser wird gefragt, wie er denn in den Fest­saal hineingekom­men sei? Denn es war Brauch gewe­sen, dass alle Gäste ein Gewandt geschenkt beka­men. Im Urchris­ten­tum erhiel­ten die neu getauften Men­schen ein weißes Gewand als Zeichen, dass die Taufe sie reinge­waschen hat­te. Immer wieder ist das reine, weiße oder himm­lisch schöne Gewand Bild für die sich würdig gemachte, reine Seele.

An zwei große Bilder kann ich mich durch das Mantra 18 R erin­nert fühlen: Das erste wird angeregt durch das emp­fange Wel­ten-Keimeswort. Es ist die Seele, die emp­fan­gen hat. Hier kann ich sie als Maria sehen, die das Wel­ten-Keimeswort, das Christkind, emp­fan­gen hat. Das zweite Bild entste­ht, weil die Seele sich selb­st verbinden soll mit dem Wel­ten-Keimeswort. Sich zu verbinden heißt zu heirat­en. Die mys­tis­che Hochzeit meint die Verbindung der (weib­lichen) Seele mit dem (männlichen) Geist.

Das Mantra 18 R zeigt die Seele gle­ichzeit­ig sowohl als Mut­ter als auch als Braut. Das Ich nimmt sich in diesem Zusam­men­hang wie der Diener der Prinzessin-Seele aus. Das Ich muss die Arbeit des Weit­ens tun, es muss Kraft find­en, die Seele würdig zu gestal­ten. Doch das Geis­teskleid webt die Seele aus sich sel­ber. Das Ich ist hier der Parzi­val, der die Frage stellen muss, den Hand­lungs­be­darf erken­nen muss.