Der Zeit-Impuls des Mantras 1 A ergießt sich dreifach

Ver­gan­gen­heit: Vorbereitung Gegen­wart: Geist-Impuls Zukun­ft: Vollendung

52 z

Wenn aus den Seelentiefen

Der Geist sich wen­det zu dem Weltensein,

Und Schön­heit quillt aus Raumesweiten,

Dann zieht aus Himmelsfernen

Des Lebens Kraft in Menschenleiber

Und einet, machtvoll wirkend,

Des Geistes Wesen mit dem Menschensein.

.….

1 A

Wenn aus den Weltenweiten

Die Sonne spricht zum Menschensinn

Und Freude aus den Seelentiefen

Dem Licht sich eint im Schauen,

Dann ziehen aus der Selb­s­theit Hülle

Gedanken in die Raumesfernen

Und binden dumpf

Des Men­schen Wesen an des Geistes Sein.

2 B

In Äußere des Sinnesalls

Ver­liert Gedanken­macht ihr Eigensein,

Es find­en Geisteswelten

Den Men­schen­sprossen wieder,

Der seinen Keim in ihnen,

Doch seine Seelenfrucht

In sich muss finden.

Der Zeitim­puls von 1 A: Denken

vor­bere­it­et durch das einziehende Leben (52 z),

vol­len­det durch das objek­tiv wer­dende Denken (2 B)

1 A — das Mantra der Woche: Durch die Wahrnehmung, dem Aufnehmen der Son­nen­sprache, entste­ht das Denken als Antwort des men­schlichen Geistes. Der men­schliche Geist ord­net die Vielzahl der Sin­ne­sein­drücke, fasst sie in Begrif­f­en zusam­men und erschafft dadurch seinen Gedankenkos­mos. Diese schöpferische Tätigkeit vol­lzieht sich geistig und ist urmen­schlich. Diese Sinnsuche vol­lzieht sich bere­its, wenn das Baby im Mut­ter­leib die Stimme der Mut­ter erken­nt, wenn es ein Gesicht erin­nert — also lange bevor der Men­sch seine Mut­ter­sprache gel­ernt hat, sich als Ich erfassen, der Welt bewusst gegenübertreten und sein Denken reflek­tieren kann. Die Bewe­gun­gen der Sinnsuche gle­ichen Reflexbe­we­gun­gen, so unbe­wusst ver­laufen sie und liegen der Sprachen­twick­lung zugrunde. Die Gedanken­bil­dun­gen wirken also zunächst dumpf, wie das Mantra sagt. Doch dadurch ist der Men­sch von Anfang an geistig tätiger Schöpfer und den Geset­zen des Geistes unter­wor­fen. Das Mantra sagt, dass der Men­sch durch die in Raumes­fer­nen ziehen­den Gedanken unbe­wusst, dumpf an das Sein des Geistes gebun­den ist. Als geistiges Wesen ist der Men­sch den Geset­zen des Geistes unter­wor­fen. Selb­stre­dend ist das, was am Men­schen irdisch ist, den Geset­zen der Erde unter­wor­fen, doch davon spricht das Mantra nicht.

52 z — die Vor­bere­itung: Hier ist die Hin­wen­dung des men­schlichen Geistes zum Wel­ten­sein der Aus­gangspunkt, also das Wahrnehmen-Wollen des Men­schen. Im Mantra 1 A bildet die Sonne den Aus­gangspunkt, die durch ihr Sprechen die Wahrnehmung des Men­schen her­aus­fordert, um das Denken zu erwecken.

Im zweit­en Teil des Mantras erkenne ich die Vor­bere­itung für das Mantra 1 A. Voraus­set­zung für das Denken ist das Bewusst­sein erschaf­fende Leben im Leib. Durch die Leben­skraft, die im Herzen durch die Ätheri­sa­tion zu Bewusst­sein wird, ist Denken möglich. Deshalb wird der Men­sch durch das einziehende Leben gle­ichzeit­ig mit dem Geist begabt. Der Geist eint sich mit dem Men­schen, weil das Leben sel­ber aus der geisti­gen Welt stammt — sel­ber Geist ist. Der Zusam­men­hang von Leben und Denken wird in der Schöp­fungs­geschichte der Bibel deut­lich. Dort wird erzählt, dass Gott den Men­schen aus Lehm formte und ihm den lebendi­gen Odem, den Atem, ein­hauchte (1.Mose 2,7). Nach­dem er ihn in das Paradies geset­zt und die Bäume erschaf­fen hat­te, wird von den vier Paradies­flüssen erzählt. Erst danach wer­den die Tiere und Fis­che erschaf­fen und der Men­sch bekam den Auf­trag, ihnen allen Namen zu geben (1.Mose 2,19–20).

2 B — die Vol­len­dung: Das Mantra sagt, dass die Gedanken­macht ihr Eigen­sein ver­liert, indem sie ins Äußere des Sin­nesalls gelangt. Ich stelle mir vor, dass die Gedanken­macht um so objek­tiv­er wird, je weit­er sie sich vom denk­enden Men­schen ent­fer­nt. Gedanken im Innern des Men­schen, z.B. über Gefüh­le und innere Vorgänge sind notwendi­ger­weise sub­jek­tiv. Doch je mehr die Gedanken sich von den Sinneswahrnehmungen belehren lassen, je weit­er sie ins Sin­nesall ein­drin­gen, desto objek­tiv­er wer­den sie. Indem die Gedanken all­ge­me­ingültig wer­den, wer­den sie unbe­gren­zt und geistgemäß.

Durch das Studi­um der Gedanken eines Men­schen lernt man den Men­schen ken­nen. Durch das Studi­um der in der Welt vorhan­de­nen Weisheit, lernt man ken­nen, wer all dies gedacht und damit erschaf­fen hat. Diese Macht wird der Logos genan­nt. Durch das objek­tiv wer­den der Gedanken find­et deshalb eine Begeg­nung statt zwis­chen dem Men­schen und dem Göt­tlichen. Die Geis­teswel­ten find­en den Men­schen wieder, sie nehmen ihn wieder auf in die geisti­gen Sphären. Auch der Men­sch ist durch diese göt­tliche Weisheit gebildet. In dieser Weisheit hat der Men­sch seinen Keim zu erblick­en. Doch die Frucht seines Lebens kann nicht schon in der Weisheit vorgegeben sein. Seine See­len­frucht muss der Men­sch in sich find­en. Diese Frucht kann nur sel­ber gebildetes wer­den. Sie entste­ht aus eigen­ständig neu geschöpften Gedanken, aus Erken­nt­nis­sen, die aus dem Nichts geboren sind.

In der Dreier­gruppe der Sprüche ist im Mantra 52 z die Voraus­set­zung für das Denken beschrieben: das Einziehen des Lebens in den Leib. Das Leben ist das “Bren­n­ma­te­r­i­al” des Bewusst­seins und damit des Denkens. Dann wird im Mantra 1 A beschrieben, wie das Denken durch die Wahrnehmung her­vorgerufen wird und die Gedanken aus der Hülle der Selb­s­theit her­ausziehen. Sie steigen wie Rauch auf. Durch ihren unbe­wussten, dumpfen Vol­lzug binden sie das Wesen des Men­schen an das Sein des Geistes. Zulet­zt, im Mantra 2 B, wird das durch die Wahrnehmungswelt, das Sin­nesall, objek­tiv wer­dende Denken dargestellt. Dieses Denken kann von der geisti­gen Welt wieder wahrgenom­men wer­den. Es ist hell wie das Licht des Feuers.

Auferstehung des Ätherleibs — die Gedanken Anderer aufgreifen

Rudolf Stein­er beschreibt, welche Macht Gedanken haben. Wer­den Ideen eines anderen Men­schen bewegt und weit­er­en­twick­elt, macht es den Men­schen größer, als er im Leben war. Sie lassen den Ver­stor­be­nen aufer­ste­hen. „Das Geistige ist um uns herum, wie es um die Men­schen des Alter­tums noch nicht geistig herum war. Der Äther­leib wird von der Seele abge­tren­nt als eine Art zweit­er Leich­nam, aber er wird durch den Chris­tus-Impuls, der geblieben ist von dem Mys­teri­um von Gol­gatha, in gewiss­er Weise doch kon­serviert, löst sich nicht rein auf, wird kon­serviert. Und wenn man – lassen Sie mich jet­zt das Wort <Glaube> so brauchen, wie ich es definiert habe [<Was soll der Glaube? Er soll etwas bewirken, etwas her­vor­brin­gen. Er soll nicht bloß eine Vorstel­lung, ein Wis­sen erweck­en; wenn man ihn hat, den Glauben, soll etwas geschehen kön­nen durch den Glauben.> (GA 175, S. 206)] … — wenn man den Glauben hat, Goethe ist als Äther­leib aufer­standen, und sich dann an sein Studi­um macht, dann wer­den in einem selb­st seine Begriffe und Vorstel­lun­gen lebendig, und man schildert ihn nicht so, wie er war, son­dern wie er heute ist. Dann hat man den Begriff der Aufer­ste­hung ins Leben über­tra­gen. Dann glaubt man an die Aufer­ste­hung. Dann kann man davon sprechen, dass man nicht bloß an die toten Vorstel­lun­gen glaubt, son­dern an das lebendi­ge Fortwirken der Vorstel­lun­gen. Denn das hängt mit einem tiefen Mys­teri­um der neueren Zeit zusam­men. Wir mögen denken, was wir wollen – für unser Fühlen und Wollen gilt das nicht, was ich sage, aber für unser Denken und Vorstellen gilt es -, wir mögen denken, was wir wollen: solange wir im physis­chen Leibe sind, gibt es ein Hin­der­nis dafür, dass die Vorstel­lun­gen sich in der richti­gen Weise ausleben kön­nen. Möge Goethe noch so groß gewe­sen sein, seine Vorstel­lun­gen waren noch größer als er sel­ber. Denn dass sie so groß haben wer­den kön­nen, wie sie waren, und nicht größer, daran war sein physis­ch­er Leib schuld. In dem Augen­blick, wo sie sich vom physis­chen Leibe tren­nen kon­nten – ich meine jet­zt die Vorstel­lun­gen, die im Äther­leibe in gewiss­er Weise weit­er­leben, nicht sein Fühlen und Wollen – und wo sie aufgenom­men wer­den kön­nen von jemand, der sie in Liebe aufn­immt und wei­t­er­denkt, da wer­den sie noch etwas anderes, da gewin­nen sie ein neues Leben. Glauben Sie, dass die erste Gestalt, in der Vorstel­lun­gen bei jemand auf­tauchen kön­nen, unter keinen Umstän­den die let­zte Gestalt dieser Vorstel­lun­gen gibt; son­dern glauben Sie an eine Aufer­ste­hung der Vorstel­lun­gen! Und glauben Sie so fest daran, dass Sie gerne anknüpften, jet­zt nicht bloß in Ihrem Blut an Ihre Vor­fahren, son­dern an die geisti­gen See­len­vor­fahren, und diese find­en; es brauchen nicht Goethes zu sein, son­dern es kön­nen der näch­st­beste Müller oder Schulze sein. Erfüllen Sie den Chris­tus-Ausspruch: nicht nur anzuknüpfen an die Leiber mit dem Blute, son­dern anzuknüpfen an die See­len mit dem Geist, dann machen Sie wirk­sam, im Leben unmit­tel­bar wirk­sam den Gedanken der Aufer­ste­hung. Dann glauben Sie im Leben an die Aufer­ste­hung“. (GA 175, S. 330–331)

Warum war es vor Chris­tus anders? Hier war es nicht der Men­sch, der sel­ber dachte, son­dern der Engel dachte in ihm. Rudolf Stein­er sagt: “In den Zeit­en der ägyp­tis­chen, der chaldäis­chen Zeit, in den älteren Zeit­en der hebräis­chen Zivil­i­sa­tion würde nie­mand etwas anderes gesagt haben, als: Der Engel erken­nt in mir, und ich nehme Teil als Men­sch an der Erken­nt­nis des Engels. Der Engel wohnt in mir, der erken­nt, und ich mache das mit, was der Engel erken­nt.“ (Lit.: GA 204, S. 269f) Bevor der eigene Ver­stand im Men­schen aktiv wurde, waren deshalb die Gedanken keine per­sön­lichen Gedanken. Es han­delte sich um all­ge­mein­men­schlich­es Weisheitsgut, das möglichst unverän­dert weit­ergegeben wer­den musste.

Doch heute leben die aus eigen­er Kraft gebilde­ten Gedanken nach dem Tod weit­er — z.B. in Büch­ern. Wer­den sie von anderen Men­schen aufgenom­men, weit­er­en­twick­elt, so erlebt der Äther­leib dieses Men­schen Aufer­ste­hung. Spricht dieser Äther­leib dann gle­ich der Sonne im Mantra 1 A zum Men­schensinn des z.B. Lesenden?