4 D

Ich füh­le Wesen meines Wesens:

So spricht Empfindung,

Die in der son­ner­hell­ten Welt

Mit Licht­es­fluten sich vereint;

Sie will dem Denken

Zur Klarheit Wärme schenken

Und Men­sch und Welt

In Ein­heit fest verbinden.

 

Was sagt mir das?

Inzwis­chen sind wir beim vierten Mantra des See­lenkalen­ders ange­langt. Vier gilt über­all auf der Welt als Son­nen­zahl. Auch dieses Mantra hat eine aus­geprägt helle, durch­son­nte Stimmung.

In diesem Mantra wer­den wir Zeuge eines Selb­st­ge­sprächs. Die Empfind­ung spricht über sich selb­st. Danach wer­den wir in die Außen­sicht geführt. Es fol­gt eine Beschrei­bung der Aktiv­ität der Empfind­ung und ihrer damit angestrebten bei­den Ziele.

Die Empfind­ung fühlt das Wesen ihres Wesens. Sie fühlt den Kern ihres Seins, ihre Essenz. Was ist also die Empfind­ung? Sie ist noch kein Gefühl und keine Emo­tion, denn diese haben ein The­ma, einen Inhalt. Sie ist die Berührbarkeit, die Fähigkeit jedes Lebe­we­sens in Aus­tausch zu gehen mit sein­er Umwelt. Diese Fähigkeit ist schon jedem Einzeller gegeben. Leben bedeutet in Wech­sel­wirkung treten zu kön­nen. Dafür ist ein Ansatz von Bewusst­sein und eine Wahrnehmungs­fähigkeit für die Umwelt nötig. Empfind­ung ist das aufkeimende Bewusst­sein, das füh­lende Gewahr­sein dieses Prozess­es. Die Empfind­ung fühlt das Wesen ihres Wesens. Es ist noch keine Erken­nt­nis, keine bewusste Selb­stre­flex­ion. Dieses füh­lende Gewahr­sein ist die Grund­lage unseres Ich-Bewusst­seins jen­seits von allen per­sön­lichen Konzepten und Erfahrun­gen, jen­seits jed­er ego­is­tis­chen Regung.

Die Empfind­ung als aufkeimendes Bewusst­sein kann ihren Fokus nach zwei Seit­en richt­en: zum einen nach innen das eigene Wesen wahrnehmend, zum anderen nach außen Inter­ak­tion mit der Welt anstrebend. Die Innen­wen­dung ermöglicht Bewusst­sein von sich selb­st; die Empfind­ung spricht über sich. Die Außen­wen­dung ermöglicht Wel­terken­nt­nis und ziel­gerichtetes Han­deln. In diesem Fall schläft das Bewusst­sein für sich sel­ber ein, weshalb das Mantra beschreibend fort­fährt. Was nur nacheinan­der aus­ge­sprochen wer­den kann, find­et in Wahrheit gle­ichzeit­ig statt, denn Innen und Außen bedin­gen sich. Das ger­ade aufge­hende Licht des Bewusst­seins beleuchtet nach innen gerichtet sich selb­st, nach außen gerichtet die Welt. Während die Empfind­ung innen das Wesen ihres Wesens fühlt, vere­int sie sich außen mit den Licht­es­fluten der son­ner­hell­ten Welt.

Was sind diese Licht­es­fluten und was ist die son­ner­hellte Welt? Der stetig fließende Strom der Wahrnehmung, der durch meine Sinne, die Fen­ster mein­er Seele, in mich ein­strömt und als ein Licht­strom erlebt wer­den kann, sind die Licht­ess­fluten. Da Wahrnehmung nie aufhört, auch im Schlaf nicht, reißt dieser Strom nie ab, flutet das Licht stetig. Mit diesen Wahrnehmungen vere­int sich die Empfind­ung. Sie macht sie sich zu eigen. Die son­ner­hellte Welt ist die Tag-Welt. Sie ist die von der Sonne des Bewusst­seins beschienene Welt, die wahrgenommene, gese­hene, erkan­nte Welt.

An dieser Stelle kann ich noch tiefer fra­gen: Was ist es, das durch die Wahrnehmung als Licht in mich ein­strömt? Was in der Wahrnehmung ermöglicht mir Erken­nt­nis und dadurch das Erleb­nis von Licht, Licht­es­fluten? Es ist die Weisheit, aus der her­aus diese Welt gebildet, am Leben gehal­ten und stetig weit­er entwick­elt wird. Weil Weisheit in der Welt wal­tet, alle Rhyth­men Natur­prozesse und ‑geset­ze  sin­nvoll aufeinan­der bezo­gen sind, kann diese Weisheit von mir erkan­nt wer­den.  Die Licht­es­fluten sind also auch der Weisheitsstrom, den ich durch die Wahrnehmung emp­fange. Dieser Weisheitsstrom hin­ter der äußeren Wahrnehmung wird der Wel­tenäther genan­nt. Erahn­bar wird er uns im Zeit­en­strom, der alles Leben trägt.  Mit dem sich durch den Zeit­strom auf der Erde ver­wirk­lichen­den Wel­tenäther, den Licht­es­fluten, vere­int sich die Empfind­ung. Durch diese Vere­ini­gung mit der von Weisheit­slicht durch­strömten Zeit zeigt sich die Empfind­ung als ein auf Entwick­lung angelegtes Wesen.

Es gibt in diesem Mantra zwei Licht-Aus­sagen, die nur schein­bar das gle­iche meinen: die son­ner­hellte Welt und die Licht­es­fluten, die in der son­ner­hell­ten Welt sind. Ver­ste­he ich die Licht­es­fluten als den Wel­tenäther, die Welt und Leib schaf­fende Weisheits­macht, die sich inkarniert, so zeigt sich in der son­ner­hell­ten Welt die Wirkung des ent­ge­genge­set­zten Prozess­es. Die Entste­hung von Bewusst­sein beruht auf dezen­ten Absterbe- Exkar­na­tion­sprozessen. Durch die Ätheri­sa­tion des Blutes, seine Vergeis­ti­gung, sind wir in der Lage, unser Bewusst­sein über das reine Inter­esse der Lebenser­hal­tung hin­aus auszudehnen. Die Sonne unseres Bewusst­seins bildet unseren Bewusst­sein­sraum, die son­ner­hellte Welt. In diese Raumwelt flutet der Weisheitsstrom des Weltenäthers.

Zwei Ziele wer­den genan­nt, die von der Empfind­ung angestrebt, gewollt wer­den: zum einen will sie dem Denken zur Klarheit Wärme schenken, zum anderen Men­sch und Welt in Ein­heit fest verbinden. Um klar Denken zu kön­nen, brauchen wir einen kühlen Kopf. Erken­nt­nis ist von sich aus keine warme Kraft. Die Weisheit des Wel­tenäthers ist zunächst neu­tral, kalt. Als beobachtete Fak­ten zieht die Weisheit durch die Wahrnehmung in uns ein. Anders ist es mit dem aufkeimenden Bewusst­sein, das zunächst Empfind­ung ist. Bewusst­seinslicht-Entste­hung wird im Bild des Feuers, in dem das Leben zu Bewusst­sein­licht ver­bren­nt, ver­standen. Dieses Licht ist also im Keim ein füh­len­des, in Beziehung gehen­des, warmes Licht. Dadurch kann die Empfind­ung dem Denken Wärme schenken.

Die Empfind­ung will Men­sch und Welt in Ein­heit fest verbinden. Diese Verbindung geschieht, indem sich die Empfind­ung mit den Licht­es­fluten vere­int. An dieser Stelle wird das aufkeimende Bewusst­seinslicht der Empfind­ung eins mit dem Licht des Wel­tenäthers, mit den Licht­es­fluten. Die Aktiv­ität geht von der Empfind­ung aus, sie will es. Bedeut­sam ist die For­mulierung ihres Ziels. Es heißt “In Ein­heit…” und nicht wie vielle­icht zu erwärten wäre “Als Ein­heit”. Let­zteres verbindet zwei getren­nte Hälften zu ein­er Ein­heit. “In Ein­heit” lässt dage­gen ahnen, dass Men­sch und Welt in Wahrheit immer eine Ein­heit sind.  So wie Som­mer und Win­ter nur zwei Zustände des einen Jahres­laufs sind, so sind auch die inkarnierende, zur Erde her­ab­strö­mende Bewe­gung des Wel­tenäthers und das durch Exkar­na­tion entste­hende, auf­flam­mende Bewusst­seinslicht nur gegen­teilige Bewe­gun­gen ein­er über­ge­ord­neten Ein­heit, des göt­tlichen Bewusst­seins in der Welt und im Men­schen. “In Ein­heit” lässt “In Frieden” und “In Har­monie” mitk­lin­gen. Es ist das Bestreben der Empfind­ung, dass das Zusam­men­wirken dieser bei­den Wel­tenkräft in Ein­heit und damit in Frieden und Har­monie sich vol­lziehen möge.