Der Zeit-Impuls des Mantras 8 H ergießt sich dreifach

Ver­gan­gen­heit-Vor­bere­itung Gegen­wart-Geist-Impuls Zukun­ft-Vol­len­dung
7 G

Mein Selb­st, es dro­het zu entfliehen,

Vom Wel­tenlichte mächtig angezogen;

Nun trete du mein Ahnen

In deine Rechte kräftig ein,

Erset­ze mir des Denkens Macht,

Dass in der Sinne Schein

Sich selb­st ver­lieren will.

8 H

Es wächst der Sinne Macht

Im Bunde mit der Göt­ter Schaffen,

Sie drückt des Denkens Kraft

Zur Traumes­dumpfheit mir herab,

Wenn göt­tlich Wesen

Sich mein­er Seele einen will,

Muss men­schlich Denken

Im Traumes­sein sich still bescheiden.

9 i

Vergessend meine Willenseigenheit

Erfül­let Wel­tenwärme Sommerkündend

Mir Geist und Seelenwesen;

Im Licht mich zu ver­lieren

Gebi­etet mir das Geistesschauen,

Und kraftvoll kün­det Ahnung mir:

Ver­liere dich, um dich zu find­en.

 

Der Zeitim­puls von Pfin­g­sten, 8 H: Heilige Vereinigung

vor­bere­it­et durch Neuori­en­tierung und Erhalt des Selb­st (7 G)

vol­len­det durch Ver­lieren des alten Ich-Seins (9 I)

Der vierfache Bund mit Gott und das Pfingstfest

Das Mantra 8 H ist das Mantra der Pfin­gst­wochen, da das Pfin­gst­da­tum durch den 50-tägi­gen Abstand zum Oster­fest definiert wird, also dem ersten Tag der acht­en Woche. Es beruht auf dem eben­falls am 50. Tag nach Pas­sah gefeierten jüdis­chen Fest Scha­wout. Hier wird des Bun­des gedacht, den Gott Jahve am Sinai bzw. Berg Horeb mit Moses schloss, stel­lvertre­tend für sein Volk. Da das Mantra 8 H (eben­so wie das spiegel­nde Mantra 45 t) einen Bund erwäh­nt, will ich zunächst auf den Bund einge­hen, den Jahve mit seinem Volk schloss.

Zeichen des Moses-Bun­des sind die Geset­zestafeln mit den 10 Geboten und die Tora mit ihren zahlre­ichen Ge- und Ver­boten, die einge­hal­ten wer­den mussten, damit Jahve gnädig war. Dieser Gottes-Bund ist bere­its der dritte. Den ersten Bund schloss Gott mit Noah, den zweit­en mit Abra­ham. Das Zeichen des ersten Bun­des ist der Regen­bo­gen, das des zweit­en Bun­des die Beschneidung.

Und auch einen vierten Bund gibt es. Es ist der Neue Bund, den Chris­tus beim let­zten Abendmahl am Grün­don­ner­stag vor sein­er Kreuzi­gung mit den Jüngern schloss. In den soge­nan­nten Ein­set­zungsworten, von denen die Evan­ge­lis­ten Matthäus, Markus und Lukas sowie Paulus bericht­en, wird im Zusam­men­hang mit dem Kelch und dem Wein von diesem Neuen Bund gesprochen. Bei Lukas heißt es: “Und er nahm das Brot, sprach das Dankge­bet, brach das Brot und reicht es ihnen mit den Worten: Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird. Tut dies zu meinem Gedächt­nis! Eben­so nahm er nach dem Mahl den Kelch und sagte: Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut, das für euch ver­gossen wird. Nehmt den Wein und verteilt ihn untere­inan­der!” (Luk 22;19–20) Inter­es­san­ter­weise wird der Bund nur beim Wein, nicht aber beim Brot erwäh­nt. Das Brot wird dage­gen als Träger des Gedächt­niss­es an Chris­tus beze­ich­net — also als Brücke zur Ver­gan­gen­heit. Der Kelch mit dem Wein begrün­det den Neuen Bund — die Zukunft.

Michael Debus schreibt über die Bedeu­tung eines Bun­des und speziell über den ersten Bund Gottes, den Noah-Bund fol­gen­des: “<Bund> bedeutet hier: es herrschen über­schaubare Beziehun­gen zwis­chen Gott und der Men­schheit. Ein Bund hat immer die Form: Wenn du etwas Bes­timmtes tust, dann werde ich in ein­er bes­timmten Weise reagieren. So entste­ht Ver­lässlichkeit. Bei Noah bedeutet es, dass die Unberechen­barkeit der äußeren Wit­terungsver­hält­nisse aus ein­er Art göt­tlich­er Res­ig­na­tion her­aus ein Ende hat: <Ich will hin­fort nicht mehr die Erde ver­fluchen um der Men­schen willen; Denn das Tra­cht­en des men­schlichen Herzens ist böse von Jugend auf. Und ich will hin­fort nicht mehr schla­gen alles, was das lebt, wie ich getan habe. Solange die Erde ste­ht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Som­mer und Win­ter, Tag und Nacht> (Gen­e­sis 8,21–22) Jahve kommt also zu dem Entschluss: wie immer die Men­schen sich ver­hal­ten wer­den, Som­mer und Win­ter, Frost und Hitze, Tag und Nacht wer­den nicht mehr ihren Rhyth­mus unter­brechen. Sei­ther sind die Naturge­set­ze berechen­bar, vorher waren sie unberechen­bar waren gewis­ser­maßen abhängig vom moralis­chen Ver­hal­ten der Menschen.

Und diese Berechen­barkeit bringt Frei­heit. … Auch der Bund Mose auf dem Sinai bringt Frei­heit — durch das Gesetz: Wer das Gesetz befol­gt, wird einen gnädi­gen Gott haben. Gott ist im Bere­ich des Geset­zes für den Men­schen <berechen­bar> und schenkt ihm dadurch einen Freiraum. Das ist let­ztlich der Inhalt des Alten Bun­des.” (M. Debus, in: Kul­tus und Erken­nt­nis Hrsg. E. Mef­fert, S. 30f)

Schon der erste Bund mit Noah bein­hal­tete Geset­ze. Im Tal­mud wer­den sieben Noachidis­che Gebote genannt:

  1. Ver­bot von Mord
  2. Ver­bot von Diebstahl
  3. Ver­bot von Götzenanbetung
  4. Ver­bot von Unzucht
  5. Ver­bot, blutiges Fleisch zu essen
  6. Ver­bot der Gotteslästerung
  7. Ein­führung von Gericht­en zur Wahrung des Recht­sprinzips (Tal­mud­trak­tat San­hedrin)

    Die sechs ersten Gebote bestanden auch schon für die Men­schen vor der großen Flut, doch beachteten sie diese nicht mehr. Das siebte Gebot kam erst danach hinzu. Diese sieben Gebote gel­ten nach jüdis­ch­er Ausle­gung für die ganze Men­schheit, nicht nur für sie selbst.

    Schaue ich diese drei Bünd­nisse zusam­men, kön­nten sie auf die Drei­gliedrigkeit des Jahreskreis­es als Ei verweisen.

    Noah kön­nte zur Oster­scholle gehören, denn die Sieben­zahl ver­weist auf die sieben Wochen­t­age und dadurch auf die lin­eare Zeit. Auch die Oster­scholle hat Anfang und Ende und ist dadurch ihr Aus­druck. Auch kann sie als die Arche betra­chtet wer­den, denn sie umfasst die Stufen der Leib­w­er­dung und des Lebens auf der Erde. Jesus ver­wen­det außer­dem den Ver­gle­ich mit Noah, als er den Jüngern vom Kom­men des Reich­es und des Men­schen­sohnes sprach: “Wie es zu Noahs Zeit­en war, so wird es in den Zeit­en sein, da der Men­schen­sohn sich offen­bart” (Luk 17,27) Und mit dem Regen­bo­gen, dem Zeichen des Bun­des, ist vielle­icht eben­so die Oster­scholle gemeint, denn damals hat­te ihr kon­sti­tu­ieren­des Fest, die Aufer­ste­hung Christi noch nicht stattge­fun­den. Die Oster­scholle war sozusagen noch flüchtig wie ein Regenbogen.

    Abra­ham kön­nte zum Son­nen­bere­ich des Jahres gehören. Auf seinen Enkel Jakob gehen die zwölf Stämme zurück, die stets als Hin­weis auf den Tierkreis ver­standen wer­den. Das Zeichen seines Bun­des ist die Beschnei­dung. Ich will einen Ver­such wagen, mich dem Ver­ständ­nis der Beschnei­dung anzunäh­ern. Wenn das Kind geboren wird, ster­ben seine Eihüllen, die eben­so wie sein Leib aus der Vere­ini­gung von Ei und Samen­zelle ent­standen waren. Bis zur Geburt bilden diese Hüllen zusam­men mit dem späteren Kör­p­er seinen Leib. Kön­nte die Vorhaut als Entsprechung zu diesen Eihüllen des Embryos betra­chtet wor­den sein? Abra­hams Auf­gabe war es, das Gehirn-Denken in der Men­schheit zu begrün­den, sodass sich die Ver­standesseele nach und nach entwick­eln kann und die Men­schheit reif wird für das Erscheinen des Chris­tus. Damit sich die Ver­standesseele entwick­eln kann, musste die mit dem Umkreis aufs eng­ste ver­bun­dene Empfind­ungsseele zurückge­drängt wer­den. Die Vorhaut kann als Repräsen­ta­tion des Umkreis­es ver­standen wer­den und ihre Ent­fer­nung als Abtren­nung davon. Die Beschnei­dung sollte vielle­icht diese Entwick­lung beschle­u­ni­gen, um das erst der Ver­standesseele mögliche Erfassen des eige­nen Ichs in der Seele vorzubereiten.

    Moses empfängt als Zeichen seines Bun­des mit Gott die Geset­zestafeln der zehn Gebote und die Tora mit ins­ge­samt 613 Ge- und Ver­boten. For­t­an muss das jüdis­che Volk das “Joch der Tora” tra­gen. Die Ge- und Ver­bote gliedern sich in 365 Ver­bote und 248 Gebote. Die Anzahl der Ver­bote entspricht der Zahl der Tage in einem Kalen­der­jahr. Die äußere Zeit ist also das Ver­botene, das böse, der “Umkreis”, der zu mei­den ist. Die Zahl der Gebote sollte dementsprechend das Innere betr­e­f­fen, das dadurch ler­nen soll, der Welt gegenüberzutreten. Und tat­säch­lich beste­ht die Zahl der Gebote aus der Zahl der Dual­ität in drei “Dimen­sio­nen”: 21, 22(4) und 23(8). Die Befol­gung all dieser Ver- und Gebote, die zudem nicht immer sin­nvoll erscheinen, regt das Denken stark an. Sein Ort ist der Stern-Bereich.

    Schon im Alten Tes­ta­ment ste­ht, dass ein weit­er­er, ein Neuer Bund zu erwarten war. Der Prophet Jere­mia verkün­dete kurz vor dem Baby­lonis­chen Exil ca. 600 v. Chr.: “Siehe, es wer­den Tage kom­men, spricht der Herr, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen, nicht wie der Bund war, den ich mit ihren Vätern schloss, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägypten zu führen, den Bund, den sie gebrochen haben… Son­dern das wird der Bund sein, den ich mit dem Hause Israel schließen werde nach dieser Zeit, spricht der Herr: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein, so will ich ihr Gott sein… denn ich will ihnen ihre Mis­se­tat vergeben und ihrer Sünde nicht mehr gedenken.” — Jere­mia 31,31–34 (Luther­bibel 2017)

    Das Haus Juda meint den Stamm des vierten Sohnes von Erz­vater Jakob, die Königslin­ie. Das Haus Israel meint die Gemein­schaft der elf anderen Stämme, zu denen auch der Stamm Levi, der Priester­stamm gehörte.

    Der Neue Bund ste­ht wie erwäh­nt mit dem Kelch und dem Blut in Beziehung. Ging es beim Alten Bund um eine neue Beziehung des Men­schen zum Raum, so geht es beim Neuen Bund um eine neue Beziehung zur Zeit. Die Vier­gliedrigkeit der Messe bein­hal­tet das Mys­teri­um der Anwe­sen­heit Gottes in Brot und Wein — sozusagen in einem kleinen, vier­gliedri­gen Jahreskreis. Im ersten und let­zten Teil, beim Evan­geli­um und der Kom­mu­nion ist der Men­sch der Emp­fan­gende, der “Wahrnehmende”, weshalb diese Teile dem Som­mer-Hal­b­jahr entsprechen. Die bei­den mit­tleren Teile, Opfer­ung und Wand­lung beschreiben innere Prozesse, Wen­dun­gen der Denkbe­we­gung, weshalb sie dem Win­ter-Hal­b­jahr entsprechen.

    Der Alte und der Neue Bund dargestellt in Ei und Kreis

    Der Alte Bund wird das Gesetz genan­nt. Dem Gesetz entspricht nach mein­er Ein­sicht die zyk­lis­che Zeit. Sie fol­gt Geset­zen wie dem ewigen Wech­sel der Jahreszeit­en, dem Gang der Sonne durch den Tierkreis. Der Neue Bund entspricht gage­gen der lin­earen Zeit, in der jed­er Moment einzi­gar­tig, unwieder­hol­bar und frei von jedem Gesetz ist. Die lin­eare Zeit kann ich als mächtiger betra­cht­en als die zyk­lis­che Zeit. Die lin­eare Zeit ist die Grund­lage ewiger Entwick­lung. Sie ist die Kraft, die die Zyklen erschafft, indem sie sich zu Zeiträu­men run­det und dadurch immer neue Zeit-Kör­p­er erschafft. Oder anders herum aus­ge­drückt ist sie es, die die Zyklen zur Spi­rale, zur Raumzeit, lin­earisiert, und dadurch “entwick­elt”.

    Im Alten Bund ging es darum, den alten Zyk­lus, den alten Zeit-Raum zu ver­lassen, aus dem Zeit-Leib der alten Grup­penseele der Men­schheit her­auszutreten in das lin­eare Geschehen der Entwick­lung. Das Vorherrschen der zyk­lis­chen Zeit im Bewusst­sein der irdis­chen Men­schheit musste abgelöst wer­den von der lin­earen Zeit, die heute die selb­stver­ständliche Grund­lage des Lebens­ge­fühls ist. Mit Noah trat der Men­sch ein in den lin­earen Zeit­strom. Mit Abra­ham opferte er versinnbildlicht durch die Beschnei­dung die physis­che Ver­bun­den­heit mit dem Umfeld, sodass sein Bewusst­sein sich vom Erleben der Ein­heit zur Dual­ität wan­delte. Moses gab diesem ganz neu auf sich selb­st grün­den­den indi­vidu­ellen Bewusst­sein die nun notwendig gewor­dene Stütze durch Geset­ze. Sie mussten die früher selb­stver­ständlich emp­fun­dene und intu­itiv geregelte Beziehung des Einzel­nen zur Gemein­schaft nun von außen ord­nen. Durch das Gesetz, durch seine Übertre­tung begann sich ein Bewusst­sein für Sünde und Schuld zu entwick­eln als Voraus­set­zung für ein im Herzen, im Inneren begrün­detes indi­vidu­elles moralis­ches Bewusst­sein. Wie Jere­mias sagt, soll das neue Gesetz in das Herz geschrieben werden.

    Paulus schreibt in seinem Brief an die Römer aus­führlich über das Gesetz und den Glauben. Er macht deut­lich, dass das Gesetz dem irdis­chen Leben gilt, der Glaube und damit der Neue Bund jedoch dem Leben nach dem Tod. Der Glaube und der Neue Bund beruhen also auf einem Vor­griff auf die Zeit in der geisti­gen Welt. Schon auf Erden nach den Geset­zen der geisti­gen Welt leben zu dür­fen, das ist Gnade. Paulus schreibt: “Sind wir mit Chris­tus gestor­ben, so lässt uns unser Glaube auch an seinem Leben [als Aufer­standen­er] teil­haben.” (Röm. 6;8 — Emil Bock) Und kurz darauf: “So sollt ihr for­t­an auch von euch selb­st denken: Erlebt euch als gestor­ben, was die Sünde anbe­langt, aber als lebendig durch den Anteil, den ihr durch Jesus Chris­tus habt an Gottes Leben. So soll denn die Sünde in eurem sterblichen Leibe nicht mehr das Herrschende sein; sie soll euch nicht mehr nöti­gen, euren Begier­den zu fol­gen. Stellt eure Glieder nicht mehr der Sünde zur Ver­fü­gung als Werkzeug zur Ver­fälschung des Seins. Stellt euch vielmehr als solche, die durch den Tod zum Leben durchge­drun­gen sind, in den Dienst Gottes, und macht eure Glieder vor ihm zu Werkzeu­gen und Waf­fen des wahren Seins. Nicht mehr sei die Sünde euer Gebi­eter. Ihr ste­ht nicht mehr unter dem Gesetz, son­dern unter der Gnade.” (Röm. 6;11–14 — Emil Bock)

    Zwei Men­schen — Hilde­gard von Bin­gen (1098 — 1179) und Vik­tor Hugo (1802 — 1885) will ich zum Abschluss zu Wort kom­men lässen, wie sie das Wirken des Geistes erlebt haben.

    Sequenz an den Heili­gen Geist

    Alles durch­dringst du,
    die Höhen – die Tiefen
    und jeglichen Abgrund.
    Du bauest und bind­est alles.

    Durch dich träufeln die Wolken,
    regt ihre Schwin­gen die Luft.
    Durch dich birgt Wass­er das harte Gestein,
    sprudeln die Quellen
    und sprosst aus der Erde frisches Grün.

    Du auch führest den Geist.
    Ins Weite dringt deine Botschaft.
    Du webest Weisheit durch ihn
    und mit der Weisheit die Freude.

    (Hilde­gard von Bingen)

    Mit Pfin­g­sten ist also das Leben unter dem Neuen Bund, dem gnade­vollen Gesetz des Geistes ver­bun­den. Hilde­gard von Bin­gen erlebt diesen Geist in der Natur und in der weisheitsvoll weben­den, alles erschaf­fend­en Zeit. Für Vik­tor Hugo liegt die größte Kraft in der Syn­chro­niz­ität von men­schlichem Geist und wirk­samer Zeit. Der ihm zugeschriebene Ausspruch lautet: “Nichts auf der Welt ist so mächtig wie eine Idee, deren Zeit gekom­men ist.” Ich kön­nte auch sagen: nichts auf der Welt ist machtvoller, als die vom Heili­gen Geist inspiri­erte und getra­gene Idee.

    8 H — das Mantra der Pfin­gst-Woche: Das Mantra begin­nt mit ein­er Fest­stel­lung. Erst im zweit­en Teil des Satzes wird deut­lich, dass diese Fest­stel­lung von einem Ich-Sprech­er getrof­fen wird, dass also von Anfang an eine wache, beobach­t­ende Instanz anwe­send ist. Der Ich-Sprech­er stellt fest, dass die Macht der Sinne wächst, dass die Macht der Wahrnehmung über sein Bewusst­sein im Ver­gle­ich zu der des Denkens zunimmt. Diese Macht drückt die innere Aktiv­ität des Denkens, die Kraft des Denkens und damit auch die Bewuss­theit im Denkakt herab. Dadurch wird aus dem wachen Tages­be­wusst­sein ein dumpfes Traum­be­wusst­sein. Dieser Prozess, der dem Ein­schlafen ver­gle­ich­bar ist, ste­ht in geset­zmäßigem Zusam­men­hang mit dem Schaf­fen der Göt­ter, denn die Göt­ter haben mit den Sin­nen einen Bund geschlossen — die Sinne sind ver­bun­den mit dem Schaf­fen der Göt­ter. Der Ich-Sprech­er erken­nt, dass nicht er wirk­sam ist in seinen Sin­nen, son­dern Göt­ter. Durch die Wahrnehmung begeg­net der Men­sch der Außen­welt, der Welt, die nicht er ist. Und hier wirken die Göt­ter. Es sind die Göt­ter, die bes­tim­men, was und wie der Men­sch wahrn­immt. Der Men­sch muss im Wahrnehmungsvor­gang sich zurück­nehmen und eine größere Macht, als er es ist, in sich zur Wirk­samkeit kom­men lassen — die Göt­ter. Rudolf Stein­er sagt, der Men­sch schläft in die Wahrnehmung hinein. Er ver­gisst sich im Wahrnehmungsvor­gang und wird eins mit dem Wahrgenomme­nen. Er ver­schmilzt z.B. mit dem Bild, das ihm das Auge zeigt, wie er auch im Traum Eins ist mit dem Geschehen. Erst wenn der Men­sch den Begriff zur Wahrnehmung hinzufügt, erwacht er zum urteilen­den, abwä­gen­den, dis­tanzierten Tagesbewusstsein.

    Dieser Bewusst­sein­szu­s­tand ist von der göt­tlichen Welt gewollt, denn nur so kann sich ein göt­tlich­es Wesen mit dem Men­schen einen. Solange der Men­sch sel­ber denk­end wach ist und sein Bewusst­sein mit sich selb­st aus­füllt, kann kein göt­tlich­es Wesen darin ein­treten. Das geht nur, wenn das Denken still und beschei­den im Zus­tand des Traumes­seins — im Bilder­be­wusst­sein ver­har­rt. Geist­begeg­nung kann im irdis­chen Bewusst­sein nicht stat­tfind­en, im imag­i­na­tiv­en Bewusst­sein schon.

    Ein psalmar­tiger Gesang, der in Qum­ram von den Essen­ern gesun­gen wurde, preist Adon­ai, “meinen Her­rn” und gibt einen Ein­druck der imag­i­na­tiv­en Gottess­chau, die durch den Gottes­bund möglich ist.

    Ich preise dich, Adonai,

    denn du hast erleuchtet mein Angesicht

    für deinen Bund.

    Ich suche dich,

    und wie die Morgenröte,

    zu vol­lkommen­er Erleuchtung,

    bist du erschienen mir …

    (IQH 4;5ff, Über­set­zung E. Wey­mann in: E. Wey­mann, Zepter und Stern S. 25)

    Da auch das spiegel­nde Mantra 45 t einen Bund erwäh­nt, will ich auf dieses Mantra einen Blick wer­fen und fra­gen, ob in den bei­den Mantren der Alte und der Neue Bund anklingen.

    Im Mantra 45 t gibt es keinen Ich-Sprech­er. Hier heißt es, dass sich die Gedanken­macht fes­tigt im Bunde mit der Geist­ge­burt, wodurch die Sin­nes­reize zu ihrer vollen Klarheit aufge­hellt wer­den. Die Geist­ge­burt wirkt sich aus, sie geschieht nicht. Im weit­eren Ver­lauf geht es um die Seele und was geschehen muss, wenn sie sich mit dem Wel­tenwer­den einen will. Es geht also um Inkar­na­tion, um See­lenge­burt. In diesem Fall muss Sin­nesof­fen­barung das Licht des Denkens emp­fan­gen. Die Geist­ge­burt als das Göt­tliche im Men­schen hat einen Bund geschlossen mit der Gedanken­macht, der men­schlichen Seite. Hier ver­mute ich, dass dieser Bund dem Alten Bund entspricht. Da der Neue Bund von Chris­tus dezi­diert mit dem Wein in Zusam­men­hang gebracht wird, kön­nte der Alte Bund mit dem Brot in Beziehung ste­hen — und zwar mit dem Brot des Lebens. Dieser Aus­druck ist laut Rudolf Stein­er die Beze­ich­nung des Lebens­geistes, des Chris­tus als Schöpfer-Gott. Und das zu erschaf­fende men­schliche Leben ste­ht stets unter dem Gesetz des Kar­mas — unter dem Gesetz des Alten Bundes.

    Im Mantra 8 H ist ein Ich-Sprech­er anwe­send. Seine stille Präsenz beschreibt die Bedin­gun­gen, die gegeben sein müssen, wenn ein Gott, ein göt­tlich­es Wesen, sich der eige­nen Seele einen will. Frei­willig, gnade­voll, kann diese Vere­ini­gung geschehen, so Gott will. Und wenn dies geschieht, vol­lzieht sich der Neue Bund.

    7 G — die Vor­bere­itung: Das Mantra 7 G ist ein Krisen­spruch und markiert einen Umschwung. Der Ich-Sprech­er bemerkt, dass sein Selb­st zu ent­fliehen dro­ht, denn es wird vom Wel­tenlicht mächtig ange­so­gen. Grund­lage dieses Prob­lems ist offen­sichtlich das Denken, das sich selb­st zu ver­lieren dro­ht durch den Sin­ness­chein. Die Sinneswelt kann vom irdis­chen Denken nicht mehr durch­schaut wer­den, die hin­ter ihr ste­hen­den geisti­gen Kräfte nicht mehr erkan­nt wer­den. Das Denken ver­fängt sich in der Maya, im Schleier der sinnlichen Trug­welt. Hier ist keine geistige Wahrheit zu find­en, wenn die Sinneswelt für die Real­ität genom­men wird und nicht als Offen­barung, als Bild für das hin­ter ihr ste­hende Geistige. Diese imag­i­na­tive Grund­lage der Erken­nt­nis braucht der Men­sch, wenn er in der geisti­gen Welt bewusst bleiben, ein Selb­st bleiben will. Und nur als selb­st­be­wusstes Selb­st kann er dann anderen geisti­gen Wesen begeg­nen. Sein Selb­st ent­flieht, wenn sein Denken nicht gel­ernt hat aus der Vielzahl der Ein­drücke den einen­den Sinn, die geistige Idee, das “Selb­st” des Wahrgenomme­nen zu erken­nen. Doch das geistig Wesen­hafte ist dem Denken nicht direkt zugänglich. Zum Denken muss die Ahnung hinzutreten. Durch die geah­nte Wesens­begeg­nung löst sich aus der äußeren Wahrnehmung das imag­i­na­tive Bild, dass den einen­den Sinn, die geistige Idee ausdrückt.

    Rudolf Stein­er spricht hier zwar nicht von Ahnung, son­dern von Ver­muten, doch scheint es mir um die gle­iche seel­is­che Aktiv­ität zu gehen: „Wer triv­ial denkt – und die heutige Welt ist nur allzu geneigt, triv­ial zu denken -, der wird uns leicht der Schwärmerei und Unklarheit bezichti­gen. Aber wir Theosophen wis­sen, was die drei Worte bedeuten, die in den ersten Jahrhun­derten des Chris­ten­tums, in welchen das Chris­ten­tum noch zu den tief­sten Reli­gio­nen der Welt gehörte, häu­fig genan­nt wur­den: Wahrnehmen, Denken, Ver­muten. – Diese drei Worte wur­den nebeneinan­der genan­nt. Dass das Ver­muten neben dem Wahrnehmen und Denken genan­nt wurde, das zeigt uns, dass die Men­schen in Bezug auf die Erken­nt­nis nicht so unbeschei­den waren wie heute. Ja, unbeschei­den sind heute die Men­schen in Bezug auf die Erken­nt­nis, unbeschei­den deshalb, weil sie ablehnend sind gegenüber allem, was ihre Sinne und ihr Ver­stand nicht begreifen. (Beispiel der begren­zten Sch­neck­en-Erken­nt­nis) … Was mein Ver­stand nicht wahrnehmen und nicht begreifen kann, das gibt es nicht in dieser Welt. – Zwei Dinge, Wahrnehmen und Denken, sind es, die uns in der Welt Schön­heit, Größe und Zahl ver­mit­teln. Aber es gibt noch ein drittes, das uns immer beschei­den sein lässt, das uns strebend sein lässt, das uns immer tiefer hine­in­führt in die Welt: das ist das Ver­muten, das Ver­muten, das es noch etwas geben kön­nte als das, was wir wis­sen. [er stellt einen Bezug zur begren­zten Wahrnehmung ein­er Sch­necke her] … Deshalb hat man dem Wahrnehmen und dem Denken das Ver­muten hinzuge­fügt, das Ver­muten, dass, wenn wir uns weit­er­en­twick­eln, uns höhere Sin­nesor­gane aufge­hen wer­den, die uns das auf­schließen, was uns für gewöhn­lich ver­schlossen ist in der Welt. So unter­schei­det sich die Gesin­nung des Theosophen von der des gewöhn­lichen Wis­senschaftlers dadurch, dass er sich entwick­eln will, dass er ehrlich und rechtschaf­fen an die Entwick­lung sein­er Fähigkeit­en glaubt und sich bemüht, an sich selb­st zu arbeit­en. … an sich zu arbeit­en, damit uns höhere Organe aufge­hen, damit wir in die Lage kom­men, in dem, was uns umgibt, Bedeu­tungsvolles, Wichtiges wahrzunehmen. Das muss immer mehr und mehr abendländis­che Gesin­nung wer­den, wenn die abendländis­che Men­schheit nicht ganz in der mate­ri­al­is­tis­chen Strö­mung aufge­hen will. Wenn diese theosophis­che Gesin­nung sich immer mehr und mehr ver­bre­it­et, dann wird man ein­se­hen, dass alles das­jenige, was äußere physis­che Tat­sachen und Erschei­n­un­gen sind, die Fol­gen, die Wirkun­gen tiefer­liegen­der Ursachen sind, die in der astralen Welt oder in noch höheren Wel­ten liegen. Gewöhn­lich ist die abendländis­che Wis­senschaft damit zufrieden, den Kör­p­er in allen seinen Bestandteilen zu erforschen. Aber die theosophis­che Gesin­nung fragt: Hat dieser Kör­p­er sich selb­st zusam­menge­fügt? Wo kön­nte der Grund dafür sein? Kön­nen wir glauben, dass die Kräfte draußen in der Natur das Bedürf­nis fühlen, sich zum Men­schen zusam­men­zufü­gen? Nein. Wer in der höheren Welt zu sehen ver­mag, der weiß, dass der Men­sch, bevor er im physis­chen Organ­is­mus lebt, vor sein­er Geburt in einem astralen Dasein lebte. So wahr wir vor unserem physis­chen Dasein, vor unser­er Geburt, ein astrales Dasein hat­ten, so wahr haben wir ein astrales Dasein auch nach unser­er Geburt, und dieses reicht weit­er als unser physis­ch­er Kör­p­er“ (GA 88, 28.10.1903).

    Der Ich-Sprech­er ruft also sein Ahnen auf, damit es als die dritte Kraft zur Wahrnehmung der Sinneswelt und zum Denken hinzutritt. Damit bere­it­et er sich vor, in der Traumes Dumpfheitauf, die im Mantra 8 H auftritt, trotz­dem als bewusstes Selb­st, als Ich-Sprech­er, anwe­send sein zu kön­nen. Denn nur dann kann er die gnade­volle Vere­ini­gung des Gottes mit sein­er Seele wach bezeugen.

    9 I (großes i) — die Vol­len­dung: Das Mantra 9 I ist das Mantra der Fron­le­ich­nams-Woche, des let­zten christlichen Festes, dessen Datum vari­abel ist, weil es durch den Abstand zum ver­gan­genen Oster­fest definiert ist. Deshalb endet mit der Woche 9 I die Oster­scholle, die an das vari­abel Oster­da­tum gebun­dene Zeit im Jahr. Wie eine Mond­sichel liegt sie im Jahreskreis und kann mal mehr in das Som­mer-Hal­b­jahr schwin­gen, mal mehr in das Win­ter-Hal­b­jahr. Es ist eine Zeitspanne (von zweimal 9 Wochen, da der Oster­im­puls sich eben­so lange vor­bere­it­et, wie er nach­wirkt) die sozusagen ein Eigen­leben entwick­elt im Ver­hält­nis zur Herrschaft der Sonne, die sich im Datum aus­drückt. Nur sel­ten muss an dieser Stelle im Jahr nicht angepasst wer­den, die Mantren also gedehnt oder ges­taucht wer­den, damit das Johannie‑, Michaeli- und Wei­he-Nachts-Mantra auch mit den Wochen zusam­men­fall­en, in denen die entsprechen­den Feste ihrem Datum gemäß stat­tfind­en. Es ist ein Schritt, der von der Woche 9 I zur Woche 10 K vol­l­zo­gen wer­den muss und von der “Mon­den­zeit” in die “Son­nen­zeit” des Jahres führt. Auch wenn dieser Schritt im gewöhn­lichen Bewusst­sein ver­schlafen wird, weil es so aussieht, als ob ein­fach eine weit­ere Woche begin­nt, bedeutet er einen gewalti­gen Umschwung. Der “Herrschafts­bere­ich” des Mon­des wird ver­lassen und das “Reich der Sonne” wird betreten. Dies entspricht nach mein­er Erken­nt­nis dem Über­gang vom Leben im physis­chen Kör­p­er zum Leben nach dem Tode in der Geist­welt. Das Mantra 9 I schildert die Innen­sicht des Ster­be­prozess­es. Dieses Lebens­ge­fühl des Ungewis­sen, das jet­zt kommt, ist dem Mantra anzumerken.

    Wie in den vorherge­hen­den bei­den Mantren gibt es auch hier einen Ich-Sprech­er, eine bewusste Instanz, die wahrn­immt, was geschieht. Der Ich-Sprech­er schildert im Mantra 9 I zunächst die Sit­u­a­tion, dann teilt er mit, was das Geistess­chauen ihm gebi­etet und die Ahnung ihm kündet.

    Der Ich-Sprech­er nimmt wahr, dass ein Verän­derung­sprozess stat­tfind­et. Die Wil­len­seigen­heit ist im Begriff, von ihm vergessen zu wer­den. Die Bedin­gun­gen seines Lebens verän­dern sich ger­ade in der Weise, dass die Wil­len­seigen­heit unwichtig wird. Sie ist dabei vergessen zu wer­den. Das Erleben, ein Eigen­we­sen zu sein mit eigen­er Leben­skraft und deshalb auch mit dem Willen, dieses Leben zu bewahren, es unbe­d­ingt zu wollen — also ein Eigen­we­sen mit Lebenswille zu sein — dieses Erleben verdäm­mert ger­ade im Bewusst­sein. Der Kampf ums Über­leben wird aufgegeben, die Wil­len­seigen­heit vergessen — denn der Kör­p­er stirbt. Gle­ichzeit­ig erfüllt den Geist und das See­len­we­sen des Ich-Sprech­ers Wel­tenwärme. Diese Aus­sage bestätigt die Annahme, dass hier der Tod beschrieben wird, denn es ist nur vom Geist und See­len­we­sen die Rede, nicht von einem Kör­p­er, der ja die Drei­heit von Kör­p­er, Seele, Geist erst kom­plett macht. Und auch die Wel­tenwärme, die den Geist und das See­len­we­sen erfüllt, ist keine indi­vidu­elle Eigen­wärme, son­dern etwas Umfassendes, All­ge­meines. Die Wel­tenwärme kün­det dem Ich-Sprech­er vom Som­mer. Die Wel­tenwärme kün­det von ein­er kom­menden Zeit, in der der Geist und das See­len­we­sen sich ganz dem Som­mer, der Wahrnehmung hingeben wer­den. Das bedeutet, ganz Eins zu wer­den mit der Welt, die in diesem Falle eine geistige ist. Deshalb gebi­etet das Geistess­chauen dem Ich-Sprech­er, sich wahrnehmend im Licht zu ver­lieren, mit dem Licht zu ver­schmelzen. Und nun kündigt sich noch ein weit­er­er Schritt an. Die Ahnung kün­det dem Ich-Sprech­er, auch den let­zten Rest der alten Iden­tität aufzugeben. Die Ahnung kün­det kraftvoll. Sie ist keine zarte Stimme, die leicht über­hört wer­den kann. In dieser Sit­u­a­tion spricht sie kraftvoll und gibt dem Ich-Sprech­er den Auf­trag, sich zu ver­lieren, um sich (neu) zu find­en. Wie der Vogel Phönix soll er sich ins Feuer stürzen, sich von Wel­tenwärme durch­drin­gen lassen und Eins wer­den mit dem Licht, um in Zukun­ft neu daraus her­vorzuge­hen, sich erst wirk­lich zu finden.

    Im Mantra 7 G musste die Gefahr des Selb­stver­lustes abgewen­det wer­den, im Mantra 9 I muss der Ich-Sprech­er sich selb­st ver­lieren, um sich zu find­en. Dazwis­chen ste­ht das Pfin­gst­mantra 8 H und macht die voll­ständi­ge Trans­for­ma­tion von 9 I erst möglich durch die gnade­volle Vere­ini­gung des göt­tlichen Wesens mit der Seele. Um diesen Gott in der Seele zu find­en, muss der Ich-Sprech­er ver­lieren, was er vorher als Men­sch war. Oder anders gesagt, erst der Neue Bund ermöglicht es dem Men­schen, nach dem Tod ver­bun­den zu sein mit den höheren Leben­skräften, den Auferstehungskräften.

    Diese drei Mantren beschreiben einen Prozess, einen Weg, der sich auch durch die drei Zeitqual­itäten in den Mantren zeigt. Im Mantra 7 G wird der Ich-Sprech­er mit der Gefahr des saugen­den Wel­tenlicht­es kon­fron­tiert. Diese Gefahr hat sich in der davor­liegen­den Zeit aufge­baut. Im Mantra 9 I wird eine Anweisung für die Zukun­ft gegeben. Das Pfin­gst­mantra 8 H ist dage­gen ganz aus dem Gegen­warts-Erleben geschrieben.

    Den Neuen Bund erlebe ich mit der lin­earen Zeit ver­bun­den. Die Spitze des Zeit­strahls, die Gegen­wart, bein­hal­tet in jedem Moment die Möglichkeit, dass sich durch den von der Zukun­ft aus­ge­hen­den Zeit­strom das göt­tliche Wesen mit der Seele vere­inigt. Von Bud­dha ist fol­gen­der Ausspruch über­liefert: “Der Weg liegt nicht im Him­mel. Der Weg liegt im Herzen.” Die äußere Zeit ver­ste­he ich als Weg im Him­mel, doch die Zeit, die den Men­schen bet­rifft, ist die im Herzen erlebte.  Deshalb liegt der Weg im Herzen. Und das Herz ste­ht immer an dieser Gren­ze von Sein und Wer­den. Hier an dieser Spitze des Zeit­strahls muss sich das Selb­st hal­ten kön­nen. Es darf sich nicht vor­eilig von der Spitze in die noch nicht anwe­sende Zukun­ft stürzen — entsprechend wie Chris­tus auf der Tem­pelzinne ste­hend dem Ver­such­er wider­ste­hen musste. Die Welt des zukün­fti­gen Seins ist die Geist­welt, der Son­nen­bere­ich. Bevor sie betreten wer­den kann, ist eine voll­ständi­ge Trans­for­ma­tion notwendig, wie sie das Mantra 9 I schildert.