Der Zeit-Impuls des Mantras 6 F ergießt sich dreifach

Ver­gan­gen­heit-Vor­bere­itung Gegen­wart-Geist-Impuls Zukun­ft-Vol­len­dung
5 E

Im Lichte das aus Geistestiefen

Im Raume frucht­bar webend

Der Göt­ter Schaf­fen offen­bart:

In ihm erscheint der Seele Wesen

Geweit­et zu dem Wel­ten­sein

Und aufer­standen

Aus enger Selb­s­theit Innen­macht.

6 F

Es ist erstanden aus der Eigenheit

Mein Selb­st und find­et sich

Als Wel­tenof­fen­barung

In Zeit- und Raumeskräften;

Die Welt, sie zeigt mir überall

Als göt­tlich Urbild

Des eignen Abbilds Wahrheit.

7 G

Mein Selb­st, es dro­het zu ent­fliehen,

Vom Wel­tenlichte mächtig angezogen;

Nun trete du mein Ahnen

In deine Rechte kräftig ein,

Erset­ze mir des Denkens Macht,

Dass in der Sinne Schein

Sich selb­st ver­lieren will.

Der Zeitim­puls von 6 F: Das Selb­st zwis­chen Enge und Flucht

vor­bere­it­et durch den Licht­spruch (5 E), in dem das Wesen der Seele aufer­standen erscheint

vol­len­det durch den Krisen­spruch (7 G), indem zum gedanklich erfassten Selb­st das Ahnen hinzutreten muss

Zwei Vorausschickungen

Die Ein­heit von Licht- Zwis­chen- und Krisenspruch

Die drei Mantren, die nun zu betra­cht­en sind, heben sich von den vorherge­hen­den und auch den nach­fol­gen­den ab. Ihre Zusam­menge­hörigkeit bes­timmt sich nicht nur dadurch, dass sie aufeinan­der fol­gen, son­dern auch durch eine über­ge­ord­nete Struk­tur im See­lenkalen­der, deren Teil sie sind. Deshalb will ich zunächst auf die Beson­der­heit­en dieser Dreier­gruppe eingehen.

Das Mantra 6 F nenne ich einen Zwis­chen­spruch, da es zwis­chen zwei her­aus­ge­hobe­nen Mantren, einem Licht- und einem Krisen­spruch liegt. Im Jahreskreis gibt es vier solch­er Dreier-Grup­pen. Bei näher­er Betra­ch­tung the­ma­tisiert jede dieser Grup­pen ein anderes Ele­ment und dieses Ele­ment weist auf die ihm zuge­ord­nete Äther­art: das Erd-Ele­ment auf den Leben­säther, das Wass­er-Ele­ment auf den chemis­chen oder Klang- bzw. Ton-Äther, das Luft-Ele­ment auf den Licht-Äther und das Feuer-Ele­ment auf den Wärme Wärmeäther.

Rudolf Stein­er ord­net diese Ele­mente unter Hinzufü­gung eines fün­ften, des Gedanken-Äthers, in einem Fün­f­stern an. Und er sagt, dass den men­schlichen Kör­p­er Äther­strö­mungen in eben dieser Ord­nung durchziehen. Allerd­ings entspricht die hier anzutr­e­f­fende Anord­nung der Äther­arten der­jeni­gen, die im See­lenkalen­der-Jahreskreis vorhan­den ist, nur unter zwei Bedin­gun­gen: zum einen erscheinen die Äther­arten in den Mantren nicht dort, von wo sie laut Rudolf Stein­er aus­ge­hen, son­dern bei ihren fünf Zie­len, wie sie in der fol­gen­den Abbil­dung definiert sind; zum anderen muss das fün­fte Ele­ment, der Gedankenäther, im Schwellen­spruch 14 N (mit seinen Nach­barn) gesucht wer­den. Eben diesen im See­lenkalen­der sicht­bar gewor­de­nen Ele­mente-Fün­f­stern find­et man auch in der asi­atis­chen Fünf-Ele­mente Lehre, sofern das Ele­ment Holz als der Gedankenäther ver­standen wird. Dieser Gedanken-Äther ist für mich das Bewusstsein.

Die Strö­mungen im Äther­leib von Rudolf Stein­er und der asi­atis­che Ele­mente-Fün­f­stern — in den Licht- Zwis­chen und Krisensprüchen

(Die Far­bge­bung inner­halb des Jahreskreis­es entspricht der asi­atis­chen Tra­di­tion, außer­halb mein­er Gepflogenheit.)

Diese fünf Strö­mungen im Äther­leib beschreibt Rudolf Stein­er fol­gen­der­maßen: “In der uns umgeben­den Welt, über­all auf der Erde sind wir stets von fünf Äther­strö­mungen umgeben. Die Äther­strö­mungen wer­den fol­gen­der­maßen im Sinne der Rosenkreuzer-Schulen beze­ich­net: Erde-Äther, Wass­er-Äther, Feuer-Äther, Luft-Äther und Gedanken-Äther. … So wie nun in der uns umgeben­den Natur diese Äther­strö­mungen stets vorhan­den sind, so sind auch im Men­schen in ein­er ganz bes­timmten Art und Weise diese Äther­strö­mungen in Tätigkeit, und zwar geht der Erde-Äther vom Kopfe aus zum recht­en Fuß, von da aus der Wass­er-Äther zur linken Hand, dann von der linken Hand aus der Feuer-Äther zur recht­en Hand, von da aus der Luft-Äther zum linken Fuße, und von dort aus der Gedanken-Äther zum Kopfe zurück. Dadurch entste­ht fol­gende Figur:

Dieses ist das Pen­ta­gramm der Okkul­tisten, das heilige Fün­feck, «das Zeichen des Men­schen». Seine Spitze ist nach oben gerichtet, und es wird dadurch angedeutet, daß das Geistige aus der Höhe dem Men­schen ent­ge­gen­strömt.” (Lit.: GA 266a, S. 183f, Her­vorhe­bung A.F.)

Rudolf Stein­er zeich­nete einen Men­schen, der dem Betra­chter gegenüber­ste­ht. Im See­lenkalen­der sind die Ele­mente dage­gen so ange­ord­net, dass der Pen­ta­gramm-Men­sch sein Rechts auf der recht­en Seite des Betra­chters hat, sein Links auf der linken, er also mit dem Betra­chter in dieselbe Rich­tung schaut.

Ich ver­an­schauliche diese Äther­arten im See­lenkalen­der-Jahreskreis als ausstrahlende Pfeile, da diese Kräfte im Äther­leib und deshalb im Innern des Men­schen wirken und von dort ausstrahlen. Gle­ichzeit­ig sind sie Teil der Kräfte, die durch den Fortschritt der Zeit Mantra für Mantra in die Erd­sphäre und damit in den Jahreskreis einstrahlen.

Die Mantren 5 E, 6 F und 7 G the­ma­tisieren jew­eils von einem anderen Aspekt den chemis­chen- bzw. Ton-Äther (bzw. auch Klang- oder Wass­er-Äther genan­nt), der sich im wäss­ri­gen Ele­ment darstellt.

Him­melfahrt

In der Woche 6 F liegt stets das Fest von Christi Him­melfahrt. Nach mit­te­lal­ter­lich­er Vorstel­lung wurde der Aufer­standene von der Wolken­sphäre aufgenom­men und so den Blick­en der Jünger ent­zo­gen. In den 40 Tagen nach Ostern kon­nten die Jünger den Aufer­stande­nen wahrnehmen, danach nicht mehr. Es ist zu erwarten, dass das Him­melfahrt­sereig­nis im Mantra 6 F zu erken­nen ist. Die Wolken­sphäre, die Chris­tus auf­nahm, deutet auf den chemis­chen oder Ton-Äther, dessen Ele­ment das Wass­er ist.

Rudolf Stein­er gibt eine Erk­lärung für Christi Him­melfahrt, die über­rascht. Diejeni­gen, die den Chris­tus in sich aufgenom­men haben und deshalb „… ihren Leib gerettet wis­sen, sie wür­den nun den Chris­tus, als die in ihnen wirk­ende Wesen­heit, die in ihnen auch leib­lich wirk­ende Wesen­heit, in sich tra­gen müssen. Und damit kön­nten die Men­schen wieder nicht freie Wesen wer­den. … Wenn sie hät­ten gut wer­den wollen, dann hät­ten sie den Chris­tus so in sich wirken lassen müssen, wie im Alter­tum der Vater gewirkt hat­te in den Men­schen, die nicht Ini­ti­ierte waren. Damals sind die Men­schen, indem das Ich in ihnen entwick­elt wurde, frei gewor­den. Die Ini­ti­ierten wur­den freie Men­schen in alten Zeit­en, die anderen waren unfrei, weil der Vater unbe­wußt in ihnen lebte. Wären nun die Chris­ten des Chris­tus in sich bewußte Wesen­heit­en gewe­sen, dann hät­ten sie jed­erzeit, wenn sie hät­ten gut wer­den wollen, aus­löschen müssen ihr Ich-Bewußt­sein, um den Chris­tus mit Aus­löschung dieses Ich-Bewußt­seins in sich zu erweck­en. Nicht sie sel­ber hät­ten gut sein kön­nen, son­dern lediglich der Chris­tus in ihnen hätte gut sein kön­nen.“ (GA 214, S. 67f, Her­vorhe­bun­gen A.F.)

Und etwas später führt er aus, dass der Men­sch erst frei wer­den kon­nte, indem er nicht den Chris­tus in sich erlebt, son­dern den Heili­gen Geist: „Dazu war notwendig, daß der Chris­tus als solch­er vor der unmit­tel­baren Anschau­ung der Men­schen ver­schwand, daß er zwar vere­inigt blieb mit dem irdis­chen Dasein, aber vor dem unmit­tel­baren Anblick der Men­schen ver­schwand. Auf ihn wurde anwend­bar der­jenige Aus­druck, der ja auch in den alten Ini­ti­a­tion­sstät­ten für so etwas üblich war: Wenn ein Wesen, das physisch sicht­bar ist, das von den Men­schen, die in der physis­chen Welt ihre Anschau­ung haben, seinem Dasein nach ver­fol­gt wer­den kann, aufhört sicht­bar zu sein, so sagt man, es habe seine Him­melfahrt gehal­ten. Es ist eben einge­treten in diejeni­gen Regio­nen, in denen die physis­che Sicht­barkeit nicht mehr stat­tfind­et. So hat der Chris­tus seine Him­melfahrt gehal­ten, so ist er unsicht­bar gewor­den. Denn er hat­te in ein­er gewis­sen Weise seine volle Sicht­barkeit behal­ten, wenn er den Men­schen innege­wohnt und das Ich aus­gelöscht hätte, so daß diese nur hät­ten gut wer­den kön­nen dadurch, daß der Chris­tus eigentlich in ihnen han­del­nd gewe­sen wäre.

Die Art und Weise, wie der Chris­tus noch den Apos­teln, den Jüngern auch nach sein­er Aufer­ste­hung sicht­bar war, diese Art und Weise ver­schwand: Der Chris­tus hielt seine Him­melfahrt. Aber er sandte den Men­schen diejenige göt­tliche Wesen­heit, die nun nicht das Ich- Bewußt­sein aus­löscht, zu der man sich erhebt nicht im Anschauen, son­dern ger­ade im unan­schaulichen Geiste. Er sandte den Men­schen den Heili­gen Geist.

So ist eigentlich der Heilige Geist das­jenige, was von dem Chris­tus gesandt wer­den sollte, damit der Men­sch sein Ich-Bewußt­sein behal­ten könne und der Chris­tus dem Men­schen unbe­wußt innewohnen kann. So daß der Men­sch, wenn er nun im vollen Sinne des Wortes sich vor die Seele führt, was er eigentlich für ein Wesen ist, sagen muß: Wenn ich zurück­blicke zu dem, was die alten Ini­ti­ierten wußten, so sehe ich, daß in mir lebt das Vater­prinzip, welch­es den Kos­mos erfüllt, welch­es in diesen alten Ini­ti­ierten auf­trat und bei ihnen das Ich ent­fal­tete. Das ist das­jenige Prinzip, welch­es mit uns lebte, bevor wir herun­tergestiegen sind in die physis­che Welt. — Durch das Innewohnen dieses Vater­prinzips erin­nerten sich die alten Ini­ti­ierten in voll­ständi­ger Klarheit an die Art und Weise, wie sie lebten, bevor sie herun­tergestiegen waren in die physis­che Welt. Da sucht­en sie das Göt­tliche in dem Vorge­burtlichen, in dem Präex­is­ten­ten: Ex deo nascimur.

Nach dem Mys­teri­um von Gol­gatha hat für den Men­schen nicht bleiben kön­nen: «Den Chris­tus schaue ich», denn dann hätte er eben nicht gut wer­den kön­nen durch sich sel­ber, dann hätte nur der Chris­tus in ihm gut sein kön­nen. Es kon­nte nur über den Men­schen kom­men das: In Chris­to morimur. Ster­ben kon­nte er in den Chris­tus; mit dem­jeni­gen, was Tode­sprinzip in ihm ist, kon­nte er den Chris­tus vere­ini­gen. Aber sein neues Bewußt­sein kon­nte erweckt wer­den durch die Wesen­heit, die der Chris­tus ihm sandte, durch die Wesen­heit des Heili­gen Geistes: Per spir­i­tum sanc­tum reviviscimus.“ (GA 214, S. 68ff, Her­vorhe­bun­gen A.F.)

Das den Jüngern von der Aufer­ste­hung bis zu Christi Him­melfahrt geschenk­te direk­te Erleben des Aufer­stande­nen musste also zugun­sten sein­er Entwick­lung zu einem freien Wesen aufgegeben wer­den. Nun muss er sich die Gotte­ser­fahrung durch die Kraft des Heili­gen Geistes errin­gen, denn nur so kann er neben der Chris­tuser­fahrung sein Ich-Bewusst­sein bewahren.

6 F — das Mantra der Woche: Das Mantra 6 F begin­nt mit ein­er Fest­stel­lung des Ich-Sprech­ers und liest sich durchgängig als dessen Selb­stre­flek­tion. In diesem Mantra kommt das klare, wache Selb­st­be­wusst­sein eines Men­schen zum Aus­druck, das nur durch einen lan­gen Entwick­lungsweg errun­gen wer­den kann.

Der Ich-Sprech­er kon­sta­tiert, das sein Selb­st aus der Eigen­heit erstanden ist. Das Selb­st, das, wofür sich der Men­sch hält, war in der Eigen­heit wie “begraben”. Darunter ver­ste­he ich die jedem Men­schen geläu­fige Erfahrung, ein von allen anderen Wesen getren­ntes Eigen­we­sen zu sein mit eigen­em Kör­p­er, Leben und Bewusst­sein. Die Wahrnehmung, Glied ein­er größeren Ganzheit zu sein, spielte dage­gen eine unter­ge­ord­nete Rolle. Aus dieser Gefan­gen­schaft, der Eigen­heit, ist das Selb­st erstanden. Doch was ist das Selb­st, wenn es nicht der eigene Kör­p­er ist?

Im Mantra heißt es direkt im Anschluss, das sich das Selb­st find­et — neu find­et — und zwar als Wel­tenof­fen­barung. Diese Offen­barung ist eine zweifache. Das Selb­st find­et sich als Offen­barung der Zeitkräfte und der Raumeskräfte.

Was ist also das Selb­st? Rudolf Stein­er erk­lärt: “Ich wollte zeigen, wie man allmäh­lich dahin kom­men kann, das, was in unserem Inneren lebt als astralis­ch­er Leib und Selb­st, sein­er wahren Gestalt nach, nicht in der Maja, zu erken­nen; denn so wie der Men­sch seinen astralis­chen Leib inner­lich erlebt, so ist es nicht der wirk­liche astralis­che Leib, so ist es der astralis­che Leib, wie er sich spiegelt im Äther­leib. Und was der Men­sch sein Selb­st nen­nt, ist nicht das wirk­liche Ich, ist das Ich, wie es sich spiegelt im physis­chen Leib. Spiegel­bilder seines Inneren erlebt der Men­sch nur. Und wenn er unreif die Gestal­tun­gen dieses eige­nen inneren Astralleibes und Ichs erleben würde, so entstün­den in ihm Zer­störungstriebe, so würde er ein aggres­sives Wesen, so entstünde in ihm die Lust zu schaden. … Und dadurch lernt man nur astralis­chen Leib und Ich in ihrer wirk­lichen Gestalt erken­nen, daß man weiß: Man darf sie nur erken­nen ler­nen, wenn man zugle­ich bejaht die Notwendigkeit, daß sie sich entwick­eln und würdig und wert machen müssen, das zu sein, was sie sein sollen. Die inner­ste Natur des astralis­chen Leibes ist der Ego­is­mus; das Ide­al muß aber sein, Ego­ist sein zu dür­fen, weil die Welt­in­ter­essen die eige­nen Inter­essen wer­den. Das Ide­al muß sein, in das andere Wesen unter­tauchen zu dür­fen, weil der Wille vor­liegt, in den anderen Wesen nicht sich zu suchen mit seinen Inter­essen, son­dern das andere Wesen bedeu­tungsvoller zu find­en, als man sich sel­ber find­et.” (Lit.: GA 145, S. 188, Her­vorhe­bun­gen A.F.)

Das Selb­st war vor­dem die Spiegelung des Ichs am physis­chen Leib. Doch nun, da das Selb­st, wie das Mantra 6 F sagt, erstanden ist, spiegelt es sich nicht mehr am physis­chen Leib, son­dern in der Offen­barung der Zeit- und Raumeskräfte.

In dieser Offen­barung erkenne ich die spiegel­nde Eigen­schaft des Wassers wieder, das der physis­che Aus­druck des chemis­chen- bzw. Klang-Äthers ist. Doch warum find­et sich das Selb­st in ein­er zweifachen “Abspiegelung”? In der Gen­e­sis wird vom zweit­en Schöp­fungstag gesagt, das die oberen Wass­er von den unteren getren­nt wur­den. In dieser Tren­nung erken­nt Rudolf Stein­er den Klang-Äther wieder: “So haben wir gestern gese­hen, wie der Wärmezu­s­tand sich wieder­holt im Geiste der Elo­him, die über den Wassern brüteten, wie sich das Licht wieder­holt in dem Momente, der beze­ich­net wird mit den Worten «Es werde Licht», dass sich der Zus­tand des Klangäthers wieder­holt da, wo diese Klangätherkräfte ein­schla­gen und das obere von dem Unteren tren­nen. Das wird dargestellt in der Schilderung, die gewöhn­lich als der zweite Schöp­fungstag beze­ich­net wird.” (GA 122, S. 104f) Die Zeitkräfte kann ich als das obere Wass­er betra­cht­en, die Raumeskräfte als das untere. Die Zeit- und Raumeskräfte wer­den im Jahreskreis, in der Zeit als Raum, ansichtig — auch hier in zweifach­er Erschei­n­ung als Kreis und als Ei.

Das Mantra fährt fort, dass die Welt dem Ich-Sprech­er, in den Zeit- und den Raumeskräften, im oberen und unteren “Wass­er” sein göt­tlich­es Urbild gespiegelt zeigt. So erken­nt dieser Ich-Sprech­er sein eigenes Abbild-Sein im Anblick der zweifachen göt­tlichen Urbild-Offen­barung — und damit dessen Wahrheit.

Das Bild des Men­schen in diesen bei­den Offen­barun­gen zu erken­nen bedeutet für mich, die Kräfte des Heili­gen Geistes zu errin­gen, um den Chris­tus auch in den Him­meln, nach sein­er Him­melfahrt wahrnehmen zu kön­nen. Das Mantra 6 F mit seinem Ich-Sprech­er legt Zeug­nis davon ab, dass dies möglich ist, ohne das Ich-Bewusst­sein zu verlieren.

5 E — die Vor­bere­itung: Das Mantra 5 E ist als eine Beschrei­bung von Sachver­hal­ten ver­fasst, eine selb­st­be­wusste Instanz, einen Ich-Sprech­er, gibt es nicht. Dadurch han­delt es sich hier um Prozesse, die nicht in das Tages­be­wusst­sein reichen und gewöhn­lich nicht vom Men­schen reflek­tiert wer­den kön­nen. Mit diesem Mantra befind­en wir uns also im Nacht­bere­ich der Seele.

Im Mantra 5 E kommt das Licht aus Geis­testiefen, wie auch im Mantra 31 e. Dieses Licht erkenne ich als die sich zu Bewusst­sein wan­del­nde Leben­skraft. Und dieses Licht webt frucht­bar, her­vor­brin­gend im Raum — es ist wirk­sam. Und in diesem Licht offen­bart sich zweier­lei: das ist zum einen das Schaf­fen der Göt­ter, zum anderen das Wesen der Seele. Doch die Seele erscheint nicht inkarniert in einem Kör­p­er, son­dern geweit­et zum Wel­ten­sein. Sie ist aufer­standen aus der Enge der Selb­s­theit Innen­macht. Die Seele ist nicht mehr gefan­gen im Kör­p­er und nur inneres Leben. Sie ist Welt gewor­den. Die Dual­ität, das Gegenüber­ste­hen von Men­sch und Welt ist über­wun­den. Die Wel­ten­sein gewor­dene Seele hat in die Ein­heit mit allem Sein zurückgefunden.

Das Licht aus Geis­testiefen gle­icht der aus der Tiefe sprudel­nden Quelle — deren Wass­er der Erde Frucht­barkeit schenkt und dem Leben erlaubt sich zu ent­fal­ten. Und den Göt­tern erlaub dieses Licht, sich in der Lebensent­fal­tung schaf­fend zu offen­baren. Ihre Schöpfer­tätigkeit kann als der chemis­che Äther, als das Binden und Lösen der Stoffe in den Prozessen des Wer­dens und Verge­hens beschrieben wer­den. Dieser Äther wird auch der Ton- oder Klang-Äther genan­nt und seine Tätigkeit wurde in der Wel­tenhar­monie erlauscht.

Rudolf Stein­er beschreibt diese Äther­art, hier Klang-Äther genan­nt, im Zusam­men­hang mit der Schöp­fungs­geschichte. Er sagt, dass bevor z.B. das Licht wahrgenom­men wer­den kann von einem Wesen, dieses Wesen vorher im Licht gewirkt haben muss, mit ihm vere­int gewe­sen sein muss, ohne ihm wahrnehmend gegenübertreten zu könne. Als die in der Gen­e­sis beschriebene Schöp­fung ein­set­zte, war die Warhnem­barkeit des Licht­es für die Elo­him gegeben, des Tones jedoch noch nicht: “Wir müssen also erwarten, dass das, was für das Licht während der alten Mon­de­nen­twick­elung vorhan­den war, während der Erde­nen­twick­elung für das Klangätherische vorhan­den ist. Mit anderen Worten, es geht während der Erde­nen­twick­elung mit dem Klangäther so, wie es während der Mon­de­nen­twick­elung mit dem Lichtäther ging. — Das würde bedin­gen, dass für die Elo­him das, was wir geistig klang­haft nen­nen, nicht in solch­er Weise rück­strahlend wahrzunehmen ist wie das Lichthafte. Wenn also die Gen­e­sis uns andeuten wollte, dass die Entwick­elung vorschre­it­et von der Wirk­samkeit des Lichtätherischen zu der des Klangätherischen, dann müsste sie uns etwa sagen: «Und die Elo­him sahen im Erden­wer­den das Licht und sahen, dass es schön ist» -, aber nun dürfte sie nicht in der­sel­ben Weise fort­fahren: «Und die Elo­him nah­men wahr während dieser Phase das Klangätherische», son­dern sie müsste sagen: «Sie lebten und webten in diesem.» Dann dürfte auch nicht vom soge­nan­nten zweit­en Schöp­fungstage gesagt wer­den, dass die Elo­him wahrnah­men jene Erre­gung, die die Stoffe nach oben und unten abteilt. Da dürfte von dieser Arbeit der Elo­him nicht gesagt wer­den zum Beispiel: sie nehmen sie wahr, son­dern da müsste in der Gen­e­sis dieses Wort vom Wahrnehmen und Schön­sein aus­ge­lassen sein. Dann würde es dem entsprechen, was wir durch die Geis­teswis­senschaft kon­sta­tieren kön­nen. Also es müsste der Seher, der die Gen­e­sis geschrieben hat, am zweit­en Schöp­fungstag den Satz aus­lassen «Und die Elo­him sahen… .»” (GA 22, S. 140) Und genau diese Erwartung find­et Rudolf Stein­er im Schöp­fungs­bericht des zweit­en Schöp­fungstages bestätigt, in dem die Wass­er getren­nt wur­den, wie zum Mantra 6 F angeführt.

Und wie kann das Erscheinen des Wesens der Seele in diesem Licht vorgestellt wer­den, obwohl doch kein Ich-Sprech­er in diesem Mantra anwe­send ist? Rudolf Stein­er beschreibt, dass der Klang-Äther seine Wirk­samkeit ent­fal­tet während wir schlafen. “Was durch­dringt nun während des Schlafes unseren astralis­chen Leib? Wenn wir außer­halb unseres physis­chen Leibes sind in der Nacht, dann ist unser astralis­ch­er Leib durch­lebt und durch­webt von den Sphären­har­monien, von dem, was son­st sich nur im Äther, im Klangäther ver­bre­it­en kann. Wie etwa auf ein­er Met­allplat­te, die mit einem gewis­sen Staub bestreut wor­den ist, die Schwingun­gen, die die Luft durch­pulsen, wenn man die Plat­te mit einem Vio­lin­bo­gen stre­icht, auch inner­halb dieses Staubes fort­pulsieren und die bekan­nten Chlad­nis­chen Klang­fig­uren erzeu­gen, so durchzit­tern und durch­pulsen den Men­schen während der Nacht die Sphären­har­monien und brin­gen wieder in Ord­nung, was der Men­sch während des Tages mit den äußeren Sinneswahrnehmungen in Unord­nung gebracht hat. Und was den Leben­säther [dem Erd-Äther, A.F.] durch­webt und durch­lebt, das durch­pulst uns auch während des Schlafzu­s­tandes, nur hat der Men­sch keine Wahrnehmung für dieses inner­liche Leben sein­er Hüllen, wenn er vom physis­chen und Äther­leibe getren­nt ist. Im nor­malen Zus­tande besitzt der Men­sch nur ein Wahrnehmen, wenn er wieder unter­taucht in den physis­chen Leib und Äther­leib und die äußeren Organe des Äther­leibes zum Denken und die äußeren Organe des physis­chen Leibes zum sinnlichen Wahrnehmen benutzt.” (GA 123, S. 59)

So stelle ich mir vor, dass das Wesen der Seele im Licht aus Geis­testiefen erscheint wie eine Chlad­nis­che Klang­fig­ur. Und weil dieser her­vor­brin­gende Ton Teil der Wel­tenhar­monie ist, ist auch die Seele geweit­et zum Wel­ten­sein. Und nur, weil Nacht für Nacht der Äther­leib vom chemis­chen bzw. Ton- oder Klang-Äther (und dem Leben­säther) nach der Wel­tenhar­monie geord­net wird — wie es im Mantra 5 E beschrieben wird — kann am Tage das Ich sich als Selb­st erken­nen und als Wel­tenof­fen­barung find­en, wie es im Mantra 6 F beschrieben wird.

7 G — die Vol­len­dung: Das Mantra 7 G ist ein Krisen­spruch. Wie in allen Krisen­sprüchen ist hier ein Ich-Sprech­er, der in einem Selb­st­ge­spräch seine Sit­u­a­tion reflek­tiert. Er benen­nt die Gefahr und ken­nt auch die Lösung. Nur im Krisen­spruch 46 u gibt es eben­falls eine Lösung, die aufgerufen wer­den kann, in den Krisen­sprüchen 20 T und 33 G nicht.

Im Mantra 7 G beste­ht die Gefahr darin, dass das Selb­st dro­ht zu ent­fliehen. Wenn der Ich-Sprech­er in seinem wachen Tages­be­wusst­sein nicht mehr weiß, wer er ist, ihm sein Selb­st ent­flieht, wie das bei Demenz oder anderen schw­eren psy­chi­a­trischen Krankheit­en der Fall sein kann, dann ist das ein ern­sthaftes Prob­lem. Her­vorgerufen wird diese Bedro­hung, so sagt das Mantra, durch das Wel­tenlicht, denn dieses Wel­tenlicht zieht das Selb­st mächtig an.

Was ist das Wel­tenlicht und warum bedro­ht es das Erleben, ein Selb­st zu sein? Das Mantra 6 F beschrieb die hell­sichtige Erken­nt­nis des Selb­st als zweifache Wel­tenof­fen­barung. Doch kommt es beim Ein­tritt in die geistige Welt, beim hell­sichti­gen Schauen, zu einem Prob­lem, wenn der Men­sch sein Bewusst­sein von sich selb­st ver­liert — sein Selb­st oder Ich-Gefühl. Rudolf Stein­er sagt: “Wenn in der richtig entwick­el­ten men­schlichen Geistes-Schau das Erwachen in der übersinnlichen Welt ein­tritt, so bleibt die Erin­nerung an die Erleb­nisse der Seele in der Sinneswelt vorhan­den. Diese Erin­nerung muß vorhan­den bleiben, son­st wären in dem hell­sichti­gen Bewußt­sein wohl die anderen Wesen­heit­en und Vorgänge vorhan­den, nicht aber die eigene Wesen­heit. Man hätte dann kein Wis­sen von sich; man lebte nicht selb­st geistig; es lebten in der Seele die anderen Wesen­heit­en und Vorgänge. Man wird, dies bedenk­end, begrei­flich find­en, daß die richtig entwick­elte Hell­sichtigkeit einen großen Wert leg­en muß auf die Aus­bil­dung des starken «Ich-Gefühls».” (Lit.: GA 17, S. 57f)

Das Wel­tenlicht im Mantra 7 G kön­nte also das Äther-Licht sein, das den Men­schen in die Geist­sphäre zieht, für die er jedoch das auf der Erde errun­gene Bewusst­sein sein­er selb­st braucht, um dort zu beste­hen. Weit­er sagt Rudolf Stein­er: “Das starke «Ich-Gefühl» ist nicht durch den ätherischen Leib als solchen vorhan­den, son­dern durch die Seele, welche sich in dem physisch-sinnlichen Leib erlebt. Bringt es die Seele nicht von ihrem Erleben in der Sinneswelt in den hell­sichti­gen Zus­tand hinein mit, so wird sich ihr zeigen, daß sie für das Erleben in der ele­men­tarischen Welt nicht zure­ichend gerüstet ist.” (Lit.: GA 17, S. 57ff)

Wenn die Seele ohne starkes Selb­st, ohne Ich-Gefühl in die geistige Welt ein­tritt, ent­flieht ihr das Selb­st. Und was dann dro­ht, schildert Rudolf Stein­er fol­gen­der­maßen: “Die Erfahrun­gen des schauend wer­den­den Bewußt­seins zeigen in bezug auf das Vorge­sagte ganz beson­dere Eigen­tüm­lichkeit­en. Während das Ich-Gefühl — das aber für das Erleben in den übersinnlichen Wel­ten notwendig ist — leicht sich abdämpft, oft sich wie ein schwach­er, ver­löschen­der Erin­nerungs­gedanke ver­hält, wer­den Gefüh­le des Has­s­es, der Lieblosigkeit, wer­den unsit­tliche Triebe zu starken See­len­er­leb­nis­sen ger­ade nach dem Ein­tritte in die übersinnliche Welt; sie stellen sich vor die Seele wie lebendig gewor­dene Vor­würfe hin, wer­den gräßlich wirk­ende Bilder. …

Ein über­mäßig entwick­eltes Ich-Gefühl in der Sinneswelt wirkt der Sit­tlichkeit ent­ge­gen. Ein Ich-Gefühl, welch­es zu schwach entwick­elt ist, bewirkt, daß die Seele, die tat­säch­lich von den Stür­men der ele­men­tarischen Sym­pa­thien und Antipathien umkraftet ist, der inneren Sicher­heit und Geschlossen­heit ent­behrt. Diese kön­nen nur vorhan­den sein, wenn in den ätherischen Leib, der dem gewöhn­lichen Leben unbe­wußt bleibt, ein genü­gend starkes Ich-Gefühl von dem sinnlich- physis­chen Erleben aus hinein­wirkt.” (Lit.: GA 17, S. 57ff)

Das ist es also, was dem Men­sche dro­ht. Der Ich-Sprech­er im Mantra 7 G ruft deshalb sein Ahnen auf, damit diese Kraft sich Gel­tung ver­schafft, in ihre Rechte ein­tritt. Sie soll das Denken erset­zen, denn dem ent­fliehen­den Selb­st, dem nicht zu bewahren­den Ich-Gefühl, liegt ein Denken zugrunde, dass sich im Schein der Sinne selb­st ver­liert. Mit diesem Denken ist sicher­lich das mate­ri­al­is­tis­che Denken gemeint, das sich in immer kleinere Details ver­gräbt und dabei das Wesentliche aus den Augen verliert.

Das Ahnen lässt offen. Das Denken will fest­stellen, definieren und abgren­zen will. Ahnen öffnet den Raum und lauscht in Sphären, die dem Denken dunkel und ver­schlossen bleiben. Durch die Ahnen, die ver­stor­be­nen Vor­fahren ist das Ahnen untrennbar mit der geisti­gen Welt ver­bun­den und kann dor­thin führen. In der geisti­gen Welt, wenn kein physis­ch­er Kör­p­er für die Abspiegelung des Ichs zur Ver­fü­gung ste­ht, beruht das Ich-Gefühl auf der Erin­nerung an diesen Leib. Möglicher­weise übern­immt das Ahnen im Vor­blick auf den Tod und den Ein­tritt in die geistige Welt dieselbe Auf­gabe wie danach die Erinnerung.

In der Zusam­men­schau der drei Mantren wird deut­lich, dass sie alle vom Selb­st und seinem Zusam­men­hang mit Welt-Aspek­ten sprechen. Im Mantra 5 E ist das Wesen der Seele aus der engen Selb­stheit Innen­macht aufer­standen, indem es zum Wel­ten­sein geweit­et erscheint. Im Mantra 6 F find­et sich das Selb­st als Wel­tenof­fen­barung, nach­dem es aus der Eigen­heit erstanden ist. Im Mantra 7 G dro­ht das Selb­st zu ent­fliehen, weil es vom Wel­tenlicht mächtig ange­zo­gen wird.

Erscheint das Selb­st im Mantra 5 E noch als zu über­windende, been­gende Innen­macht, als Selb­stheit, das heißt in seinem neg­a­tiv­en, im Kör­p­er sozusagen gefan­genen Aspekt, so wird es im Mantra 6 F ger­ade als das­jenige benan­nt, das sich wiederfind­et nach­dem die Eigen­heit über­wun­den ist. Doch schon im Mantra 7 G dro­ht dieses Selb­st zu ent­fliehen, denn das Denken kann es nicht hal­ten — das Ahnen wohl schon. Hält das Selb­st im Mantra 6 F seine Him­melfahrt, dro­ht es im Mantra 7 G dem Denken auch schon wieder zu entfliehen.

Das ent­ge­genge­set­zte Extrem ist das Ego, der alleinige Selb­st­bezug, die Enge der Selb­s­theit Innen­macht (5 E). Den Gle­ichgewicht­szu­s­tand zeigt der Spruch 6 F. Das Selb­st ist erstanden aus der Eigen­heit und find­et sich auf zweifache Weise. Die Welt bleibt Gegenüber, sie zeigt das göt­tliche Urbild, dessen wahres Abbild das Selb­st ist, zweifach — aus zwei Per­spek­tiv­en. Das Selb­st find­et sich als Offen­barung der Zeitkräfte und als Offen­barung der Raumkräfte. Die Gefahr der Raumkräfte für das Selb­st ist die Enge und Begren­ztheit des Egos, der Selb­s­theit Innen­macht (5 E). Die Gefahr der Zeitkräfte ist das Ent­fliehen des Selb­st, so wie jed­er Gegen­wartsmo­ment ent­flieht, ver­rin­nt (7 G).

Die Welt als Gegenüber, als Urbild der Seele und des Selb­st zeigt eine bedeu­tende Meta­mor­phose: Wel­ten­sein (5 E) Wel­tenof­fen­barung (6 F) Wel­tenlicht (7 G). Im Wel­ten­sein ist der Vater­gott ahn­bar, in der Wel­tenof­fen­barung der Sohnes­gott und im Wel­tenlicht der Heilige Geist. Der göt­tliche Vater und der Sohn wirken ohne men­schlich­es Zutun auf gute Art und Weise. Doch für das Wirken des hin­auf­saugen­den Wel­tenlicht­es muss der Men­sch erst genü­gend Kraft gesam­melt haben, um sein Selb­st auch in der geisti­gen Welt bewahren zu kön­nen. Erst dann kann der Heilige Geist nicht dro­hend, son­dern heilend wirken.