Der Zeit-Impuls des Mantras 11 L ergießt sich dreifach

Ver­gan­gen­heit-Vor­bere­itung Gegen­wart-Geist-Impuls Zukun­ft-Vol­len­dung
10 K

Zu som­mer­lichen Höhen

Erhebt der Sonne leuch­t­end Wesen sich,

Es nimmt mein men­schlich Fühlen

In seine Raumesweit­en mit,

Erah­nend regt im Innern sich

Empfind­ung, dumpf mir kündend,

Erken­nen wirst du einst:

Dich fühlte jet­zt ein Gotteswe­sen.

11 L

Es ist in dieser Son­nenstunde

An dir, die weise Kunde zu erkennen:

An Wel­tenschön­heit hingegeben,

In dir dich füh­lend zu durchleben:

Ver­lieren kann das Menschen-Ich

Und find­en sich im Welten-Ich.

12 !

Der Wel­ten Schönheitsglanz

Er zwinget mich aus Seelentiefen

Des Eigen­lebens Göt­terkräfte

Zum Wel­tenfluge zu entbinden;

Mich sel­ber zu verlassen,

Ver­trauend nur mich suchend

In Wel­tenlicht und Weltenwärme.

 

Der Zeitim­puls von 11 L: Dual­ität überwinden

vor­bere­it­et durch das Gefühlt-Wer­den vom Gotteswe­sen (10 K)

vol­len­det durch den Wel­tenflug mit den Göt­terkräften des Eigen­lebens (12 !)

Subjekt und Objekt und die Überwindung der Dualität

Der Men­sch erlebt sich der Welt gegenüber­ste­hend. Er fühlt sich getren­nt. Doch diese Tren­nung gibt es in Wirk­lichkeit nicht, der Men­sch bewirkt sie durch sein Denken, sagt Rudolf Stein­er: „Nun darf aber nicht überse­hen wer­den, dass wir uns nur mit Hil­fe des Denkens als Sub­jekt bes­tim­men und uns den Objek­ten ent­ge­genset­zen kön­nen. Deshalb darf das Denken niemals als eine bloß sub­jek­tive Tätigkeit aufge­fasst wer­den. Das Denken ist jen­seits von Sub­jekt und Objekt. Es bildet diese bei­den Begriffe eben­so wie alle anderen. Wenn wir als denk­endes Sub­jekt also den Begriff auf ein Objekt beziehen, so dür­fen wir diese Beziehung nicht als etwas bloß Sub­jek­tives auf­fassen. Nicht das Sub­jekt ist es, welch­es die Beziehung her­beiführt, son­dern das Denken. Das Sub­jekt denkt nicht deshalb, weil es Sub­jekt ist; son­dern es erscheint sich als ein Sub­jekt, weil es zu denken ver­mag. Die Tätigkeit, die der Men­sch als denk­endes Wesen ausübt, ist also keine bloß sub­jek­tive, son­dern eine solche, die wed­er sub­jek­tiv noch objek­tiv ist, eine über diese bei­den Begriffe hin­aus­ge­hende. Ich darf niemals sagen, dass mein indi­vidu­elles Sub­jekt denkt; dieses lebt vielmehr selb­st von des Denkens Gnaden. Das Denken ist somit ein Ele­ment, das mich über mein Selb­st hin­aus­führt und mit den Objek­ten verbindet. Aber es tren­nt mich zugle­ich von ihnen, indem es mich ihnen als Sub­jekt gegenüber­stellt.“ (Lit.: GA 4, S. 60, Her­vorhe­bun­gen A.F.)

Und in der Auseinan­der­set­zung mit der Geis­te­sart von J. W. v. Goethe (1749 — 1832) schreibt Rudolf Stein­er über die Eige­nart von sub­jek­tiv­er und objek­tiv­er Erken­nt­nis: „Das Erken­nt­nisver­mö­gen erscheint dem Men­schen nur so lange als sub­jek­tiv, als er nicht beachtet, dass die Natur selb­st es ist, die durch das­selbe spricht. Sub­jek­tiv und objek­tiv tre­f­fen zusam­men, wenn die objek­tive Ideen­welt im Sub­jek­te auflebt, und in dem Geiste des Men­schen das­jenige lebt, was in der Natur selb­st tätig ist. Wenn das der Fall ist, dann hört aller Gegen­satz von sub­jek­tiv und objek­tiv auf. Dieser Gegen­satz hat nur eine Bedeu­tung, solange der Men­sch ihn kün­stlich aufrechter­hält, solange er die Ideen als seine Gedanken betra­chtet, durch die das Wesen der Natur abge­bildet wird, in denen es aber nicht selb­st wirk­sam ist. Kant und die Kan­tian­er hat­ten keine Ahnung davon, dass in den Ideen der Ver­nun­ft das Wesen, das Ansich der Dinge unmit­tel­bar erlebt wird. Für sie ist alles Ideelle ein bloß Sub­jek­tives.“ (GA 6, S. 35, Her­vorhe­bung A.F.)

Hier möchte ich noch eine Über­legung zum Erleben der Dual­ität und zur Suche nach der Ein­heit anschließen. Wenn Dual­ität, die Tren­nung in Sub­jekt und Objekt erst durch das Denken her­vorge­bracht wird, stellt sich die Frage, ob sie über­wun­den wer­den kann, indem der Men­sch aufhört zu denken. Kann der Men­sch also nur in die Ein­heit zurück­find­en, wenn er das Denken aufgibt? Und wie zeigte sich solch ein Men­sch? Ich denke, er würde sein­er inneren und äußeren Wahrnehmung fol­gen, wie es die Tiere tun. Sie leben in Ein­heit mit ihrer Umge­bung. Sie sind har­monisch in das Gefüge des Ökosys­tems ihres Umfelds einge­bet­tet und erfüllen darin ihre Auf­gabe. Sie zweifeln nicht, ob dieses oder jenes bess­er zu tun oder zu lassen wäre. Sie fol­gen ihren Instink­ten, doch ohne Freiheit.

Wenn der Men­sch aufhört zu denken, wenn er das Erleben als Sub­jekt der Welt gegenüberzuste­hen ver­liert, schläft er. Im Schlaf lebt der Men­sch in der Ein­heit. Und eben­so lebt er während der reinen Wahrnehmung in der Ein­heit, denn wahrnehmen ist laut Rudolf Stein­er ein Hinein­schlafen in die Wahrnehmung. Das bedeutet, dass der Men­sch in Wahrheit zwis­chen dualem Bewusst­sein und Ein­heit­ser­leben beständig wech­selt — nur bemerkt er sein Leben in der Ein­heit nicht, er ver­schläft es. Das Erleben von Ein­heit ist also nur mit einem über­ge­ord­neten Bewusst­sein möglich, dass diesen Zus­tand nicht ver­schläft. Das ermöglicht der See­lenkalen­der mit seinen Mantren im Som­mer­hal­b­jahr, das der Wahrnehmungs-Seite der Seele entspricht, wie das Win­ter-Hal­b­jahr für die Denk-Seite steht.

11 L — das Mantra der Woche: Das Mantra 11 L ist eine einzige wörtliche Rede, die den Leser als ein “Du” anspricht. Doch es bleibt unklar, wer der Sprech­er ist. Han­delt es sich hier vielle­icht um eine Stimme, die als Inspi­ra­tion zwar aus dem Innern spricht, doch nicht men­schlich-indi­vidu­elle Gedanken äußert, son­dern die Stimme eines höheren Geist­we­sens ist? In der Inspi­ra­tion begin­nt sich die geistige Welt nicht nur in Bildern mitzuteilen wie in der Imag­i­na­tion, son­dern auch sprach­lich erk­lärend, weshalb diese Stufe auch das Lesen der okkul­ten Schrift genan­nt wird. Rudolf Stein­er sagt: “Jacob Böhme fühlt sich nicht mehr als einzelne Per­sön­lichkeit, die ihre Erken­nt­nisse ausspricht; er fühlt sich als Organ des großen All­geistes, der in ihm spricht. Die Gren­zen sein­er Per­sön­lichkeit erscheinen ihm nicht als Gren­zen des Geistes, der aus ihm redet. Dieser Geist ist ihm all­ge­gen­wär­tig.” (GA 7, S. 86)

Spricht in diesem Mantra vielle­icht der göt­tliche All­geist zum Men­schen? Oder anders aus­ge­drückt, ringt sich in diesem Mantra die geistige Per­spek­tive durch, für die es kein Außen und Innen und somit keine Dual­ität mehr gibt? Rudolf Stein­er beschreibt: „Als sinnlich­es Wesen ist der Men­sch ein Ding unter anderen Din­gen, und seine sinnlichen Organe brin­gen ihm als sinnlich­er Indi­vid­u­al­ität sinnliche Kunde von den Din­gen in Raum und Zeit außer ihm; spricht aber der Geist in dem Men­schen, dann gibt es kein Außen und kein Innen; nichts ist hier und nichts ist dort, was geistig ist; nichts ist früher, und nichts ist später: Raum und Zeit sind in der Anschau­ung des All­geistes ver­schwun­den. Nur so lange der Men­sch als Indi­vidu­um schaut, ist er hier, und das Ding dort; und nur so lange er als Indi­vidu­um schaut, ist dies früher, und dies später.“ (GA 7, S. 96).

Ist diese Ein­sicht der Allein­heit die weise Kunde, die der Ange­sproch­ene in dieser Son­nen­stunde, sozusagen im hell­sten Licht des Bewusst­seins, erken­nen soll? Er soll sich füh­lend durch­leben, während er der Wel­tenschön­heit hingegeben ist. Er soll also sowohl im Innern füh­lend präsent sein, als auch im Außen, in der Wahrnehmung. Er soll nicht über das, was er wahrn­immt urteilen oder nach­denken. Er soll sich nicht gegenüber­stellen. Das schließe ich daraus, dass er sich an die Wel­tenschön­heit hingeben soll, denn ohne die dis­tanzierende Hal­tung des Men­schen erstrahlt die Welt auss­chließlich in Schönheit.

Nach dieser Auf­forderung fol­gt eine sach­liche Infor­ma­tion, die für den irdis­chen Ver­stand eine echte Zumu­tung ist. Sie besagt, dass das Men­schen-Ich (sich) ver­lieren kann, dass der Men­sch sein Ich ver­lieren und sich stattdessen im Wel­ten-Ich find­en kann. Das bedeutet, dass der Men­sch die Spal­tung von Sub­jekt und Objekt — das Erleben als Ich der Welt gegenüber zu ste­hen — über­winden kann. Denn diese Tren­nung entspricht nicht der Real­ität, sie wird durch das eigene Denken her­vorge­bracht. Endet das Denken über die Welt, bleibt das ausstrahlende Bewusst­sein, das füh­lende Gewahr­sein, die eigene Son­nen­natur übrig. Und diese Son­nen­natur kann sich gehal­ten und aufge­hoben fühlen in der men­schheitlichen Sonne, dem Chris­tus. Er, als der Logos, als das die Welt denk­end schaf­fende Bewusst­sein, ste­ht dann mir, dem Men­schen gegenüber, weil er mich denkt, mich will.

Angelus Sile­sius sagt über das Ver­hält­nis des Men­schen-Ichs zum Chris­tus-Ich: “So viel mein Ich in mir ver­schmachtet und abn­immt: so viel des Her­ren Ich dar­von zu Kräften kömmt.”

10 K — die Vor­bere­itung: Das Mantra 10 K ist durch­zo­gen von der Begeg­nung des Men­schen mit dem Wesen der Sonne. Rudolf Stein­er sagt: „Was draußen durch den Wel­tenraum kreist als Sonne, ist das Wel­ten-Ich. Was drin­nen in mir lebt, ist das Ich des Men­schen“ (GA204/13). Und dieses Son­nen­we­sen, das sich zu som­mer­lichen Höhen erhebt, nimmt das men­schliche Fühlen des Ich-Sprech­ers in die zum Son­nen­we­sen gehören­den Raumesweit­en mit. Das men­schliche Fühlen wird durch das Son­nen­we­sen also in die Höhe und Weite getra­gen. Wir sprechen z.B. von einem erheben­den Gedanken. Angelus Sile­sius prägte aus diesem Gefühl der inneren Erhe­bung den Satz: “Der Leib muß sich im Geist, der Geist in Gott erheben: wo du in ihm, mein Men­sch, willst ewig selig leben.”

Der Ich-Sprech­er im Mantra kann dieses Erhoben­sein im All­geist noch nicht mit Bewusst­sein begleit­en. Nur eine dumpf kün­dende Empfind­ung regt sich in seinem Innern, dass er einst, später, wenn er in sein gegenüber­ste­hen­des, duales Bewusst­sein zurück­gekehrt sein wird, erken­nen wird, was ger­ade geschieht. Das Gotteswe­sen fühlt den Men­schen, wenn der Men­sch solcher­art erhoben und geweit­et wird vom Sonnenwesen.

Das kön­nte bedeuten, dass das Gotteswe­sen in jen­em Moment begin­nt auf göt­tliche Art zu denken und sich dadurch dem Men­schen gegenüber­stellt, wenn der Men­sch ger­ade diese Getren­ntheit in der Ein­heit über­windet. In ver­schiede­nen Weisheitssätzen drückt Angelus Sile­sius die gegen­seit­ige Abhängigkeit von Men­sch und Gott aus: “Nichts ist, als Ich und Du; und wenn wir zwei nicht sein: so ist Gott nicht mehr Gott, und fällt der Him­mel ein.” “Gott mag nicht ohne mich ein einziges Würm­lein machen: erhalt ich’s nicht mit ihm, so muß es stracks zerkrachen.”

Ein weit­er­er Aspekt der Mantren 10 K, 11 L und 12 ! ist die stufen­weise Auflö­sung der höheren Leib-Organ­i­sa­tio­nen, die für das Erden­leben nötig sind, sich jedoch nun nach dem Tod des physis­chen Leibes (Mantra 9 I) wan­deln müssen. Im Mantra 10 K kann das Lebenspanora­ma und die Auflö­sung des Äther­leibes erblickt wer­den, im Mantra 11 L das Abstreifen des Astralleibes und im Mantra 12 ! das Able­gen der Ich-Organ­i­sa­tion. Rudolf Stein­er beschreibt nun, wie der Astralleib den Äther­leib wahrn­immt, bevor dieser sich in den Wel­tenäther auflöst. “Wenn nun der astralis­che Leib jeden Mor­gen beim Aufwachen in den physis­chen und Äther­leib hineinge­ht, muss er sich anpassen dem, was aus dem physis­chen und ätherischen Leib aus der vorigen Inkar­na­tion gewor­den ist, da trifft er all das, was man gewor­den ist. Der astralis­che Leib kommt nie here­in in den Äther­leib so, dass er sich bedi­enen kann desjeni­gen, was der Äther­leib erst in der jet­zi­gen Inkar­na­tion gewor­den ist. Aber jet­zt, nach dem Tode, ist das der Fall. Er ist so mit dem Äther­leib ver­bun­den, dass der Astralleib spürt, wahrn­immt, empfind­et, was man als Faz­it, als Resul­tat von dem eben abge­laufe­nen Leben hat. Und wenn sich dann der astralis­che Leib von dem Äther­leib nach eini­gen Tagen tren­nt, dann ist im astralis­chen Leib das ganze Ergeb­nis des Lebens dadurch drin­nen, dass er es aus dem Äther­leib her­aus­ge­zo­gen hat, dass er es im Äther­leib ein paar Tage erlebt hat.“ (GA 46, 17.09.1915)

Vielle­icht kann im Wesen der Sonne der Astralleib und im Gotteswe­sen seine göt­tliche Form, das Geist­selb­st erblickt wer­den. So kön­nte das Mantra beschreiben, wie der Astralleib den Äther­leib, das Wesens­ge­füge der Lebenserin­nerun­gen und Biogra­phie — und damit den Ich-Sprech­er — fühlt.

12 ! — die Vol­len­dung: Das Mantra 12 ! ist von mir mit dem Aus­rufeze­ichen verse­hen wor­den, um zu verdeut­lichen, dass der fehlende Buch­stabe in der Über­schrift nicht vergessen wurde. Das Mantra gehört durch seine ergänzende Über­schrift “Johannes-Stim­mung” zur Woche, in dem am 24. Juni das Fest Johannes des Täufers liegt. So klingt über diesem Mantra die Stimme Johannes des Täufers: “Ändert euren Sinn. Nahe her­beigekom­men ist das Reich der Him­mel.” (Luk 3;2)

Was bei der Taufe Jesu am Jor­dan­fluss geschah, beschreibt das Mantra 12 ! für den Men­schen in ent­ge­genge­set­zter Ziel­rich­tung. Deshalb zunächst Rudolf Stein­ers Beschrei­bung des Taufgeschehens: “Was war da einge­treten in Wahrheit? In Wahrheit war diese Leib­lichkeit des Jesus von Nazareth … so reif, so vol­len­det, daß in sie ein­drin­gen kon­nte der Son­nen­l­o­gos, das Wesen der sechs Elo­him, wie wir es beschrieben haben als das geistige Wesen der Sonne. Es kon­nte sich für drei Jahre in dieser Leib­lichkeit inkarnieren, kon­nte Fleisch wer­den. Der Son­nen­l­o­gos, der hinein­scheinen kann durch die Erleuch­tung in den Men­schen, er selb­st, der Heilige Geist, tritt ein, das Wel­ten-Ich, das kos­mis­che Ich tritt ein, und es spricht for­t­an der Son­nen­l­o­gos in diesen drei Jahren aus dem Jesuskör­p­er. Der Chris­tus spricht aus dem Jesuskör­p­er die drei Jahre hin­durch. Dieser Vor­gang wird angedeutet im Johannes-Evan­geli­um und auch in den anderen Evan­gelien als das Her­ab­steigen der Taube, des Heili­gen Geistes auf den Jesus von Nazareth.“ (GA 103, S. 206f, Her­vorhe­bun­gen A.F.)

Jor­dan­taufe, Viseg­rád Codex, Prag 1085

Bei der Taufe Jesu vere­inigte sich der Chris­tus, das Son­nen­we­sen, das göt­tliche Wel­ten-Ich Ich mit dem Men­schen Jesus. Die Taube des Heili­gen Geistes senk­te sich vom Him­mel auf ihn nieder und blieb dort. Der auf dem Tauf­bild oben erscheinende Chris­tus, der aus der Him­melssphäre her­ab­schaut, nahm Woh­nung im unteren Men­schen. Im Mantra 12 ! wird der Men­sch, der Ich-Sprech­er dage­gen zum Wel­tenflug gezwun­gen. Der Wel­ten Schön­heits­glanz zwingt ihn, aus den eige­nen See­len­tiefen seine unsterblichen Anteile, seine Göt­terkräfte zum Wel­tenflug zu ent­binden, sie her­auszulösen aus der irdis­chen Ver­ankerung, dem unteren Men­schen. Er muss sich in die Höhe erheben, auf­fliegen und dauer­haft im oberen Men­schen verweilen.

Nach­dem im Mantra 10 K das leuch­t­ende Son­nen­we­sen den Ich-Sprech­er mitgenom­men hat in die Höhe und Weite, ihn also gelehrt hat zu fliegen, und die Stimme ihn im Mantra 11 L belehrt hat, dass dies möglich ist, wird der Wel­tenflug nun für den Ich-Sprech­er unauswe­ich­lich. Er wird gezwun­gen zu wagen, was nach irdis­chem Ermessen unmöglich ist. Seit dem Mantra 9 I wurde dieser Schritt vor­bere­it­et und nun ist es so weit. Der Ich-Sprech­er muss sich sel­ber ver­lassen, er muss endgültig sein gewohntes irdisch-duales Bewusst­sein hin­ter sich lassen und darauf ver­trauen, dass er sich in dem neuen Bewusst­sein, im Ein­heits­be­wusst­sein suchen und dann auch find­en kann.  Dieses neue Bewusst­sein ist kein unter­schied­slos­es Etwas. Es wird im Mantra durch zwei Qual­itäten charak­ter­isiert, durch Wel­tenlicht und Weltenwärme.

Wel­tenlicht und Wel­tenwärme kön­nen als die zwei Qual­itäten des Wel­ten-Ichs, des Chris­tus, betra­chtet wer­den, wie auch der Men­sch durch Denken und Wahrnehmung charak­ter­isiert ist. Das Wel­tenlicht kann als die Wel­tenweisheit oder auch als das Wel­ten-Bewusst­seinslicht ver­standen wer­den, die Wel­tenwärme als das wahrnehmende Wel­tenleben. Rudolf Stein­er legt im fol­gen­den Zitat dem Erleben eine warme Qual­ität bei:  “Wer von der Kälte der Ideen­welt spricht, der kann Ideen nur denken, nicht erleben. Wer das wahrhafte Leben in der Ideen­welt lebt, der fühlt in sich das Wesen der Welt in ein­er Wärme wirken, die mit nichts zu ver­gle­ichen ist. Er fühlt das Feuer des Welt­ge­heimniss­es in sich auflodern. So hat Goethe emp­fun­den, als ihm die Anschau­ung der wirk­enden Natur in Ital­ien aufging.” (GA 6, S. 50)

Die Göt­terkräfte, die den Wel­tenflug ermöglichen, zeigen sich dadurch eben­so als eine Zwei­heit: als das eigene Bewusst­seinslicht, das im Denken die höch­ste Leuchtkraft ent­fal­tet und als die warme, berührbare Leben­skraft, die Wahrnehmungs­fähigkeit des Men­schen. Dadurch zeigt sich der Men­sch tat­säch­lich als ein Mikrokos­mos, ein kleines Abbild des makrokos­mis­chen Welten-Ich.