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Es spricht zum Weltenall,

Sich selb­st vergessend

Und seines Urstands eingedenk,

Des Men­schen wach­send Ich:

In dir, befreiend mich

Aus mein­er Eigen­heit­en Fessel,

Ergründe ich mein echt­es Wesen.

 

Was sagt mir das?

Das Ich des Men­schen spricht in diesem Mantra zum Wel­te­nall.  Das Ich wird hier als ein wach­sendes beschrieben, später erfahren wir, dass es durch seine Eigen­heit­en gefes­selt ist. Dieses Ich hat seine eigentliche Größe, seine erwach­sene Form und seine Frei­heit noch nicht erre­icht. Sich­er kann es als das noch im Ego­is­mus gefan­gene Ich ange­sprochen werden.

Der Gesprächspart­ner, den das Ich direkt anspricht, ist das Wel­te­nall. Das Wel­te­nall, das Alles der Welt, ist die Gesamtheit der sinnlichen Welt, die sich uns durch die Wahrnehmung mit­teilt sowohl in ihren räum­lichen als auch zeitlichen Aspek­ten. Das Wel­te­nall bein­hal­tet all die Weisheit, die zu sein­er Entste­hung und For­tex­is­tenz nötig ist. Gle­ichzeit­ig ist dieses Wel­te­nall wesen­haftes Gegenüber und trägt das wach­sende Ich in sich. Deut­lich wird dies durch die Rede des Ichs: “In dir … ergründe ich mein echt­es Wesen.” Das Wel­te­nall geht schwanger mit dem in ihm her­anwach­senden Kind, dem Ich des Men­sche. Das Wel­te­nall ist seine Mut­ter. Zu ihr spricht das Ich.

Das noch im Wach­s­tum begrif­f­ene Ich ste­ht dieser Außen­welt gegenüber, unter­schei­det sich von ihr und tritt in Inter­ak­tion. Es spricht zum Wel­te­nall. Nun geschieht ein dop­peltes: Während das Ich zum Wel­te­nall spricht, ver­gisst es sich sel­ber. Das ist das erste. Der Vor­gang der Wahrnehmung wirkt hier. Während wir wahrnehmen, schlafen wir für uns sel­ber ein. Wir sind ganz im Außen, ganz erfüllt mit dem Wahrnehmungsin­halt und vergessen uns. In dem Moment wis­sen wir nichts mehr von uns. Erst wenn wir begin­nen das Wahrgenommene zu ver­ar­beit­en und Stel­lung beziehen, dann erleben wir uns selb­st durch unsere Urteile wieder.

Gle­ichzeit­ig geschieht noch etwas. Das Ich ist seines Urstands, seines Urzu­s­tands einge­denk. Es macht sich bewusst, dass es im Urzu­s­tand Eins war mit allem Sein. Vol­lziehen auch wir diesen Schritt? Machen wir uns bewusst, dass der Urzu­s­tand unseres Ichs die Ein­heit ist? Kön­nen wir so wahrnehmen, uns so bedin­gungs­los hingeben, dass uns die Wahrnehmung unseren Urzu­s­tand wieder zum Bewusst­sein bringt?

Nach­dem im ersten Teil des Mantras der Prozess wie von außen geschildert wird, erfahren wir durch die an das Wel­te­nall gerichteten Worte des Ichs sein Erleben. Hier schildert das Ich, wie es die Wahrnehmung als Befreiung erlebt. Vom Wel­te­nall umgeben kann sich das Ich von der Fes­sel sein­er Eigen­heit­en befreien. Ohne das Wel­te­nall, ohne die Wahrnehmungswelt wäre das Ich Eingeschlossen in sich sel­ber. Das ist kaum vorstell­bar, sosehr sind wir es gewohnt, eine wahrnehm­bare Umwelt zu haben. Doch auch mit dieser fühlen wir uns getren­nt von der Welt, in der Dual­ität gefan­gen. Das ist unsere Eigen­heit, die uns fes­selt, uns klein und begren­zt hält. Sehe ich den Berg in der Ferne, bin ich mit meinen Augen dort. Indem ich den Berg erin­nere, habe ich ihn in mich heinein­genom­men. So betra­chtet bin ich viel größer und nicht auf meinen Kör­p­er begren­zt. Für die Befreiumg von der Fes­sel der Eigen­heit­en ist im Spruch die Ver­laufs­form gewählt. Ihre Vol­len­dung liegt in der Zukun­ft; es ist die Geburt des wahren Ichs.

Nun fol­gt auch hier im Spruch ein zweit­er Schritt. Im Erleb­nis des Eins-Wer­dens mit der Wahrnehmung kann das Ich sein echt­es Wesen ergrün­den. Es gehört zum Ich, dass es die Welt in sich aufn­immt. Der Umkreis wird nach innen genom­men, wird Zen­trum. Das Wahrgenommene lebt in den inneren Bildern in der Erin­nerung weit­er im Men­schen. Das echte Wesen des Ichs ist, in Ein­heit zu sein mit allem Sein und gle­ichzeit­ig ein indi­vidu­elles Fühlen zu haben. Jed­er hat andere Erin­nerun­gen, auch wenn das­selbe erlebt wurde. Das echte Wesen des Ichs ist ein Schwin­gen zwis­chen den Zustän­den des Außer-sich-Seins wie in der Wahrnehmung und des In-sich-Seins, der Exkar­na­tion und der Inkar­na­tion. Mit dem als Umkreis des Ichs gedacht­en Wel­te­nall ergibt sich das Bild von Umkreis und Mit­telpunkt. Im ausstrahlen­den Fühlen, das auf die Wahrnehmungswelt trifft, weit­et sich das Ich. Im nach Innen nehmen der Wahrnehmungen und ihrer Konzen­tra­tion zu Erin­nerun­gen zieht es sich wieder zum Punkt zusam­men. Das Ich wird sich seines echt­en Wesens bewusst im Bild des Sonnensymbols.