Der Zeit-Impuls des Mantras 2 B ergießt sich dreifach

Ver­gan­gen­heit-Vor­bere­itung Gegen­wart-Geist-Impuls Zukun­ft-Vol­len­dung

1 A

Wenn aus den Weltenweiten

Die Sonne spricht zum Menschensinn

Und Freude aus den Seelentiefen

Dem Licht sich eint im Schauen,

Dann ziehen aus der Selb­s­theit Hülle

Gedanken in die Raumesfernen

Und binden dumpf

Des Men­schen Wesen an des Geistes Sein.

2 B

In Äußere des Sinnesalls

Ver­liert Gedanken­macht ihr Eigensein,

Es find­en Geisteswelten

Den Men­schen­sprossen wieder,

Der seinen Keim in ihnen,

Doch seine Seelenfrucht

In sich muss finden.

3 C

Es spricht zum Weltenall.

Sich selb­st vergessend

Und seines Urstands eingedenk,

Des Men­schen wach­send Ich:

In dir, befreiend mich

Aus mein­er Eigen­heit­en Fessel,

Ergründe ich mein echt­es Wesen.

.…

Der Zeitim­puls von 2 B: Ich-Werden

vor­bere­it­et durch die Ansprache der Sonne — das kos­mis­che Ich (1 A),

vol­len­det durch das Sprechen des men­schlichen Ichs (3 C)

2 B - das Mantra der Woche: Im Mantra 2 B geht es um die Gedankenmacht. Es geht also nicht um den Prozess des Denkens, son­dern um die Macht, die hin­ter dem Prozess wirkt, die die Gedanken führt, die Ideen kom­biniert und dadurch im Innern schöpferisch wirkt. In der Gedanken­macht sehe ich den Willen im Denken aus­ge­drückt. Diese Macht wird wil­len­haft von jeman­dem aus­geübt. Hin­ter der Gedanken­macht ste­ht also eine Entität, die im Mantra nicht genan­nt wird.

Im Innern hat diese Entität die alleinige Macht — die Gedanken­macht hat Eigen­sein — genauer gesagt ist sie ein eigenes Sein. Doch dieses Eigen­sein ver­liert sie, indem sie sich nach außen wen­det und dem Sin­nesall zuwen­det. Das Sin­nesall erscheint hier als das Gegenüber der Gedanken­macht. Durch die Hin­wen­dung der Gedanken­macht an das Sin­nesall, das aus­drück­lich ein Äußeres ist, das also die äußere Wahrnehmungswelt meint — eben alles, was die Sinne dem Men­schen ver­mit­teln — dadurch geschieht mit der Gedanken­macht etwas. Sie ver­liert ihr Eigen­sein. Ich ver­ste­he das so, dass das Denken seine Willkür ver­liert, indem es nun gemäß der beobacht­baren Tat­sachen vorge­hen muss. Aus Phan­tasterei wird ein Denken, das Wahrheit erken­nt, weil die Sinne das Denken erziehen. Die im Innern schöpferische Gedanken­macht tritt in Beziehung mit der in der Welt wal­tenden Weisheit, die z.B. die Rosen­gewächse durch die Fün­fzahl bildet, die Liliengewächse durch die Sech­szahl und die Kreuzblütler durch die Vierzahl. Die Vorstel­lung von Gott als Geome­ter beruht auf dieser in der Welt zu find­en­den Weisheit. Denken bedeutet nun, dass der Men­sch im Innern nach­bildet, was Gott in der Welt zur Erschei­n­ung gebracht hat.

Durch diese Angle­ichung der Gedanken­macht an die geistige weltschöpferische Macht, sagt das Mantra, find­en die Geis­teswel­ten den Men­schen wieder. Sie find­en ihn jedoch nicht als selb­st­be­wusste Entität, son­dern als Spross. Sie find­en ihn als pflan­zlich-unbe­wusstes Wesen, das aus diesen Geis­teswel­ten her­vorgekeimt ist. Das lässt an die Schilderung der Edda denken, der ger­man­is­chen Mytholo­gie, die erzählt, dass das erste Men­schen­paar aus zwei Bäu­men, aus Ask und Embla, erschaf­fen wurde. Der Men­sch als Pflanze bzw. als Baum ist der paradiesis­che Men­sch, der nicht schuld­fähig ist. Doch auch der Schluss des Mantras beschreibt den Men­schen pflanzen­haft, denn sein Ziel ist die Frucht, die er nun nicht im Außen, wie seinen Keim, son­dern im Innern find­en muss. Das legt den Gedanken nahe, dass es sich bei der See­len­frucht um die Frucht des wieder pflanzen­haft rein gewor­de­nen Men­schen han­delt. Oder will das Mantra sagen, dass der Men­sch neben dem Aspekt des Schuldig-Seins als irdis­ch­er Men­sch, der meist im Fokus ste­ht, auch stets diese pflanzen­haft reine Seite hat, in der er Keim, Spross und Frucht ist?

Die See­len­frucht muss er in sich, durch seine, ihn von der Geis­teswelt unter­schei­den­den Kräfte find­en. Was ihn von den höheren Hier­ar­chien unter­schei­det, ist seine Frei­heits­fähigkeit. Adam hat­te sich im Paradies die Frucht der Erken­nt­nis unrecht­mäßig bzw. zu früh angeeignet. Nun ist es Auf­gabe aller Men­schen, diese Erken­nt­n­is­frucht aus eigen­er Kraft zu find­en. Jede Frucht enthält den Samen. Der Same fasst in sich die Selb­s­ther­vor­bringungs­macht der Pflanze, von der er stammt. So ist die See­len­frucht auch Same der Indi­vid­u­al­ität und Ursache für ihre Wiederge­burt. Sicher­lich sind hier auch an die geisti­gen Wesens­glieder zu denken, die der Men­sch durch die Arbeit seines Ichs an den drei “unteren” Wesens­gliedern aus­bilden soll.

Die Gedanken­macht, die im Mit­telpunkt des Mantras 2 B ste­ht, ist die Macht, die das eigene Ich im Innern erken­nt — die die Tathand­lung voll­bringt, die Fichte (1762–1814) der Ich-Erken­nt­nis zugrunde legt. Rudolf Stein­er sagt: “Fichte [suchte den men­schlichen Geist], indem er in das Tief­ste des men­schlichen Ichs hineinzuleucht­en ver­suchte und nicht sagte wie Descartes: Ich denke, also bin ich! Denn Fichte würde, wenn er nur hätte zu dem Gedanken des Descartes kom­men kön­nen, gesagt haben: Da tre­ffe ich ja in mir ein star­res Sein, ein Sein, zu dem ich hin­schauen muß. Das ist aber kein Ich. Ein Ich bin ich nur, wenn ich mein eigenes Dasein sel­ber sich­ern kann jed­erzeit. Nicht durch den Gedanke­nakt, nicht durch bloßes Denken kann ich zu meinem Ich kom­men, son­dern durch eine Tathand­lung. Das ist ein fortwährend Schöpferisches. Es ist nicht darauf angewiesen, auf sein Sein zu blick­en, es ver­läßt sein voriges Sein; aber indem es die Kraft hat, sich im näch­sten Augen­blick wieder zu schaf­fen, aus der Tathand­lung her­aus, entste­ht es immer­fort aufs neue. Fichte ergreift den Gedanken nicht in sein­er abstrak­ten Form, son­dern in seinem unmit­tel­baren Leben auf dem Schau­platz des Gedankens selb­st, wo er lebendig schafft und schöpferisch lebt.“ (Lit.: GA 64, S. 385, Her­vorhe­bung A.F.)

Und noch dif­feren­ziert­er beschreibt Rudolf Stein­er das Ich-Erleb­nis hier: „Um das «Ich» als das­jenige zu erken­nen, ver­mit­telst dessen das Unter­tauchen der men­schlichen Seele in die volle Wirk­lichkeit durch­schaut wer­den kann, muß man sich sorgfältig davor bewahren, in dem gewöhn­lichen Bewußt­sein, das man von diesem «Ich» hat, das wirk­liche Ich zu sehen. Wenn man, durch eine solche Ver­wech­slung ver­führt, wie der Philosoph Descartes sagen wollte: «Ich denke, also bin ich», so würde man von der Wirk­lichkeit jedes­mal dann wider­legt, wenn man schläft. Denn dann ist man, ohne daß man denkt. Das Denken ver­bürgt nicht die Wirk­lichkeit des «Ich». Aber eben­so gewiß ist, daß durch nichts anderes das wahre Ich erlebt wer­den kann als allein durch das reine Denken. Es ragt eben in das reine Denken, und für das gewöhn­liche men­schliche Bewußt­sein nur in dieses, das wirk­liche Ich here­in. Wer bloß denkt, der kommt nur bis zu dem Gedanken des «Ich»; wer erlebt, was im reinen Denken erlebt wer­den kann, der macht, indem er das «Ich» durch das Denken erlebt, ein Wirk­lich­es, das Form und Materie zugle­ich ist, zum Inhalte seines Bewußt­seins. Aber außer diesem «Ich» gibt es zunächst für das gewöhn­liche Bewußt­sein nichts, was in das Denken Form und Materie zugle­ich here­in­senkt. Alle anderen Gedanken sind zunächst nicht Bilder ein­er vollen Wirk­lichkeit. Doch indem man im reinen Denken das wahre Ich als Erleb­nis erfährt, lernt man ken­nen, was volle Wirk­lichkeit ist.“ (Lit.: GA 35, S. 103f, Her­vorhe­bung fett A.F.)

Dieses wahre Ich, das ver­bor­gen bleibt und nur durch die Tathand­lung des Denkens, durch die Gedanken­macht, indi­rekt erlebt wer­den kann, dieses Ich erkenne ich in der pflanzen­haften Beschrei­bung des Men­schen als Keim, Sproß und Frucht im Mantra 2 B. Noch deut­lich­er zeigt sich dieses Ich im fol­gen­den Zitat, indem Rudolf Stein­er das psy­chol­o­gis­che Ich, das auf einen Mit­telpunkt bezo­gen ist, vom reinen Ich unter­schei­det. Und dieses pflanzen­haft reine Ich erscheint im Mantra 2 B ger­ade durch die Hin­wen­dung der Gedanken­macht nach außen, zum Sin­nesall — also indem die Mit­telpunk­t­be­zo­gen­heit aufgegeben wird.

„Das psy­chol­o­gis­che Ich entste­ht dadurch, daß ich alle meine Vorstel­lun­gen auf einen gemein­samen Mit­telpunkt beziehe, in dem sie sich durchkreuzen, und dieses Bezo­gen­sein der Vorstel­lun­gen auf einen gemein­samen Mit­telpunkt ist das psy­chol­o­gis­che Ich. Allein dem Bezo­gen­sein geht das Beziehen, der Tat das Tätig­sein vorher und kann ohne dieses nicht stat­tfind­en. Dieses psy­chol­o­gis­che Ich ist daher nicht mehr das ursprüngliche reine, son­dern ein durch Reflex­ion ent­standenes Ich, ent­standen durch die Tätigkeit des reinen Ich. Das reine Ich ist wed­er, noch ist es irgend etwas im streng­sten Sinne des Wortes. Sein ganzes ergreif­bares Wesen ist gegeben durch sein Tätig­sein, wir kön­nen nicht wis­sen, was es ist, son­dern nur, was es tut.“ (Lit.: Beiträge 30, S. 31, Her­vorhe­bun­gen A.F.)
Umrahmt wird das Mantra des reinen, des wahren Ichs von zwei “sprechen­den” Mantren. Im Mantra 1 A spricht die Sonne, das kos­mis­che Vor­bild des men­schlichen Ichs zum Men­schensinn, im Mantra 3 C tritt das Ich des Men­schen schließlich her­vor und spricht zum Weltenall.

1 A — die Vor­bere­itung: Im Mantra 1 A spricht die Sonne zum Men­schensinn, zu der men­schlichen Kraft, die aus der Vielzahl der Reize ein sin­nvolles Muster erken­nen kann. Das Ich ist die men­schliche Sonne. Rudolf Stein­er sagt: „Das Son­nen­licht ist nicht nur physisch, es ist auch seel­isch-geistig; als let­zteres löste es sich los vom Kos­mis­chen und wurde Ich. … Wenn das Men­schen-Ich noch immer an die Sonne gebun­den wäre, kön­nten die Men­schen auch nur so wie die Pflanzen zwis­chen Schlafen und Wachen wech­seln. … Wir tra­gen unsere eigene Sonne in uns: das Ich ist ein Extrakt der Son­nen­wirkung; … So sind wir im Schlaf in der geisti­gen Welt nicht angewiesen auf die kos­mis­che Son­nen­wirkung; unser Ich ver­richtet, was son­st die Sonne tut; wir wer­den beschienen von unserem eige­nen Ich …“ (Lit.: GA 140, S. 153)

Dieses kos­mis­che Ich, die Sonne, spricht also zum Men­schen, genauer zum Men­schensinn. Sie spricht also zu dem im Men­schen, was wahrnehmen und Sinn erken­nen kann in dem Wahrgenomme­nen — zu seinem Ver­stand. Durch dieses Ange­sprochen-Sein wird Freude geweckt in den See­len­tiefen — Freude über das Erleben der eige­nen Exis­tenz. Durch das Du, — durch das Berührt wer­den vom Anderen, durch seine Ansprache — wird der Men­sch zum Ich, sagt Mar­tin Buber sin­ngemäß. Und die Freude eint sich dem Licht, das von der Sonne kommt — und gle­ichzeit­ig sich zu entzün­den begin­nt durch die Erken­nt­nis des Sinns, denn die reine Perzep­tion wird nun zum Schauen, zum erken­nen­den Sehen.

Was erkan­nt wurde, was gedacht wurde, zieht als Gedanken aus der Hülle, dem Kör­p­er des Men­schen, in Raumes­fer­nen. Wie das Kind des apoka­lyp­tis­chen Weibes entrückt wird (Joh.-Offenb.12, 4–5), so wer­den die Gedanken des Men­schen weit weg von ihm bewahrt, denn sie haben dort in den Raumes­fer­nen eine wichtige Auf­gabe zu erfüllen. Sie binden, ohne dass der Men­sch darum weiß — dumpf — das Wesen des Men­schen an das Sein des Geistes. Dieser ständi­ge Prozess der Vergeis­ti­gung, der durch das Denken geschieht, ist die Gewähr, dass der Men­sch nicht nur irdis­ch­er Men­sch ist, son­dern auch Geist — und damit ein Ich, denn das Ich ist der Geist­funke im Menschen.

3 C — die Vol­len­dung: Im Mantra 3 C tritt das Ich des Men­schen schließlich sel­ber auf und es spricht in wörtlich­er Rede. Es ist das wach­sende, sich in Entwick­lung befind­liche, men­schliche Ich, das hier zum Wel­te­nall spricht. Es ist also zunächst das All­t­ags-Ich, das psy­chol­o­gis­che Ich des Men­schen, das hier dem Wel­te­nall begeg­net. Doch vom ange­sproch­enen Part­ner, vom Wel­te­nall erfahren wir kein­er­lei Reak­tion. Es kommt nicht zu ein­er Wech­sel­seit­igkeit. The­ma des Mantras ist allein, was das Men­schen-Ich durch sein Sprechen erlebt, welche Wand­lun­gen es vollzieht.
Während sich das Men­schen-Ich an das Wel­te­nall wen­det, ver­gisst es sich sel­ber. Dieses Ich schläft in die Wahrnehmung hinein, die es von seinem Gegenüber dem Wel­te­nall hat. Das geschieht uns beständig, sagt Rudolf Stein­er. Während das Wahrgenommene in der Seele lebt, schläft sie für ihr Eigen­sein, ihr Bewusst­sein von sich selb­st und erwacht erst wieder, wenn der Urteil­sprozess, das Denken begin­nt. Doch im Mantra ver­gisst das men­schliche Ich sich nicht nur, angesichts des sicher­lich gewalti­gen Anblicks des Wel­te­nalls, es erwacht im Denken auch für seinen Urstand. Das Ich ist seines Urstands, seines Urzu­s­tands, seines Ursprungs eingedenk.
Was ist das Wel­te­nall und wie hängt es mit dem Ich zusam­men, dass sein Anblick dessen Urstand ins Bewusst­sein treten lässt? Sicher­lich ist mit dem Wel­te­nall der gestirnte Him­mel gemeint, der die Erde umgibt, auch wenn die Sterne bei Tag unsicht­bar sind. Schon viele Men­schen haben angesichts der Majestät des gestirn­ten Him­mels ihre eigene Klein­heit erlebt — sich selb­st vergessen, und eine Ahnung stieg in ihnen auf von der eige­nen himm­lis­chen Herkun­ft, ihres eige­nen geisti­gen Seins. Sie erin­nerten sich, dass sie ein leuch­t­en­der Funke sind des uner­messlichen Urlichts. Im Mantra 1 A sprach die Sonne zum Men­schensinn, das hier ange­sproch­ene Wel­te­nall bleibt jedoch stumm. Es ist Katalysator für die Geschehnisse des Ichs, kein inter­agieren­des Du, wie es die Geis­teswel­ten, ver­mit­telt durch die Hin­wen­dung zum Sin­nesall, im Mantra 2 B waren. Die See­len­hal­tung des mod­er­nen Men­schen, für den die Welt stumm gewor­den ist, spricht sich in diesem Mantra aus.
Und was sagt nun dieses sich entwick­el­nde Ich des Men­schen dem Wel­te­nall, nach­dem es sich selb­st vergessen und seinen Urstand wieder ins Bewusst­sein gehoben hat? Es sagt zum einen, und spricht dabei das Wel­te­nall als Du an, dass es sich in ihm befre­it aus der Fes­sel der Eigen­heit; und zum anderen, dass es sein eigenes Wesen ergründet.
Die Fes­sel der Eigen­heit ist die Gefan­gen­schaft im Ego, die wie Fes­seln erlebte Iden­ti­fika­tion mit dem eige­nen Kör­p­er. Und die Eigen­heit ist auch das Erleben, ein von allen anderen Wesen getren­ntes Indi­vidu­um zu sein. Es sind viele Eigen­heit­en, denn jed­er Men­sch unter­schei­det sich vom Anderen durch unzäh­lige Aspekte.
Und weit­er sagt das Ich des Men­schen im Mantra 3 C zum Wel­te­nall, dass es durch die Befreiung von der Fes­sel des Ego­is­mus sein echt­es Wesen ergrün­det. In ihm, dem Wel­te­nall, gelingt dem Ich diese Befreiung und dadurch kann es erst sein echt­es Wesen ergrün­den. Das wach­sende, sich entwick­el­nde Ich des Men­schen ist also dem Wel­te­nall ähn­lich. Es ist nicht nur der Sonne ver­wandt, auch dem Nachthim­mel. Es ist nicht nur ausstrahlen­des Zen­trum, son­dern auch bergen­der Raum.

Rudolf Stein­er beschreibt das Ich tat­säch­lich als dun­klen Fleck. “Nehmen Sie ein­mal an, Sie haben fol­gen­des Bild: eine weiße Scheibe und inner­halb dieser Scheibe einen dun­klen Fleck. Sie kön­nen nun fra­gen: Was nehme ich hier wahr? — Die weiße Scheibe. Da, wo kein Weiß ist, da sehen Sie den schwarzen Fleck. Ich will jet­zt nicht darüber disku­tieren, ob der schwarze Fleck ein Reales ist oder nur das Fehlen des Weißen. Aber Sie sehen diesen schwarzen Fleck. Sie sehen, dieser schwarze Fleck ist dort, wo kein Weiß ist, in der weißen Scheibe drinnen.

Nehmen Sie dieses Bild, so kön­nen Sie es anwen­den auf die Art, wie Sie im gewöhn­lichen Leben eigentlich Ihr Ich wahrnehmen. So wenig Sie hier (in der Mitte) etwas wahrnehmen, wo der schwarze Fleck ist, so wenig nehmen Sie eigentlich Ihr Ich wahr. Sie nehmen Ihr Ich gar nicht wahr, son­dern Sie nehmen Ihre Erleb­nisse wahr, die Sie während Ihrer ver­schiede­nen Tag­wachen durchgemacht haben. Und Ihr Ich nehmen Sie über­haupt nicht wahr; bloß dadurch, daß irgend­wo, wenn Sie Ihre Erleb­nisse überblick­en, Ihre Erleb­nisse nicht da sind, wie hier im schwarzen Fleck kein Weiß ist, nehmen Sie Ihr Ich wahr. Indem Sie zurückschauen auf Ihr Leben, nehmen Sie die Erleb­nisse wahr, und Sie nehmen nicht wahr diese Unter­brechun­gen. Dafür nehmen Sie Ihr Ich wahr. Es ist also das Fehlen der Tage­ser­leb­nisse, das Ihnen in Wirk­lichkeit die Vorstel­lung Ihres Ich gibt, das heißt, indem Sie «Ich» sagen, nehmen Sie diejenige Zeit Ihres Lebens wahr, die Sie ver­schlafen habenIn der Tat, das Aus­ges­parte im Leben, wenn Sie zurück­blick­en, ist die Ver­an­las­sung zu Ihrer Ich-Wahrnehmung. Nehmen Sie an, Sie wür­den gar nicht schlafen, Sie wür­den immer wachen, dann wür­den Sie keine Ich-Wahrnehmung beim Rück­blick haben. Sie wür­den sich vorkom­men wie ein Wesen, das ich­los schwimmt in den Ereignis­sen des Wel­tenda­seins. Es ist außeror­dentlich bedeut­sam, diese Dinge ein­fach zu sehen. Denn jed­er Men­sch glaubt, die Wahrnehmung des Ich sei ein Erleb­nis. Nein, die Wahrnehmung des Ich ist das jew­eilige Loch in den Erleb­nis­sen. Das bitte ich Sie zunächst festzuhalten.

… Mit Bezug auf das Wollen schläft der Men­sch. Er schläft auch bei Tage, indem er ein wol­len­der Men­sch ist. Er wacht nur, indem er ein sinnlich wahrnehmender und ver­standesmäßig Begriffe, Vorstel­lun­gen bilden­der Men­sch ist. Er ist nur halb wach; für den anderen, für den wol­len­den Teil seines Wesens schläft der Men­sch auch wachend. Und nun wer­den Sie begreifen, wie es sich eigentlich mit dem Ich ver­hält. Das geht gar nicht here­in als ein reales Wesen in Ihre Sinneswahrnehmungen und in Ihre Vorstel­lun­gen, son­dern das bleibt im Wollen unten und schläft da weit­er auch vom Aufwachen bis zum Ein­schlafen. Deshalb kön­nen Sie es als ein reales Wesen nie sehen, son­dern nur als den aus­ges­parten Kreis in der Mitte. Sie kön­nen das dun­kle Gefühl haben, daß Sie ein Ich haben, indem aus dem Wollen her­aus Ihnen etwas erklingt von dem, was Sie wie ein Loch in Ihren See­len­er­leb­nis­sen haben. Aber die Wahrnehmung des Ich ist eben eine dur­chaus neg­a­tive. Das ist außeror­dentlich wichtig einzuse­hen.” (GA 191, S. 167ff)

Alle drei Mantren schildern eine Beziehung, sodass das Chris­tus­wort, <wenn zwei oder drei in meinem Namen zusam­men sind, so bin ich mit­ten unter ihnen> für den sich dreifach ent­fal­tenden Impuls von 2 B in beson­derem Maße gilt.

Zur Verdeut­lichung dessen, was diese Chris­tuskraft sei, die im Men­schen wirkt, fand ich von Rudolf Stein­er fol­gen­des Zitat: „Und viele, die heute soge­nan­nte <Erweck­te> sein wollen, die sagen: Ich erlebe den Gott in mir -, aber sie erleben eben nur den Vater­gott, und den auch nur in ein­er abgeschwächt­en Gestalt, weil sie eigentlich nicht bemerken, dass sie krank sind und nur tra­di­tionell nachre­den [die Physis trägt einen Stachel in sich, der Phan­tom­leib ist zer­stört]. … Aber alle diese haben keinen Chris­tus, denn das Chris­tus-Erleb­nis beste­ht nicht aus einem Erleben des Gottes in der Men­schenseele, son­dern aus den zweien: aus dem Erleben des Todes in der Seele durch den Leib, und der Wieder­aufer­ste­hung der Seele durch den Geist. Und der­jenige, der der Men­schheit sagt, dass er nicht bloß den Gott in sich fühlt, … son­dern der reden kann von den zwei Ereignis­sen, von der Ohn­macht und von der Aufer­ste­hung aus der Ohn­macht, der redet von dem wirk­lichen Chris­tus-Erleb­nis. … man hat ihn [den Chris­tus] gefun­den, wenn man sich wiederge­fun­den hat, aber aus der Ohn­macht her­aus. Das ganze Nichtigkeits­ge­fühl, das uns überkommt, wenn wir über die eige­nen Kräfte ohne Hochmut nach­denken, das muss voraus­ge­hen dem Chris­tus-Impuls. … Aber ger­ade wenn wir in dieser Absicht drin­nen ste­hen, die Wahrheit auszus­prechen, und dann uns selb­st besin­nen über dieses Aussprechen der Wahrheit, da kön­nen wir einen ersten Schritt auf dem Wege tun zu dem Empfind­en der Ohn­macht des men­schlichen Leibes gegenüber der göt­tlichen Wahrheit. In dem Augen­blicke, wo Sie wirk­lich Selb­st­besin­nung treiben über das Die-Wahrheit-Reden, kom­men Sie näm­lich auf etwas sehr Merk­würdi­ges. Der Dichter hat es gefühlt, indem er gesagt hat: Spricht die Seele, so spricht, ach! Schon die Seele nicht mehr. – Auf dem Wege, wodurch das, was wir inner­lich in der Seele als Wahrheit wirk­lich erleben, zur Sprache wird, stumpft es sich bere­its ab. Es ertötet sich in der Sprache noch nicht voll­ständig, aber es stumpft sich bere­its ab. Und der, der die Sprache ken­nt, der weiß, dass nichts anderes als die Eigen­na­men die nur ein Ding immer beze­ich­nen, rechte Beze­ich­nun­gen für dieses Ding sind. Sobald wir gen­er­al­isierte Namen haben, seien sie Haupt- Zeit- oder Eigen­schaftswörter, sprechen wir nicht mehr voll die Wahrheit. Da beste­ht dann die Wahrheit darin­nen, dass wir uns dessen bewusst sind, dass wir im Grunde genom­men mit jedem Satze von der Wahrheit abwe­ichen müssen“ (Stein­er, GA 182, Wie finde ich den Chris­tus, 16.10.1918, S. 187f).

Das Sonne-Werden der Erde

Das pflanzen­haft reine Sein des Men­schen im Mantra 2 B scheint mir in Zusam­men­hang zu ste­hen, mit dem zukün­fti­gen Sonne-Wer­den der Erde, das Rudolf Stein­er hier beschreibt: „… dieses Etwas, das den Tod nicht mit­macht, was die Men­schen sich nach und nach erobern durch den Ein­fluß des Chris­tus-Impuls­es, das strömt nun zurück, das strömt hin­aus in den Wel­tenraum, das bildet, je nach­dem es stärk­er oder schwäch­er ist im Men­schen, eine Kraft, die da hin­aus­fließt in den Wel­tenraum. Und es wird diese Kraft eine Sphäre um die Erde herum bilden, die im Sonne- Wer­den ist. Eine Art von Geistes-Sphäre bildet sich um die Erde herum aus den lebendig gewor­de­nen Äther­leibern. Eben­so wie das Chris­tus- Licht von der Erde ausstrahlt, eben­so haben wir eine Art von Wider­spiegelung des Chris­tus-Licht­es im Umkreise der Erde. Was hier widerge­spiegelt wird als Chris­tus-Licht, und was als Folge des Chris­tus-Ereigniss­es einge­treten ist, ist das, was Chris­tus den Heili­gen Geist nen­nt. Eben­so wahr, wie die Erde ihr Sonne-Wer­den begin­nt durch das Ereig­nis von Gol­gatha, eben­so wahr ist es, daß von diesem Ereig­nis an die Erde auch begin­nt, schöpferisch zu wer­den und um sich herum einen geisti­gen Ring zu bilden, der später wiederum zu ein­er Art von Plan­et um die Erde wird […]

So entste­hen Neu­bil­dun­gen von Wel­ten! Das aber müssen wir ver­ste­hen, daß wir vor dem Aus­gangspunkt ein­er neu sich bilden­den Sonne ste­hen, indem wir den ster­ben­den Chris­tus betra­cht­en. Der Chris­tus ver­mählt sich dem Tod, der auf der Erde der charak­ter­is­tis­che Aus­druck des Vater-Geistes gewor­den ist. Der Chris­tus geht hin zum Vater und ver­mählt sich mit seinem Aus­druck, dem Tod, — und unwahr wird das Bild des Todes, denn der Tod wird zum Samen ein­er neuen Sonne im Wel­te­nall. Fühlen wir dieses Ereig­nis, fühlen wir dieses Unwahrw­er­den des Todes, fühlen wir, daß der Tod an dem Kreuze das Samenko­rn wird, aus dem eine neue Sonne her­vor­s­prießt, dann fühlen wir auch so recht, wie die Men­schheit auf der Erde es hat empfind­en und ahnen müssen als den aller­wichtig­sten Über­gang inner­halb der Men­schheit­sen­twick­elung.“ (Lit.:GA 112, S. 249f, Her­vorhe­bun­gen A.F.)