Der Zeit-Impuls des Mantras 2 B ergießt sich dreifach
| Vergangenheit-Vorbereitung | Gegenwart-Geist-Impuls | Zukunft-Vollendung |
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1 A Wenn aus den Weltenweiten Die Sonne spricht zum Menschensinn Und Freude aus den Seelentiefen Dem Licht sich eint im Schauen, Dann ziehen aus der Selbstheit Hülle Gedanken in die Raumesfernen Und binden dumpf Des Menschen Wesen an des Geistes Sein. |
2 B
In Äußere des Sinnesalls Verliert Gedankenmacht ihr Eigensein, Es finden Geisteswelten Den Menschensprossen wieder, Der seinen Keim in ihnen, Doch seine Seelenfrucht In sich muss finden. … |
3 C Es spricht zum Weltenall. Sich selbst vergessend Und seines Urstands eingedenk, Des Menschen wachsend Ich: In dir, befreiend mich Aus meiner Eigenheiten Fessel, Ergründe ich mein echtes Wesen. .… |
Der Zeitimpuls von 2 B: Ich-Werden
vorbereitet durch die Ansprache der Sonne — das kosmische Ich (1 A),
vollendet durch das Sprechen des menschlichen Ichs (3 C)
2 B - das Mantra der Woche: Im Mantra 2 B geht es um die Gedankenmacht. Es geht also nicht um den Prozess des Denkens, sondern um die Macht, die hinter dem Prozess wirkt, die die Gedanken führt, die Ideen kombiniert und dadurch im Innern schöpferisch wirkt. In der Gedankenmacht sehe ich den Willen im Denken ausgedrückt. Diese Macht wird willenhaft von jemandem ausgeübt. Hinter der Gedankenmacht steht also eine Entität, die im Mantra nicht genannt wird.
Im Innern hat diese Entität die alleinige Macht — die Gedankenmacht hat Eigensein — genauer gesagt ist sie ein eigenes Sein. Doch dieses Eigensein verliert sie, indem sie sich nach außen wendet und dem Sinnesall zuwendet. Das Sinnesall erscheint hier als das Gegenüber der Gedankenmacht. Durch die Hinwendung der Gedankenmacht an das Sinnesall, das ausdrücklich ein Äußeres ist, das also die äußere Wahrnehmungswelt meint — eben alles, was die Sinne dem Menschen vermitteln — dadurch geschieht mit der Gedankenmacht etwas. Sie verliert ihr Eigensein. Ich verstehe das so, dass das Denken seine Willkür verliert, indem es nun gemäß der beobachtbaren Tatsachen vorgehen muss. Aus Phantasterei wird ein Denken, das Wahrheit erkennt, weil die Sinne das Denken erziehen. Die im Innern schöpferische Gedankenmacht tritt in Beziehung mit der in der Welt waltenden Weisheit, die z.B. die Rosengewächse durch die Fünfzahl bildet, die Liliengewächse durch die Sechszahl und die Kreuzblütler durch die Vierzahl. Die Vorstellung von Gott als Geometer beruht auf dieser in der Welt zu findenden Weisheit. Denken bedeutet nun, dass der Mensch im Innern nachbildet, was Gott in der Welt zur Erscheinung gebracht hat.
Durch diese Angleichung der Gedankenmacht an die geistige weltschöpferische Macht, sagt das Mantra, finden die Geisteswelten den Menschen wieder. Sie finden ihn jedoch nicht als selbstbewusste Entität, sondern als Spross. Sie finden ihn als pflanzlich-unbewusstes Wesen, das aus diesen Geisteswelten hervorgekeimt ist. Das lässt an die Schilderung der Edda denken, der germanischen Mythologie, die erzählt, dass das erste Menschenpaar aus zwei Bäumen, aus Ask und Embla, erschaffen wurde. Der Mensch als Pflanze bzw. als Baum ist der paradiesische Mensch, der nicht schuldfähig ist. Doch auch der Schluss des Mantras beschreibt den Menschen pflanzenhaft, denn sein Ziel ist die Frucht, die er nun nicht im Außen, wie seinen Keim, sondern im Innern finden muss. Das legt den Gedanken nahe, dass es sich bei der Seelenfrucht um die Frucht des wieder pflanzenhaft rein gewordenen Menschen handelt. Oder will das Mantra sagen, dass der Mensch neben dem Aspekt des Schuldig-Seins als irdischer Mensch, der meist im Fokus steht, auch stets diese pflanzenhaft reine Seite hat, in der er Keim, Spross und Frucht ist?
Die Seelenfrucht muss er in sich, durch seine, ihn von der Geisteswelt unterscheidenden Kräfte finden. Was ihn von den höheren Hierarchien unterscheidet, ist seine Freiheitsfähigkeit. Adam hatte sich im Paradies die Frucht der Erkenntnis unrechtmäßig bzw. zu früh angeeignet. Nun ist es Aufgabe aller Menschen, diese Erkenntnisfrucht aus eigener Kraft zu finden. Jede Frucht enthält den Samen. Der Same fasst in sich die Selbsthervorbringungsmacht der Pflanze, von der er stammt. So ist die Seelenfrucht auch Same der Individualität und Ursache für ihre Wiedergeburt. Sicherlich sind hier auch an die geistigen Wesensglieder zu denken, die der Mensch durch die Arbeit seines Ichs an den drei “unteren” Wesensgliedern ausbilden soll.
Die Gedankenmacht, die im Mittelpunkt des Mantras 2 B steht, ist die Macht, die das eigene Ich im Innern erkennt — die die Tathandlung vollbringt, die Fichte (1762–1814) der Ich-Erkenntnis zugrunde legt. Rudolf Steiner sagt: “Fichte [suchte den menschlichen Geist], indem er in das Tiefste des menschlichen Ichs hineinzuleuchten versuchte und nicht sagte wie Descartes: Ich denke, also bin ich! Denn Fichte würde, wenn er nur hätte zu dem Gedanken des Descartes kommen können, gesagt haben: Da treffe ich ja in mir ein starres Sein, ein Sein, zu dem ich hinschauen muß. Das ist aber kein Ich. Ein Ich bin ich nur, wenn ich mein eigenes Dasein selber sichern kann jederzeit. Nicht durch den Gedankenakt, nicht durch bloßes Denken kann ich zu meinem Ich kommen, sondern durch eine Tathandlung. Das ist ein fortwährend Schöpferisches. Es ist nicht darauf angewiesen, auf sein Sein zu blicken, es verläßt sein voriges Sein; aber indem es die Kraft hat, sich im nächsten Augenblick wieder zu schaffen, aus der Tathandlung heraus, entsteht es immerfort aufs neue. Fichte ergreift den Gedanken nicht in seiner abstrakten Form, sondern in seinem unmittelbaren Leben auf dem Schauplatz des Gedankens selbst, wo er lebendig schafft und schöpferisch lebt.“ (Lit.: GA 64, S. 385, Hervorhebung A.F.)
Und noch differenzierter beschreibt Rudolf Steiner das Ich-Erlebnis hier: „Um das «Ich» als dasjenige zu erkennen, vermittelst dessen das Untertauchen der menschlichen Seele in die volle Wirklichkeit durchschaut werden kann, muß man sich sorgfältig davor bewahren, in dem gewöhnlichen Bewußtsein, das man von diesem «Ich» hat, das wirkliche Ich zu sehen. Wenn man, durch eine solche Verwechslung verführt, wie der Philosoph Descartes sagen wollte: «Ich denke, also bin ich», so würde man von der Wirklichkeit jedesmal dann widerlegt, wenn man schläft. Denn dann ist man, ohne daß man denkt. Das Denken verbürgt nicht die Wirklichkeit des «Ich». Aber ebenso gewiß ist, daß durch nichts anderes das wahre Ich erlebt werden kann als allein durch das reine Denken. Es ragt eben in das reine Denken, und für das gewöhnliche menschliche Bewußtsein nur in dieses, das wirkliche Ich herein. Wer bloß denkt, der kommt nur bis zu dem Gedanken des «Ich»; wer erlebt, was im reinen Denken erlebt werden kann, der macht, indem er das «Ich» durch das Denken erlebt, ein Wirkliches, das Form und Materie zugleich ist, zum Inhalte seines Bewußtseins. Aber außer diesem «Ich» gibt es zunächst für das gewöhnliche Bewußtsein nichts, was in das Denken Form und Materie zugleich hereinsenkt. Alle anderen Gedanken sind zunächst nicht Bilder einer vollen Wirklichkeit. Doch indem man im reinen Denken das wahre Ich als Erlebnis erfährt, lernt man kennen, was volle Wirklichkeit ist.“ (Lit.: GA 35, S. 103f, Hervorhebung fett A.F.)
Dieses wahre Ich, das verborgen bleibt und nur durch die Tathandlung des Denkens, durch die Gedankenmacht, indirekt erlebt werden kann, dieses Ich erkenne ich in der pflanzenhaften Beschreibung des Menschen als Keim, Sproß und Frucht im Mantra 2 B. Noch deutlicher zeigt sich dieses Ich im folgenden Zitat, indem Rudolf Steiner das psychologische Ich, das auf einen Mittelpunkt bezogen ist, vom reinen Ich unterscheidet. Und dieses pflanzenhaft reine Ich erscheint im Mantra 2 B gerade durch die Hinwendung der Gedankenmacht nach außen, zum Sinnesall — also indem die Mittelpunktbezogenheit aufgegeben wird.
1 A — die Vorbereitung: Im Mantra 1 A spricht die Sonne zum Menschensinn, zu der menschlichen Kraft, die aus der Vielzahl der Reize ein sinnvolles Muster erkennen kann. Das Ich ist die menschliche Sonne. Rudolf Steiner sagt: „Das Sonnenlicht ist nicht nur physisch, es ist auch seelisch-geistig; als letzteres löste es sich los vom Kosmischen und wurde Ich. … Wenn das Menschen-Ich noch immer an die Sonne gebunden wäre, könnten die Menschen auch nur so wie die Pflanzen zwischen Schlafen und Wachen wechseln. … Wir tragen unsere eigene Sonne in uns: das Ich ist ein Extrakt der Sonnenwirkung; … So sind wir im Schlaf in der geistigen Welt nicht angewiesen auf die kosmische Sonnenwirkung; unser Ich verrichtet, was sonst die Sonne tut; wir werden beschienen von unserem eigenen Ich …“ (Lit.: GA 140, S. 153)
Dieses kosmische Ich, die Sonne, spricht also zum Menschen, genauer zum Menschensinn. Sie spricht also zu dem im Menschen, was wahrnehmen und Sinn erkennen kann in dem Wahrgenommenen — zu seinem Verstand. Durch dieses Angesprochen-Sein wird Freude geweckt in den Seelentiefen — Freude über das Erleben der eigenen Existenz. Durch das Du, — durch das Berührt werden vom Anderen, durch seine Ansprache — wird der Mensch zum Ich, sagt Martin Buber sinngemäß. Und die Freude eint sich dem Licht, das von der Sonne kommt — und gleichzeitig sich zu entzünden beginnt durch die Erkenntnis des Sinns, denn die reine Perzeption wird nun zum Schauen, zum erkennenden Sehen.
Was erkannt wurde, was gedacht wurde, zieht als Gedanken aus der Hülle, dem Körper des Menschen, in Raumesfernen. Wie das Kind des apokalyptischen Weibes entrückt wird (Joh.-Offenb.12, 4–5), so werden die Gedanken des Menschen weit weg von ihm bewahrt, denn sie haben dort in den Raumesfernen eine wichtige Aufgabe zu erfüllen. Sie binden, ohne dass der Mensch darum weiß — dumpf — das Wesen des Menschen an das Sein des Geistes. Dieser ständige Prozess der Vergeistigung, der durch das Denken geschieht, ist die Gewähr, dass der Mensch nicht nur irdischer Mensch ist, sondern auch Geist — und damit ein Ich, denn das Ich ist der Geistfunke im Menschen.
Rudolf Steiner beschreibt das Ich tatsächlich als dunklen Fleck. “Nehmen Sie einmal an, Sie haben folgendes Bild: eine weiße Scheibe und innerhalb dieser Scheibe einen dunklen Fleck. Sie können nun fragen: Was nehme ich hier wahr? — Die weiße Scheibe. Da, wo kein Weiß ist, da sehen Sie den schwarzen Fleck. Ich will jetzt nicht darüber diskutieren, ob der schwarze Fleck ein Reales ist oder nur das Fehlen des Weißen. Aber Sie sehen diesen schwarzen Fleck. Sie sehen, dieser schwarze Fleck ist dort, wo kein Weiß ist, in der weißen Scheibe drinnen.

Nehmen Sie dieses Bild, so können Sie es anwenden auf die Art, wie Sie im gewöhnlichen Leben eigentlich Ihr Ich wahrnehmen. So wenig Sie hier (in der Mitte) etwas wahrnehmen, wo der schwarze Fleck ist, so wenig nehmen Sie eigentlich Ihr Ich wahr. Sie nehmen Ihr Ich gar nicht wahr, sondern Sie nehmen Ihre Erlebnisse wahr, die Sie während Ihrer verschiedenen Tagwachen durchgemacht haben. Und Ihr Ich nehmen Sie überhaupt nicht wahr; bloß dadurch, daß irgendwo, wenn Sie Ihre Erlebnisse überblicken, Ihre Erlebnisse nicht da sind, wie hier im schwarzen Fleck kein Weiß ist, nehmen Sie Ihr Ich wahr. Indem Sie zurückschauen auf Ihr Leben, nehmen Sie die Erlebnisse wahr, und Sie nehmen nicht wahr diese Unterbrechungen. Dafür nehmen Sie Ihr Ich wahr. Es ist also das Fehlen der Tageserlebnisse, das Ihnen in Wirklichkeit die Vorstellung Ihres Ich gibt, das heißt, indem Sie «Ich» sagen, nehmen Sie diejenige Zeit Ihres Lebens wahr, die Sie verschlafen haben. In der Tat, das Ausgesparte im Leben, wenn Sie zurückblicken, ist die Veranlassung zu Ihrer Ich-Wahrnehmung. Nehmen Sie an, Sie würden gar nicht schlafen, Sie würden immer wachen, dann würden Sie keine Ich-Wahrnehmung beim Rückblick haben. Sie würden sich vorkommen wie ein Wesen, das ichlos schwimmt in den Ereignissen des Weltendaseins. Es ist außerordentlich bedeutsam, diese Dinge einfach zu sehen. Denn jeder Mensch glaubt, die Wahrnehmung des Ich sei ein Erlebnis. Nein, die Wahrnehmung des Ich ist das jeweilige Loch in den Erlebnissen. Das bitte ich Sie zunächst festzuhalten.
… Mit Bezug auf das Wollen schläft der Mensch. Er schläft auch bei Tage, indem er ein wollender Mensch ist. Er wacht nur, indem er ein sinnlich wahrnehmender und verstandesmäßig Begriffe, Vorstellungen bildender Mensch ist. Er ist nur halb wach; für den anderen, für den wollenden Teil seines Wesens schläft der Mensch auch wachend. Und nun werden Sie begreifen, wie es sich eigentlich mit dem Ich verhält. Das geht gar nicht herein als ein reales Wesen in Ihre Sinneswahrnehmungen und in Ihre Vorstellungen, sondern das bleibt im Wollen unten und schläft da weiter auch vom Aufwachen bis zum Einschlafen. Deshalb können Sie es als ein reales Wesen nie sehen, sondern nur als den ausgesparten Kreis in der Mitte. Sie können das dunkle Gefühl haben, daß Sie ein Ich haben, indem aus dem Wollen heraus Ihnen etwas erklingt von dem, was Sie wie ein Loch in Ihren Seelenerlebnissen haben. Aber die Wahrnehmung des Ich ist eben eine durchaus negative. Das ist außerordentlich wichtig einzusehen.” (GA 191, S. 167ff)
Zur Verdeutlichung dessen, was diese Christuskraft sei, die im Menschen wirkt, fand ich von Rudolf Steiner folgendes Zitat: „Und viele, die heute sogenannte <Erweckte> sein wollen, die sagen: Ich erlebe den Gott in mir -, aber sie erleben eben nur den Vatergott, und den auch nur in einer abgeschwächten Gestalt, weil sie eigentlich nicht bemerken, dass sie krank sind und nur traditionell nachreden [die Physis trägt einen Stachel in sich, der Phantomleib ist zerstört]. … Aber alle diese haben keinen Christus, denn das Christus-Erlebnis besteht nicht aus einem Erleben des Gottes in der Menschenseele, sondern aus den zweien: aus dem Erleben des Todes in der Seele durch den Leib, und der Wiederauferstehung der Seele durch den Geist. Und derjenige, der der Menschheit sagt, dass er nicht bloß den Gott in sich fühlt, … sondern der reden kann von den zwei Ereignissen, von der Ohnmacht und von der Auferstehung aus der Ohnmacht, der redet von dem wirklichen Christus-Erlebnis. … man hat ihn [den Christus] gefunden, wenn man sich wiedergefunden hat, aber aus der Ohnmacht heraus. Das ganze Nichtigkeitsgefühl, das uns überkommt, wenn wir über die eigenen Kräfte ohne Hochmut nachdenken, das muss vorausgehen dem Christus-Impuls. … Aber gerade wenn wir in dieser Absicht drinnen stehen, die Wahrheit auszusprechen, und dann uns selbst besinnen über dieses Aussprechen der Wahrheit, da können wir einen ersten Schritt auf dem Wege tun zu dem Empfinden der Ohnmacht des menschlichen Leibes gegenüber der göttlichen Wahrheit. In dem Augenblicke, wo Sie wirklich Selbstbesinnung treiben über das Die-Wahrheit-Reden, kommen Sie nämlich auf etwas sehr Merkwürdiges. Der Dichter hat es gefühlt, indem er gesagt hat: Spricht die Seele, so spricht, ach! Schon die Seele nicht mehr. – Auf dem Wege, wodurch das, was wir innerlich in der Seele als Wahrheit wirklich erleben, zur Sprache wird, stumpft es sich bereits ab. Es ertötet sich in der Sprache noch nicht vollständig, aber es stumpft sich bereits ab. Und der, der die Sprache kennt, der weiß, dass nichts anderes als die Eigennamen die nur ein Ding immer bezeichnen, rechte Bezeichnungen für dieses Ding sind. Sobald wir generalisierte Namen haben, seien sie Haupt- Zeit- oder Eigenschaftswörter, sprechen wir nicht mehr voll die Wahrheit. Da besteht dann die Wahrheit darinnen, dass wir uns dessen bewusst sind, dass wir im Grunde genommen mit jedem Satze von der Wahrheit abweichen müssen“ (Steiner, GA 182, Wie finde ich den Christus, 16.10.1918, S. 187f).
Das Sonne-Werden der Erde
Das pflanzenhaft reine Sein des Menschen im Mantra 2 B scheint mir in Zusammenhang zu stehen, mit dem zukünftigen Sonne-Werden der Erde, das Rudolf Steiner hier beschreibt: „… dieses Etwas, das den Tod nicht mitmacht, was die Menschen sich nach und nach erobern durch den Einfluß des Christus-Impulses, das strömt nun zurück, das strömt hinaus in den Weltenraum, das bildet, je nachdem es stärker oder schwächer ist im Menschen, eine Kraft, die da hinausfließt in den Weltenraum. Und es wird diese Kraft eine Sphäre um die Erde herum bilden, die im Sonne- Werden ist. Eine Art von Geistes-Sphäre bildet sich um die Erde herum aus den lebendig gewordenen Ätherleibern. Ebenso wie das Christus- Licht von der Erde ausstrahlt, ebenso haben wir eine Art von Widerspiegelung des Christus-Lichtes im Umkreise der Erde. Was hier widergespiegelt wird als Christus-Licht, und was als Folge des Christus-Ereignisses eingetreten ist, ist das, was Christus den Heiligen Geist nennt. Ebenso wahr, wie die Erde ihr Sonne-Werden beginnt durch das Ereignis von Golgatha, ebenso wahr ist es, daß von diesem Ereignis an die Erde auch beginnt, schöpferisch zu werden und um sich herum einen geistigen Ring zu bilden, der später wiederum zu einer Art von Planet um die Erde wird […]
So entstehen Neubildungen von Welten! Das aber müssen wir verstehen, daß wir vor dem Ausgangspunkt einer neu sich bildenden Sonne stehen, indem wir den sterbenden Christus betrachten. Der Christus vermählt sich dem Tod, der auf der Erde der charakteristische Ausdruck des Vater-Geistes geworden ist. Der Christus geht hin zum Vater und vermählt sich mit seinem Ausdruck, dem Tod, — und unwahr wird das Bild des Todes, denn der Tod wird zum Samen einer neuen Sonne im Weltenall. Fühlen wir dieses Ereignis, fühlen wir dieses Unwahrwerden des Todes, fühlen wir, daß der Tod an dem Kreuze das Samenkorn wird, aus dem eine neue Sonne hervorsprießt, dann fühlen wir auch so recht, wie die Menschheit auf der Erde es hat empfinden und ahnen müssen als den allerwichtigsten Übergang innerhalb der Menschheitsentwickelung.“ (Lit.:GA 112, S. 249f, Hervorhebungen A.F.)

