Der Zeit-Impuls des Mantras 13 M ergießt sich dreifach

Ver­gan­gen­heit-Vor­bere­itung Gegen­wart-Geist-Impuls Zukun­ft-Vol­len­dung
12 !

Der Wel­ten Schönheitsglanz

Er zwinget mich aus Seelentiefen

Des Eigen­lebens Götterkräfte

Zum Wel­tenfluge zu entbinden;

Mich sel­ber zu verlassen,

Ver­trauend nur mich suchend

In Wel­tenlicht und Wel­tenwärme.

13 M

Und bin ich in den Sinneshöhen,

So flammt in meinen See­lentiefen

Aus Geistes Feuerwel­ten

Der Göt­ter Wahrheitswort:

In Geis­tes­grün­den suche ahnend

Dich geistver­wandt zu finden.

14 N

An Sin­nesof­fen­barung hingegeben

Ver­lor ich Eigen­we­sens Trieb,

Gedanken­traum, er schien

Betäubend mir das Selb­st zu rauben,

Doch weck­end nahet schon

Im Sin­nen­schein mir Wel­tendenken.

Der Zeitim­puls von 13 M: Sinne und Sinn – Har­monie der Widersacher

vor­bere­it­et durch die luz­iferisch zwin­gende Wirk­samkeit des Wel­ten Schön­heits­glanzes — der Wahrnehmung (12 !)

vol­len­det durch die Über­win­dung der ahri­man­is­chen Betäubung durch das weck­ende Wel­tendenken (14 N)

Was sind die Sinneshöhen?

Rudolf Stein­er ver­wen­dete “Sin­neshöhen” auss­chließlich im Wochen­spruch 13 M, wed­er in seinen Schriften noch Vorträ­gen kommt dieses Wort vor. Dadurch ist schw­er zu sagen, was er darunter ver­stand — an welchem geisti­gen Ort sich also der Ich-Sprech­er des Mantras 13 M befindet.

Mir scheint, dass Rudolf Stein­er den fol­gen­den Text sozusagen aus der Per­spek­tive der Sin­neshöhen schrieb. Marie Stein­er veröf­fentlichte ihn unter der Über­schrift: CREDO — DER EINZELNE UND DAS ALL (um 1886). Er war zu dieser Zeit also etwa 25 Jahre alt.

“Die Ideen­welt ist der Urquell und das Prinzip alles Seins. In ihr ist unendliche Har­monie und selige Ruhe. Das Sein, das sie mit ihrem Lichte nicht beleuchtete, wäre ein totes, wesen­los­es, das keinen Teil hätte an dem Leben des Welt­ganzen. Nur, was sein Dasein von der Idee her­leit­et, das bedeutet etwas am Schöp­fungs­baume des Uni­ver­sums. Die Idee ist der in sich klare, in sich selb­st und mit sich selb­st sich genü­gende Geist. Das Einzelne muss den Geist in sich haben, son­st fällt es ab, wie ein dür­res Blatt von jen­em Baume, und war umson­st da.

Der Men­sch aber fühlt und erken­nt als Einzelnes sich, wenn er zu seinem vollen Bewusst­sein erwacht. Dabei aber hat er die Sehn­sucht nach der Idee eingepflanzt. Diese Sehn­sucht treibt ihn an, die Einzel­heit zu über­winden und den Geist in sich aufleben zu lassen, dem Geiste gemäß zu sein. Alles, was selb­stisch ist, was ihn zu diesem bes­timmten, einzel­nen Wesen macht, das muss der Men­sch in sich aufheben, bei sich abstreifen, denn dieses ist es, was das Licht des Geistes ver­dunkelt. Was aus der Sinnlichkeit, aus Trieb, Begierde, Lei­den­schaft her­vorge­ht, das will nur dieses ego­is­tis­che Indi­vidu­um. Daher muss der Men­sch dieses selb­stis­che Wollen in sich abtöten, er muss stattdessen, was er als Einzel­ner will, das wollen, was der Geist, die Idee in ihm will. Lasse die Einzel­heit dahin­fahren und folge der Stimme der Idee in Dir, denn sie nur ist das Göt­tliche! Was man als Einzel­ner will, das ist am Umfange des Welt­ganzen ein wert­los­er, im Strom der Zeit ver­schwinden­der Punkt; was man «im Geiste» will, das ist im Zen­trum, denn es lebt in uns das Zen­tral­licht des Uni­ver­sums auf; eine solche Tat unter­liegt nicht der Zeit. Han­delt man als Einzel­ner, dann schließt man sich aus der geschlosse­nen Kette des Weltwirkens aus, man son­dert sich ab. Han­delt man «im Geiste», dann lebt man sich hinein in das all­ge­meine Weltwirken. Ertö­tung aller Selb­s­theit, das ist die Grund­lage für das höhere Leben. Denn wer die Selb­s­theit abtötet, der lebt ein ewiges Sein. Wir sind in dem Maße unsterblich, in welchem Maße wir in uns die Selb­s­theit erster­ben lassen. Das an uns Sterbliche ist die Selb­s­theit. Dies ist der wahre Sinn des Ausspruch­es: «wer nicht stirbt, bevor er stirbt, der verdirbt, wenn er stirbt». Das heißt, wer nicht die Selb­s­theit in sich aufhören lässt während der Zeit seines Lebens, der hat keinen Teil an dem all­ge­meinen Leben, das unsterblich ist, der ist nie dagewe­sen, hat kein wahrhaftes Sein gehabt.

Es gibt vier Sphären men­schlich­er Tätigkeit, in denen der Men­sch sich voll hin­gibt an den Geist mit Ertö­tung alles Eigen­lebens: die Erken­nt­nis, die Kun­st, die Reli­gion und die liebevolle Hingabe an eine Per­sön­lichkeit im Geiste. Wer nicht wenig­stens in ein­er dieser vier Sphären lebt, lebt über­haupt nicht. Erken­nt­nis ist Hingabe an das Uni­ver­sum in Gedanken, Kun­st in der Anschau­ung, Reli­gion im Gemüte, Liebe mit der Summe aller Geis­teskräfte an etwas, was uns als ein für uns schätzenswertes Wesen des Welt­ganzen erscheint. Erken­nt­nis ist die geistig­ste, Liebe die schön­ste Form selb­st­los­er Hingabe. Denn Liebe ist ein wahrhaftes Him­mel­slicht in dem Leben der Alltäglichkeit. Fromme, wahrhaft geistige Liebe vere­delt unser Sein bis in seine inner­ste Fas­er, sie erhöht alles, was in uns lebt. Diese reine fromme Liebe ver­wan­delt das ganze See­len­leben in ein anderes, das zum Welt­geiste Ver­wandtschaft hat. In diesem höch­sten Sinne lieben, heißt den Hauch des Gotteslebens dahin tra­gen, wo zumeist nur der ver­ab­scheuungswürdig­ste Ego­is­mus und die achtungslose Lei­den­schaft zu find­en ist. Man muss etwas wis­sen von der Heiligkeit der Liebe, dann erst kann man von Fromm­sein sprechen.

Hat der Men­sch sich durch eine der vier Sphären hin­durch, aus der Einzel­heit her­aus, in das göt­tliche Leben der Idee ein­gelebt, dann hat er das erre­icht, wozu der Strebenskeim in sein­er Brust liegt: seine Vere­ini­gung mit dem Geiste; und dies ist seine wahre Bes­tim­mung. Wer aber im Geiste lebt, lebt frei. Denn er hat sich alles Unter­ge­ord­neten entwun­den. Nichts bezwingt ihn, als wovon er gerne den Zwang erlei­det, denn er hat es als das Höch­ste erkannt.

Lasse die Wahrheit zum Leben wer­den; ver­liere Dich selb­st, um Dich im Welt­geiste wiederzufind­en!” (GA 40 S. 15ff)

Rudolf Stein­er denkt und scheibt hier ganz aus dem, was er später die Sphäre der oberen Göt­ter, die Göt­ter des Zeus-Kreis­es genan­nt hat, die in Luft und Licht leben. Von diesen unter­schei­det man die unteren, die chon­tis­chen Göt­ter der Erdentiefen.

13 M — das Mantra der Woche: Mit dem Mantra 13 M schließt das erste Quar­tal des See­lenkalen­ders, dessen Darstel­lung ich mir hier mit dem Som­mer-Hal­b­jahr oben, dem Win­ter-Hal­b­jahr unten vorstelle. Die Kreis­bahn, die seit dem Mantra 40 o auf­steigend ver­lief, hat ihr Ziel erre­icht, denn mit dem fol­gen­den Mantra 14 N begin­nt das zweite Quar­tal und die Kreis­bahn fällt wieder. Die Mantren 13 M und 14 N ste­hen also ganz oben, am oberen Scheit­elpunkt dieses Kreis­es. Höher hin­auf geht es nach dem Mantra 13 M nicht. Und im Aus­blick vom Mantra 14 N öffnet sich die tief­ste Tiefe.

Zwis­chen den bei­den Mantren 13 M und 14 N liegt die Gren­ze, die den Jahreskreis in eine rechte und eine linke Hälfte teilt. Diese Hälften nenne ich die Erd- und die Geistsphäre.

Zwei Drachen umschließen einen Kopf, dem das Leben zweifach entströmt — im See­lenkalen­der-Jahreskreis geteilt in Erd- und Geistsphäre

Säu­lenkapitell, Domkapelle zu Goslar, Ende 12. Jhd.

An der soge­nan­nten Hart­mannssäule der Domkapelle zu Goslar find­et sich eine Kapitell-Darstel­lung aus dem 12. Jahrhun­dert, die keltische Ein­flüsse ver­muten lässt. Hier ist ein Kopf mit geschlosse­nen Augen und geöffnetem Mund zu sehen, aus dem zwei Lebensströme fließen. Auf oder am Kopf sitzen zwei Drachen, die mit diesen Lebensströ­men in Beziehung ste­hen. Der linke Drache hat ein geöffnetes Maul, er “spricht”, und sein Auge ist geschlossen. Der rechte Drache hat ein geschlossenes Maul und sein Auge ist geöffnet, er sieht. Zeigen sich in dieser Darstel­lung vielle­icht die ent­ge­genge­set­zten Qual­itäten der Jahreskreis-Sphären, die dem Mit­telpunkt — dem Kopf — entströ­men und von den Drachen verkör­pert wer­den? Zur auf­steigen­den Jahreshälfte gehört die Kraft, die alles ins Dasein bringt, die alles aus dem “Wort” des Drachen erschafft. Zur absteigen­den Jahreshälfte gehört die Kraft, die alles reifen und verge­hen lässt — zu geistigem Licht und Bewusst­sein trans­formiert. Die Hälse der Drachen sind ver­schlun­gen, wie um zu sagen, dass in der höch­sten Höhe bei­de Kräfte sich vere­inen. Tat­säch­lich spricht das Wahrheitswort im Mantra 13 M und im Mantra 14 N geht es um Sin­nesof­fen­barung und Wel­tendenken — um geistiges Schauen.

Das Mantra 13 M begin­nt mit “Und”, als ob ein erstes Satzglied ver­loren gegan­gen wäre. Dadurch entste­ht für die Sin­neshöhen der Ein­druck, dass sie nur durch einen lan­gen Auf­stieg mit viel Mühe erk­lom­men wer­den kön­nen. Diese Anstren­gung hat der Ich-Sprech­er bere­its auf sich genom­men und ist nun ange­langt auf dieser Höhe. Doch was sind die Sin­neshöhen? Wann ist Wahrnehmung so mehrfach gesteigert, dass sie Sin­nen­shöhen genan­nt wer­den kann? Welche Wahrnehmungs­gipfel kön­nten gemeint sein? Ich denke an drei Gipfel, drei Wahrnehmungsarten, die sich sozusagen über das Nebelmeer der auf das Physisch-Sinnliche beschränk­ten Wahrnehmung erheben: die Imag­i­na­tion, Inspi­ra­tion und Intu­ition. Rudolf Stein­er sagt: „Der Men­sch gelangt zu ein­er Weisheit, durch die der Geist zunächst die Schein­haftigkeit des sinnlichen Lebens durch­schaut.“ (GA 8, S. 29, Her­vorhe­bung A.F.). Dem Denken auf dieser Höhe muss die Klarheit der Berg­welt zu eigen sein. Rudolf Stein­er beschreibt: „Diese Tätigkeit ist zugle­ich ein Denken, aber ein solch­es, das nicht in abstrak­ten Begrif­f­en die sinnliche Anschau­ung begleit­et, son­dern das selb­st sich steigert bis zur Anschaulichkeit, die im gewöhn­lichen Leben nur in Sin­nes­bildern lebt.“ (GA 35, S. 107)

Wenn der Ich-Sprech­er sich also in diesen Geis­teszu­s­tand erhoben hat, wenn er in den Sin­neshöhen weilt — was innere Vor­bere­itung erfordert — so begin­nt nicht das geistige Forschen, son­dern eine mah­nende Stimme ertönt zunächst in den eige­nen See­len­tiefen. Diese Stimme stammt nicht aus der eige­nen Seele, doch sie flammt hier auf. Sie stammt aus den Feuer­wel­ten des Geistes und mah­nt. Was sind die geisti­gen Feuer­wel­ten? Rudolf Stein­er beschreibt die kün­ftige Inkar­na­tion der Erde, den neuen Jupiter als eine feurige Welt. “Unseren Plan­eten, die Erde, nen­nen wir den Kos­mos der Liebe, und den näch­st­fol­gen­den, den Jupiter, den Kos­mos des Feuers. In dem vor­ange­gan­genen plan­e­tarischen Zus­tand, dem Mon­den­zu­s­tand, haben wir den Kos­mos der Weisheit zu sehen.” (GA 89, S. 196, Her­vorhe­bung A.F.) Und weit­er sagt er, dass der Men­sch auf dem neuen Jupiter “die Auf­gabe haben [wird], das Man­as-Ele­ment [Geist­selb­st] auf die Ebene von Bud­hi [Lebens­geist] her­auf zu läutern. Alle diese gere­inigten Kar­mage­füh­le wer­den dann zusam­men­fließen zu ein­er einzi­gen Macht, die zus­treben wird dem Urgeist, der unseren Plan­eten durch­strömt und durch­flutet [dem Chris­tus, bzw. dem Geist der Liebe, A.F.]. Alles, was der heutige Men­sch fühlt, wird im näch­sten Zus­tand in geläutert­er Form wie Flam­men zusam­men­strö­men, und diese vie­len einzel­nen Flam­men wer­den sich verbinden zu einem Gesamt­feuer. Und so nen­nt man diesen Plan­eten den Kos­mos des Feuers, der gebildet wird aus den geläuterten Gefühlen der men­schlichen Herzen, indem sie har­monisch ineinan­derklin­gen.” (GA 89, S. 197)

Sich geistver­wandt zu find­en, wie die Göt­ter mit ihrem Wahrheitswort fordern, bedeutet also, sich dem Geist der Liebe entsprechend selb­st als Feuer, als geläuterte, leuch­t­ende und wär­mende Flamme zu finden.

Sind die Göt­ter, die hier ihr Wahrheitswort sprechen Erzen­gel? Diese nen­nt Rudolf Stein­er Feuergeis­ter. Und er sagt: “So wie nun der Men­sch durch seine Sin­nesempfind­ung auf Far­ben schaut, Töne hört, so schaut der Erzen­gel herunter auf die Welt, die das Ich als objek­tive Wahrheit umschließt, nur dass sich um dieses Ich noch etwas herum­grup­piert von jen­em Teile des Astralis­chen, das wir Men­schen in uns als Ver­standes- oder Gemütsseele ken­nen. Denken Sie sich diese Wesen­heit­en in eine Welt schauend, die nicht das Min­er­alis­che, Pflan­zliche und Tierische erre­icht. Denken Sie, dass dafür der Blick, der ein geistiger ist, auf ihr Welt­bild hin­gerichtet ist und dass sie da Mit­telpunk­te wahrnehmen. Diese Mit­telpunk­te sind die men­schlichen Iche, um die sich wieder etwas grup­piert, das wie eine Art Aura aussieht. Da haben Sie das Bild, wie das Erzen­gel­we­sen auf die Völk­er­per­sön­lichkeit­en, die zu dem Erzen­gel gehören, die das Volk aus­machen, herun­ter­sieht. Seine Welt beste­ht aus einem astralis­chen Wahrnehmungs­felde, in dem gewisse Zen­tren darin sind. Diese Zen­tren, diese Mit­telpunk­te sind die einzel­nen men­schlichen Per­sön­lichkeit­en, sind die einzel­nen men­schlichen Iche. Also ger­ade so, wie für uns Far­ben und Töne, Wärme und Kälte im Wahrnehmungs­felde liegen und für uns die bedeut­same Welt sind, so sind für die Erzen­gel­we­sen, für die Volks­geis­ter wir selb­st mit einem Teil unseres Innen­lebens das Wahrnehmungs­feld, und wie wir in die Außen­welt hineinge­hen und diese bear­beit­en und umgestal­ten zu Instru­menten, so sind wir diejeni­gen Objek­te — insofern wir zu diesem oder jen­em Volks­geist gehören -, welche zu dem Arbeits­felde der Erzen­gel oder Volks­geis­ter gehören.” (GA 346, S. 57ff)

Die Göt­ter, die Feuergeis­ter oder Erzen­gel ste­hen im Mantra 13 M vor der Schwelle zur geisti­gen Welt — denn das Mantra 14 N kann als diese Schwelle beze­ich­net werden.

12 ! — die Vor­bere­itung: Das Mantra 12 ! weist keinen Buch­staben auf. (Das Aus­rufeze­ichen habe ich ihm hinzuge­fügt, um zu verdeut­lichen, dass der Buch­stabe nicht vergessen wurde). Durch seine Über­schrift “Johannes-Stim­mung” ist es der Johan­ni-Woche zuge­hörig, der Woche, in der der 24. Juni liegt, der Gedenk-Tag des Geburts­festes Johannes des Täufers.

In der rus­sis­chen Kun­st gibt es neben den bekan­nten Darstel­lun­gen der Taufe Jesu im Fluss Jor­dan zwei weit­ere Iko­nen-Typen, die Johannes den Täufer zeigen. Das sind zum einen die Sophien-Ikone (siehe), zum anderen manche Lamm-Gottes-Iko­nen. Diese bei­den Iko­nen­typen umgeben das jew­eilige zen­trale Motiv mit Maria, der Mut­ter Jesu, und Johannes dem Täufer bzw. mit himm­lis­chen Wesen. Das Lamm-Gottes wird jedoch nicht als Lamm dargestellt, son­dern als ein klein­er, nack­ter Jesus, der in einem Kelch liegt. Über dem Kelch schwebt meist die Taube des Heili­gen Geistes. Dieser Bil­dauf­bau wurde häu­figer gestickt als gemalt. Er find­et sich auf das Tuch, das die Eucharistie-Sub­stanzen für den Oster­gottes­di­enst bedeckt. Die unten abge­bildete Ikone ist durch weit­ere Bildele­mente ergänzt.

Lamm-Gottes-Ikone, Rus­s­land 19. Jahrhundert

Sowohl Maria als auch Johannes sind als Geist­we­sen mit Engels­flügeln dargestellt. Ver­ste­he ich sie als Aus­druck der Hal­b­jahre, so kann die Oster­scholle als der Kelch betra­chtet wer­den. Der über der Oster­scholle liegende Mit­telpunkt des Jahreskreis­es erscheint so als Jesus im Kelch — als das sich ver­strahlende, sich opfer­nde Zen­trum, als die geistige Sonne. Rudolf Stein­er sagt: “Das Chris­tus-Prinzip, auch Bud­hi oder Chrestos genan­nt, ist die von geistiger Son­neng­lut durch­strömte Liebe, die Gedanken zu Kräften macht.” (GA 68a, S. 135f) Damit diese Kraft, die Rudolf Stein­er auch als Gnade beze­ich­net, in den Men­schen ein­strö­men kann, muss der Men­sch zunächst ein Gefäß bilden. Dieses Gefäß ist Man­as, das Geist­selb­st, der gere­inigte Astralleib. Maria und Johannes der Täufer ste­hen hier als die weib­lich und männlich dif­feren­zierten Vertreter dieses Geist­selb­st — als das Zusam­men­spiel in der Seele von Wahrnehmung und Denken. Und auch die drei Ebe­nen bzw. See­len­fähigkeit­en, die zur Darstel­lung des Jahres­laufs als Ei — als See­len­raum — gehören, sind zu erken­nen durch Vertreter der höch­sten Engel­hier­ar­chie. Unter dem Kelch ist das Sym­bol der Throne, der Geis­ter des Wil­lens zu sehen, die geflügel­ten Räder. Hin­ter Maria und Johannes dem Täufer ist jew­eils ein rötlich­es Engel­we­sen, ein Ser­aph, dargestellt. Dies sind die Geis­ter der All-Liebe, also der höch­sten Stufe des Füh­lens. Ganz oben, rechts und links neben der Taube des Heili­gen Geistes sind zwei men­schliche Engel zu sehen. Sie kön­nten dort die Cheru­bim vertreten, deren Sym­bole außen im Vier­geti­er dargestellt sind, die Geis­ter der Har­monien. Rudolf Stein­er ver­gle­icht sie ein­mal mit sehr weisen alten Männern.

Weit­ere Darstel­lun­gen dieses Iko­nen­typs zeigen, dass die Aus­rich­tung des Jesus im Kelch sowohl in der einen, als auch in der anderen Rich­tung als zutr­e­f­fend emp­fun­den wurde.

Lamm Gottes Iko­nen, üblich vom 16. bis 19. Jahrhundert

Der Bild­typ zeigt damit den gere­inigten, zum Kelch, zu Man­as gewor­de­nen See­len­raum, der bere­it ist Bud­hi, den Lebens­geist, den Chris­tus aufzunehmen. Rudolf Stein­er sagt: “Zwei Dinge … mussten zusam­menkom­men, um Bud­hi wirk­lich wirk­end wer­den zu lassen: erstens, die Men­schen mussten als Träger der bish­eri­gen Entwick­lung nun ein aus Man­as gebildetes Organ für Bud­hi haben. Sie mussten durstig sein nach Bud­hi, durstig, über den Ver­stand hin­auszukom­men. Gehir­nen­twick­elung endet ohne Zusam­men­hang mit den höheren Gliedern immer in ein­er Sack­gasse, sie kommt über man­a­sis­che Entwick­lung, über astrale Dinge nicht hin­aus.” (GA 94, S. 249f)

Das Mantra 12 ! kann so gele­sen wer­den, dass es lehrt, wie der Men­sch über Man­as, seinen Ver­stand, hin­auskommt. Er muss ler­nen zu fliegen, denn der Ver­stand ver­sucht beständig, sich an die irdis­che Wahrnehmung zu klam­mern. Zu diesem Wel­tenflug zwingt ihn der Wel­ten Schönheitsglanz.

Glanz ist abstrahlen­des, reflek­tiertes Licht. Rudolf Stein­er spricht z.B. vom Glanz der Far­ben als Aus­druck für Geistiges: „Wir kom­men dazu, die drei Glanz­far­ben so zu empfind­en, dass wir das Rot als den Glanz des Lebendi­gen, das Blau als den Glanz des Seel­is­chen und das Gelb als den Glanz des Geisti­gen empfind­en.“ (GA276/8) In einem Entwurf zum drit­ten Mys­te­rien­dra­ma charak­ter­isiert Rudolf Stein­er mit dem Schön­heits­glanz Luz­ifer. Thoma­sius spricht Luz­ifer mit fol­gen­den Worten an, ohne ihn zu erkennen:

“Erhab­n­er Herrsch­er im Schön­heits­glanz,

Der du erstrahlst in ein­er Würde,

Die im Son­nenauge offenbart

Der Wel­ten aller­tief­ste Gründe

Und zu dein­er Offen­barung nichts bedarfst

Als nur deines eignen Wil­lens Wesen …” (GA 44, S. 1, Her­vorhe­bung A.F.)

Kurz darauf lässt Rudolf Stein­er Luz­ifer sich selb­st als “des starken Wel­tenfürsten Freier Sohn” beschreiben. Luz­ifer ist also der “Welt” zuge­hörig. Der “Wel­ten Schön­heits­glanz” kann dem­nach als Wirkung Luz­ifers, sog­ar als seine Erschei­n­ung ver­standen wer­den, als das­jenige, was die zwin­gende Kraft begrün­det. Doch im Mantra 12 ! ist seine Kraft nicht schädlich, son­dern zum Wel­tenflug notwendig. Sie ent­bindet, sie befre­it Kräfte, die in den See­len­tiefen zuvor gebun­den waren. Es han­delt sich um Göt­terkräfte des Eigenlebens.

Der Aus­druck “Des Eigen­lebens Göt­terkräfte” erscheint wie ein Wider­spruch, denn Göt­terkräfte sind über­men­schliche, außer­men­schlich gedachte Kräfte und eben ger­ade keine eige­nen, dem indi­vidu­ellen Leben ange­hören­den Kräfte. Diesen Wider­spruch löst Rudolf Stein­er, indem er sagt, dass der Men­sch „einen Durch­gangspunkt für Göt­terkräfte [bildet, dass er] […] gewis­ser­maßen der Platz [ist] […], an dem sich Hier­ar­chien begeg­nen, damit sie im Wel­te­nall zusam­men­wirken kön­nen.“ (GA 199/11) Und um welche göt­tlichen Kräfte kön­nte es sich han­deln, die vom Wel­ten Schön­heits­glanz gezwun­gener­maßen aus den See­len­tiefen ent­bun­den wer­den und zum Wel­tenflug führen? Da der Glanz Luz­ifers Wirken ver­rät, will ich ergänzen, was Ahri­man wenig später in sel­bigem Mys­te­rien­dra­ma über seine Arbeit sagt:

“So wälz ich denn im ewigen Lauf

Des Men­schen­lebens Feuerräder

Den steilen Abhang hinan.

Doch wie oft ich auch nun schon

Das Werk begonnen und vol­len­det glaubte,

Es ward stets andres nicht

Als Anfang eines neuen Schaf­fens.” (GA 44, S. 1, Her­vorhe­bung A.F.)

Der Glanz, das Ausstrahlende, Ger­ade und das Runde, Zyk­lis­che, Umschließende sind möglicher­weise die Göt­terkräfte, die zum Wel­tenflug ent­bun­den wer­den: die Kraft der lin­earen und der zyk­lis­chen Zeit. Dies sind über­men­schliche Kräfte, Göt­terkräfte, die dem Men­schen das Leben ermöglichen. Dem Men­schen gehört vom Leben mit der Zeit allein die Gegen­wär­tigkeit. Das Gewohnte muss der Men­sch beim Wel­tenflug hin­ter sich lassen. Er muss sich sel­ber ver­lassen, das fest gefügte Sein, in dem das Ger­ade und das Zyk­lis­che geset­zmäßig zusam­men­wirken, aufgeben. Das Ger­ade wirkt im Ner­ven-Sin­nessys­tem, das Zyk­lis­che im Stof­fwech­sel-Glied­maßen­sys­tem. In bei­den Sys­te­men wirken Göt­terkräfte, die dem Men­schen das Leben auf der Erde ermöglichen.

In obigem Monolog spricht Ahri­man etwas später von seinem Ziel:

“Wenn in EINER Men­schenseele nur,

Tita­nen­werk, durch mich ver­richtet,

Ein Fün­klein nur entfacht,

Das dort dann weit­er flam­men kann.

So groß mein Werk auch ist,

Dies Fün­klein braucht es,

Wenn es zum Ziele kom­men soll.” (GA 44, S. 1, Her­vorhe­bung A.F.)

Dann fährt Ahri­man fort, dass bish­er das Fün­klein immer wieder erlosch, weil die Men­schen Furcht emp­fan­den vor der Welt, die Ahri­man gefes­selt hält, mithin vor der Geistwelt.

Mit dem Fün­klein, das Ahri­man und Luz­ifer im Men­schen bewirken wollen, scheint mir auf das dritte Bild der Zeit gedeutet zu sein, auf die Gegen­wär­tigkeit, das füh­lende Gewahr­sein. Diese Bewusst­seinslicht muss immer wieder erlöschen, denn nicht das Eigen­licht soll im Men­schen leucht­en, son­dern mehr und mehr das Licht der Chris­tus­sonne, so wie Rudolf Stein­er Paulus öfter zitiert: “Nicht ich, son­dern der Chris­tus in mir.”

Auf dem Wel­tenflug bleibt dem Men­schen nur das Ver­trauen, dass der Men­sch sich suchen kann — und zwar in Wel­tenlicht und Wel­tenwärme. Die Qual­ität des Ger­aden, Lin­earen kann in den Strahlen des Wel­tenlichts wiederge­fun­den wer­den, die Qual­ität des zyk­lisch Drehen­den in der Weltenwärme.

Vielle­icht lässt sich so mitvol­lziehen, was der Ich-Sprech­er des Mantras 12 ! in dessen Gedanken-Ver­lauf erlebt, was für ihn zur Wahrnehmung wird. Sowohl das den Prozess aus­lösende Moment, also der “Wel­ten Schön­heits­glanz”, als auch das Ziel, sich in Wel­tenlicht und Wel­tenwärme zu find­en, sind Wahrnehmungen. Dieses Mantra han­delt von der Wahrnehmung.

14 N — die Vol­len­dung: Das Mantra 14 N nenne ich eben­so wie das Mantra 39 n einen Schwellen­spruch. Das beruht auf der Tat­sache, dass diese bei­den Mantren sowohl Spiegel- als auch Gegen­spruch füreinan­der sind, d.h. sie weisen die für Spiegel­sprüche charak­ter­is­tis­chen gram­ma­tis­chen Entsprechun­gen auf und tra­gen außer­dem den gle­ichen Buch­staben, das N bzw. n in der Über­schrift, wodurch sie als Gegen­sprüche aus­gewiesen sind.

Das Mantra 14 N, der Fühlspruch, mit dem zuge­höri­gen Spiegel- und Gegen­spruch 39 n.

Durch diesen Umstand hebt sich das Mantra 14 N von den anderen Mantren ab. Dadurch ist das Mantra 13 M von zwei her­aus­ge­hobe­nen Mantren umgeben, vom Mantra 12 !, das keinen Buch­staben hat und vom Mantra 14 N, indem Spiegel- und Gegen­spruch deck­ungs­gle­ich sind. Zwis­chen diesem Zuwenig (fehlen­der Buch­stabe und deshalb fehlen­der Gegen­spruch) und Zuviel (Spiegel- und Gegen­spruch vere­int in einem Mantra) ste­ht das Mantra 13 M — aufgerufen, das Gle­ichgewicht zu hal­ten. Alle drei Mantren weisen einen Ich-Sprech­er auf. Es gibt also jew­eils eine Instanz, die den dort geschilderten Prozess mit Bewusst­sein begleitet.

Das Mantra 14 N nimmt sich aus wie ein fün­fter Krisen­spruch, denn der Gedanken­traum wirkt betäubend auf das Selb­st, er scheint es zu rauben. Und wie bei den Krisen­sprüchen der Oster­scholle (46 u, 7 G), gibt es eine ret­tende Kraft. Diese ist im Mantra 14 N das Wel­tendenken, das dem Ich-Sprech­er naht und ihn aus der Betäubung weckt.

Welche seel­is­che Sit­u­a­tion beschreibt dies Mantra? Der Ich-Sprech­er ist an die Sin­nesof­fen­barung hingegeben — nicht an die Sinneswahrnehmung, son­dern an deren Offen­barung. Im Hinein­schlafen in die Wahrnehmung teilt sich ihr geistiger Gehalt dem Ich-Sprech­er mit, offen­bart sich ihm. Er ver­ste­ht intu­itiv ohne sel­ber zu denken. Die Wahrnehmung belehrt ihn, doch dafür ver­liert er sich selb­st. Die stille Präsenz, der Ich-Sprech­er, bemerkt, dass ihm der Trieb, ein Eigen­we­sen zu sein, ver­loren gegan­gen ist. Er ist träu­mend eins gewor­den mit der Wahrnehmung. Es gelingt ihm nicht, im Denken zu erwachen. Das Denken bleibt Traum, Gedanken­traum. Und der Gedanken­traum wirkt betäubend.

Rudolf Stein­er schildert, dass es eine Notwendigkeit der Betäubung gibt. Um dies nachzu­vol­lziehen, muss ich etwas aus­holen. Rudolf Stein­er sagt: “Man kann eigentlich, wenn es sich um die Inter­essen des Astralleibes han­delt, nur nach zwei Rich­tun­gen hin abir­ren. Diese zwei Rich­tun­gen sind die Rich­tung nach dem Amfor­t­as und, bevor Amfor­t­as zur völ­li­gen Erlö­sung kommt, nach dem Parzi­val.” (GA 145, S. 124) Amfor­t­as, so führt er weit­er aus, hat zu viele per­sön­liche Begier­den und Wün­sche, die er mit Macht­mit­teln ver­fol­gt. Er verbindet mit dem gesun­den Ego­is­mus des Astralleibs Eigen­in­ter­esse. Dies bewirkt seine Ver­wun­dung. Parz­i­fal fragt bekan­nter­maßen nicht, als er das erste Mal auf der Grals­burg ist. Er hat nicht genü­gend Welt­in­ter­esse und Erken­nt­niskraft, er ist zu naiv und belässt es beim Schauen. Er kann sich also nicht aus­re­ichend der Wahrnehmung gegenüber­stellen, d.h. die gesunde ego­is­tis­che Kraft des Astralleibs ist zu schwach.

Im fol­gen­den Vor­trag spricht Rudolf Stein­er im Zusam­men­hang mit dem Hüter der Schwelle und der ersten sich dar­bi­etenden Imag­i­na­tion, der Paradies­imag­i­na­tion, über die Betäubung. “Wer diese Paradies­imag­i­na­tion wirk­lich erlebt, wer sie also als eine Errun­gen­schaft des höheren Erlebens vor sich haben kann, der fühlt sich mit­ten drin­nen­ste­hend in einem inneren See­len­wogen, … und fühlt, wie er gewis­ser­maßen nach den zwei … Rich­tun­gen abir­ren kann [der Amfor­t­as- und der Parzival-Richtung]. …
Je mehr man in die Nähe kommt, je deut­lich­er diese Paradieses-Imag­i­na­tion zu sehen ist, desto mehr Stärke gewin­nen diese Kräfte, die einen zu den per­sön­lichen Inter­essen herun­terziehen, und das, was sie an einem bewirken, das ist: sie löschen einem immer mehr und mehr diese Paradieses-Imag­i­na­tion aus, oder bess­er gesagt, sie lassen sie gar nicht richtig entste­hen, man wird wie betäubt. Was man da mitschleppt an per­sön­lichen Inter­essen, Affek­ten, Gefühlen und Empfind­un­gen und so weit­er, das sind eben­so viele Hun­derte und aber Hun­derte von mag­netis­chen Kräften, wie sie auf der anderen Seite Betäubungsmit­tel sind. Und dann, wenn man ver­sucht, seine Selb­sterziehung so weit zu brin­gen, daß man den astralis­chen Leib sozusagen immer mehr in Wahrheit betra­chtet — man ist ja, wenn man diese Paradieses-Imag­i­na­tion hat, außer­halb seines physis­chen und ätherischen Leibes, also man ist in seinem astralis­chen Leib und Ich —, wenn man erfaßt hat die Natur und den Charak­ter des Astralleibes, dann weiß man: der ist der Ego­ist. Und der ist nur gerecht­fer­tigt an dieser Stelle, die man da durch Selb­sterziehung erlangt hat, wenn er in seine ego­is­tis­chen Inter­essen nicht das Per­sön­liche zu seinem Wesen macht, das dann mit den hun­dert und aber hun­dert Kräften kommt, son­dern wenn er immer mehr die ganz all­ge­meinen Men­schheits- und Welt­in­ter­essen zu den seini­gen machen kann.” (GA 145, S. 136f) Und etwas später sagt Rudolf Stein­er, wodurch es zu dieser Betäubung kommt: “Der physis­che Leib und der Äther­leib betäuben den Men­schen so weit, daß der Wun­sch in ihm, den anderen zu töten [den Ego­is­mus in aller Krassheit auszuleben], nicht Tat­sache wird.” (GA 145, S. 146)

Mit dem Mantra 14 N ste­hen wir auf der Schwelle. Die ego­is­tis­chen Wün­sche und Lei­den­schaften, die in der Seele auf­steigen im Zusam­men­hang mit dem irdis­chen Leben — dem Äther- und physis­chen Leib — sind möglicher­weise im Gedanken­traum ver­bor­gen, denn dieser wirkt betäubend und scheint das Selb­st zu rauben, die ego­is­tis­chen Bestre­bun­gen also abzudämpfen. Im Vor­trag kommt Rudolf Stein­er dann auf die notwendi­ge Erfahrung frostiger Ein­samkeit zu sprechen, als Aus­gle­ich und Gegen­mit­tel für die “heißen”, ego­is­tis­chen Leidenschaften.

Auch im Mantra gibt es eine Gegenkraft. Nicht als Offen­barung, son­dern im Sin­nen­schein, in der realen, physis­chen Wahrnehmung naht sich dem Men­schen das Wel­tendenken. Das Wel­tendenken weckt möglicher­weise aus dem Gedanken­traum durch frostige Ein­samkeit, durch einen kalten, natur­wis­senschaftlichen Blick, der die nack­ten Tat­sachen, die Struk­turen sieht. Nun wird es auf den Men­schen ankom­men, ob er wie der gereifte Parz­i­fal sel­ber denken, ob er fra­gen kann.

Doch das Wel­tendenken ist mehr. Rudolf Stein­er beschreibt, dass die Elo­him seit dem Beginn der Erde­nen­twick­lung ihr Ich dem Men­schen mehr und mehr hinopfer­ten, sodass er ein Ich-Wesen wer­den kon­nte. “Sie behal­ten für sich dann als ihr nieder­stes Glied Man­as, das Geist­selb­st, die flu­tende Weisheit der Welt. Die umgibt uns als das nieder­ste Glied der Geis­ter der Form [der Elo­him]. In diesem Weisheit­sleben der Geis­ter der Form leben, weben und sind wir“ (GA 266a, S. 350) Diese flu­tende Weisheit kön­nte mit dem Wel­tendenken gemeint sein. Das bedeutet, dass die Geist­selb­st-Kraft der Elo­him dem Men­schen im Wel­tendenken ent­ge­genkommt und ihn aus sein­er Betäubung weckt.

Zeigte das Mantra 12 ! durch den Wel­ten Schön­heits­glanz Luz­ifers Wirken, so das Mantra 14 N durch die dro­hende, jedoch entwick­lungsmäßig notwendi­ge Betäubung (der Paradies­imag­i­na­tion) Ahri­mans Tätigkeit. Das Gle­ichgewicht zwis­chen diesen Kräften muss der Men­sch finden.

Zwei ergänzende Beobach­tun­gen zu allen drei Mantren seien hinzuge­fügt. Es ist auf­fäl­lig, dass in allen drei Mantren das Wort “Welt” als Wort­teil oder einzelnes Wort vorkommt. Je zwei dieser Welt-Worte zeigen the­ma­tis­che Gemein­samkeit­en: die “Wel­tenwärme” (12 !) scheint mit den “Feuerwel­ten” (13 M) zusam­men zu hän­gen, das “Wel­tenlicht” (12 !) mit dem “Wel­tendenken” (14 N) und der “Wel­ten Schön­heits­glanz” (12) führt zum “Wel­tenflug” (12 ). Zwis­chen diesen “Welt”-Worten kön­nte sich ein geistiger Raum auf­s­pan­nen, denn auch die höhere Wahrnehmung braucht “Welt”, braucht Umraum.

Eine weit­ere Beson­der­heit aller drei Mantren ist die Ver­laufs­form, die jew­eils in der vor­let­zten Zeile auftritt: 12 !: “ver­trauend” und “suchend” – 13 M: “ahnend” – 14 N: “weck­end”. Sind damit vier in Gegen­wär­tigkeit zu vol­lziehende Schritte zur wachen geisti­gen Erken­nt­nis benannt?